Deutschsommer

Spielend Deutsch lernen beim Deutschsommer

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Das Angebot der Stiftung Polytechnische Gesellschaft hilft Schülern, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Zum Beispiel beim Theaterspielen.

Wenn Kinder mit ihren Eltern das Papageien-Spiel spielen, ist das eher nervig. Zumindest für Eltern. Sie wiederholen dann genau, was der Erwachsene gesagt hat – selbst wenn es eine Frage war. Wenn Theaterpädagogin Nicole Peinz das Papageien-Spiel mit Schülerinnen und Schülern im Deutschsommer spielt, dann ist das lehrreich. Für die Kinder. Schließlich sind die Grundschüler noch nicht lange in Frankfurt und können noch nicht so gut Deutsch. Und wenn sie dann Sätze wiederholen wie „Hinter mir steht eine große, graue, eklige Paprika“, und alle dabei das Gesicht verziehen, dann ist das sogar lustig.

Es ist wieder drei Wochen lang Deutschsommer in der Tex- torschule in Sachsenhausen. 30 Kinder – die meisten zwischen neun und zehn Jahre alt – nehmen daran teil, organisiert ist das Programm von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Die Kinder sind meist etwa seit einem Jahr in Deutschland und bekommen nun in den Sommerferien eine Extraportion Deutschunterricht. „Frankfurt ist eine Zuwanderungsstadt“, sagt Roland Kaehlbrandt, Vorsitzender der Stiftung. „Wir sollten Interesse daran haben, dass die Landessprache beherrscht wird – und das kann Schule nicht alleine schaffen.“

Aus 16 Frankfurter Grundschulen kommen die Drittklässler, um spielerisch ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Im Klassenraum spielt Theaterpädagogin Daniela Wölfel mit sechs Kindern Domino. Nicht mit Augenzahlen, sondern Wörter müssen an Bilder angelegt werden. Der Deutschsommer kombiniert aber auch Sprachtraining mit Theaterspiel. Die Kinder lesen das Buch „Rosie und Moussa“ und üben Szenen als Theaterstück ein. „Sprache wird dabei in Aktion gelernt“, sagt Bildungdezernentin Sylvia Weber (SPD), die am Mittwochvormittag den Deutschsommer besuchte. Die Kinder würden eben nicht nur Pauken, sondern bei Ausflügen, Theater und gemeinsamen Essen „in ein Sprachbad getaucht“.

Eine Generationenumfrage 2007-2013 der Stiftung Polytechnische Gesellschaft ergab: 91 Prozent der Schüler gaben an, dass der Deutschsommer ihnen geholfen habe, sich sprachlich zu verbessern.

78 Prozent der Schüler sagten, der Deutschsommer habe beigetragen, sich in der Schule mehr anzustrengen.

Die Schulnotenhaben sich bei 74 Prozent der Kinder verbessert. sabu

Die Stadt finanziert den Deutschsommer in der Textorschule mit 58 000 Euro. „Er ist ein wichtiger Grundbaustein für den weiteren Bildungsweg“, sagt Weber. Denn Sprache sei zentral für die schulische Laufbahn. „Wer nicht gut Deutsch kann, hat auch Schwierigkeiten in anderen Fächern.“ Denn Textaufgaben in Mathe lassen sich dann nicht lösen.

Die Polytechnische Gesellschaft organisiert aber nicht nur seit einigen Jahren den Deutschsommer in der Textorschule. Noch viel länger, seit 2007, gibt es das Programm der Stiftung im Schullandheim Wegscheide und in der Jugendherberge in Oberreifenberg. Die Frankfurter Schülerinnen und Schüler dort – derzeit 152 – sind schon länger in Deutschland, haben aber Nachholbedarf in Deutsch. „Es ist ein Beitrag dazu, dass die Kinder nicht die ganzen langen Sommerferien in einen anderen Sprachraum reisen und danach schlechter Deutsch sprechen als vorher“, sagt Kaehlbrandt.

Seit Beginn wurden rund 2200 Kinder gefördert. Inzwischen gibt es auch eine Kooperation mit dem hessischen Kultusministerium. Das Projekt ist so nach Darmstadt, Gießen, Rüsselsheim, Wetzlar und Wiesbaden gekommen - und werde auch noch weiter seinen Weg gehen. „Es ist eine Blaupause“, sagt Kaehlbrandt.

Die Deutschsommer-Kinder kommen aus 38 Nationen. Abhignya ist aus Indien und neun Jahre alt. „Mein Deutsch ist viel besser geworden“, sagt sie in der Textorschule. Besser als vor eineinhalb Wochen, als der Deutschsommer begonnen hat. Ihr macht vor allem das Theaterspielen Spaß. Am Tag vorher hat sie in einer Szene eine Marktverkäuferin gespielt. Was hat sie da verkauft? „Bananen und Melonen.“ Sie würde sich jetzt auch zutrauen, einfach einkaufen zu gehen. „Aber das erlaubt meine Mutter erst, wenn ich zehn bin.“ Und bis dahin wird sie alle Obst- und Gemüsesorten auf Deutsch können.

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