Musikmesse

Wer spielt die erste Geige?

Zum Beispiel Dicke-Backen-Musik: Auf der Musikmesse Plaza mischen sich die Klänge wild.

Beim Publikumstag auf der Musikmesse gibt es auch einen Instrumententest.

Als Mama und Papa zur Geige greifen, muss Kimiya grinsen. Die Streichinstrumente unter das Kinn geklemmt, produzieren Somi und Alexander Sopp gar nicht mal so schräge Töne wie manch anderer Besucher beim Publikumstag auf der Musikmesse am Samstag. Etwas ulkig sehen ihre Eltern mit den Instrumenten für die Fünfjährige aber wohl aus.

Nach drei Tagen, an denen die Messehallen wie gewohnt nur Fachbesuchern vorbehalten waren, darf am Samstag auch Otto Normalverbraucher auf das Gelände. Zur „Musikmesse Plaza“ sind aber weit weniger Räume geöffnet als an den Vortagen. Für Somi Sopp sei das Angebot immer noch riesig, sagt die 36-Jährige. „Man muss in jede Tür mal reingucken“, ergänzt die Eschersheimerin, die mit ihrer Familie erstmals auf der Messe ist. Und ihre Tochter ist der Grund: Zusammen mit den Jüngsten des „Familienchors Eschersheim“ – den „Mäusen“ – singe Kimiya für die Messebesucher, berichtet Vater Alexander Sopp.

Weil sie noch Zeit bis zum Auftritt haben, schaut sich die Familie ein bisschen um. Im „Congress-Center“, im Raum „Harmonie“, haben Kimiya und ihre Eltern die Zupf- und Streichinstrumente entdeckt. Das Mädchen läuft schnurstracks zu den Ukulelen und hält eines der kleinen Saiteninstrumente hoch. Das ist also ihr Favorit. Die Eltern würden sich freuen, wenn die Tochter ein Instrument lernen würde, erzählen sie. Kimiyas Mutter berichtet, dass sie früher in der Schule im Orchester Flöte gespielt habe. Sie sagt: „Vielleicht kommt man hier wieder auf den Geschmack“. Vater Alexander sagt: „Es ist traurig, dass man’s nicht gemacht hat“, und ergänzt: „Jetzt noch mal ein Instrument lernen“, das sei schwierig.

Warme Trommelklänge in den Messeräumen

Seit zwei Jahren spielt Marcela aus Hochstadt Querflöte. Allerdings habe sie eine Nickelallergie. Deshalb sucht die 14-Jährige auf der Messe nach einem nickelfreien Mundstück, um ihrem Hobby weiter nachgehen zu können. Gerade widmet sie sich jedoch den Schlaginstrumenten. Mit einer spontan zusammengewürfelten Gruppe von Besuchern wird auf Trommeln geklopft, dass es nur so durch die gläsernen, teils endlos wirkenden Messegänge hallt. Die dumpfen, warmen Trommelklänge bilden einen Kontrast zu den funktional gestalteten Messeräumen.

Kacpar Cepok und Piotr Skoczylas aus Wiesbaden sind eine Etage tiefer im „Forum“ unterwegs. Sie schauen sich alte Mischpulte an. Auf einem sei schon die Band Queen abgemischt worden, berichtet Cepok.

Dahinter sitzen Tontechniker und Musiker bei einer Podiumsdiskussion auf der Bühne und berichten über ihre Erfahrungen aus langjähriger Arbeit. Ob es einen Preisverfall für die Tätigkeit in Tonstudios gebe, will ein Moderator wissen. „Früher haben wir nie über Geld gesprochen, damals ging es den Plattenfirmen noch gut“, sagt einer. Heute werde erst mal auf eigene Rechnung produziert. „Wenn mir was gefällt, ist das erst mal total wurscht, ich brenne immer noch für die Musik“, fügt er hinzu.

Cepok und Skoczylas seien eigentlich gekommen, um neue Trends bei den Schlagzeugen zu entdecken, berichtet Skoczylas. Jedoch hätten sie am Publikumstag nur zwei testen können. „Live sehen und probieren ist wichtig“, sagt Cepok.

Enttäuscht seien sie zwar nicht, und auch die Mischpulte seien interessant gewesen. Trotzdem wollen sie nun noch nach Köln in ein Fachgeschäft fahren, um dort auf die Pauke zu hauen.

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