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Aussichtsplattform der Bundesgartenschau Koblenz anno 2011: Für seine Installation hat Herbert Cybulska den Deutschen Lichtdesignpreis erhalten.

Lichtkunst in Frankfurt

Das Spiel mit dem Licht

Der Frankfurter Herbert Cybulska beleuchtet weltweit Räume und schafft damit eine ganz besondere Atmosphäre.

Die Planer der 1927 bis 1929 erbauten Frankfurter Frauenfriedenskirche waren ihrer Zeit offenbar weit voraus. „Die hatten damals was im Kopf, was man noch gar nicht konnte“, sagt der Lichtdesigner Herbert Cybulska, der aktuell an einem neuen Lichtkonzept für die Kirche im Stadtteil Bockenheim arbeitet. Im Frankfurter Architekturmuseum sind auch die originalen Pläne für die Beleuchtung erhalten.

Man habe damals versucht, durch ein viel zu kleines Schaufenster die Sonne hineinstrahlen zu lassen, die Beleuchtungsstärke sei dafür allerdings viel zu gering. Erst heutzutage habe man die technischen Möglichkeiten, das Licht anders zu bündeln, um so die ursprüngliche Idee umzusetzen.

Cybulskas Arbeiten sind vielfältig, in Frankfurt-Sachsenhausen hat er beispielsweise die preisgekrönte Beleuchtung der ebenfalls aus den späten 20er Jahren stammenden Bonifatiuskirche geschaffen. Der Kirchenraum wirkt dank dieser farbigen, wechselnden Lichter wie ein Gemälde von expressionistischen Malern wie Ernst Ludwig Kirchner oder Lyonel Feininger.

Cybulska beleuchtet Architektur genauso wie Performances, arbeitete etwa in diesem Monat bei den Stendaler Lichttagen in Sachsen-Anhalt mit einem Maler zusammen und erzählt Geschichten mit Musik und Malerei, Installationen und Konstruktionen. Er ist weltweit tätig. Die Verbundenheit zum Theater betont er dabei immer wieder. „Das Theaterblut wird immer in mir sein“, sagt er. Denn hier liegt seine künstlerische Herkunft.

Das merkt man, wenn man mit ihm spricht. Sein ältester Bruder war Schauspieler am Staatstheater Stuttgart. Durch ihn lernte er die Welt der Bühne und den damaligen Intendanten Claus Peymann kennen. „Weil mein Bruder dort engagiert war, saß ich immer mit den Schauspielern in der Kantine und habe erfahren, wie reich diese Welt ist.“ Danach entschied er sich für das Studium der Theaterwissenschaften.

Lichtdesigner Herbert Cybulska. 

„Das Theater erzählt immer eine Geschichte. Manchmal möchte man die Zuschauer triggern, um ein bestimmtes Bild im Kopf zu vervollständigen. Man arbeitet mit Assoziationen“, sagt Cybulska. Dieser Ansatz lasse sich auch auf seine Arbeit als Lichtdesigner und Beleuchtungsmeister übertragen: „Erst das Licht macht das Stück zu etwas Ganzem. Wenn dann die Beleuchtung kommt und eine Ordnung da reinbringt, weil man plötzlich die Szenenwechsel durch Lichtwechsel erkennen kann, ist das so etwas wie eine Wohltat“, schwärmt er.

Angefangen hat der aus einer Arbeiterfamilie stammende Künstler als Regie- und Dramaturgieassistent bei WDR, Südfunk Stuttgart und der Theatermanufaktur Schorndorf. Eigentlich habe er von einer Schule für Lichtdesign in London geträumt, doch dafür habe das Geld nicht gereicht, erzählt er. Er machte eine klassische Videoausbildung und lernte den Umgang mit Kamera, Schnitt und Ton kennen. „Das war damals eine komplett andere Zeit, die Kamera alleine wog 35 Kilo.“

Cybulska kommt aus einfachen Verhältnissen. Als eines von sieben Kindern musste er bis zu seinem elften Lebensjahr sein Bett mit einem Bruder teilen. „Die Schulbücher für uns waren teurer als zwei Monatsgehälter meines Vaters“, erinnert er sich.

Den ersten großen Job als Lichtdesigner bekam er vom deutschen Pavillon für die Expo Hannover. Dort war Cybulska für das Lighting-Design von 57 Produktionen verantwortlich. Zwischenzeitlich hat er am Nationaltheater Weimar gearbeitet und war Beleuchtungschef im Züricher Schauspielhaus.

Über ein Planungsbüro in Berlin erhielt er dann die ersten Aufträge in Frankfurt. Er gestaltete zum Beispiel das Lichtkonzept für den S-Bahnhof Taunusanlage. „Ich musste nach Berlin gehen, um in Frankfurt Architekturprojekte machen zu können“, sagt Cybulska und schmunzelt.

Später gründete er mit einem Innenarchitekten ein Planungsbüro in Frankfurt und konnte mit den Aufträgen aus der Wirtschaft seine Projekte zur bildenden Kunst querfinanzieren. „Aber ein Architekt sieht einen Raum anders“, sagt Cybulska. Für ihn als Lichtdesigner müsse jede einzelne Leuchte und jeder Scheinwerfer, die Farbe des Lichts und die Position Sinn ergeben. „Ein Pädagoge oder Soziologe spricht von Sinnorientierung.“

Einmal habe sein Partner bei einem Architekturprojekt eine Wand mit grünem Licht anstrahlen lassen wollen. „Warum?“, fragte Cybulska. „Na, sieht doch geil aus“, habe der Innenarchitekt geantwortet. Eine solche Begründung reichte ihm nicht. Eine Wand einfach nur grün anstrahlen zu lassen, weil es ansehnlich erscheine, sei keine Grundlage für ein Lichtkonzept. Der Innenarchitekt verließ die Räumlichkeiten, und Cybulska blieb.

Heute schwärmt Cybulska von der intellektuellen und kompakten Kulturszene am Main. „Frankfurt ist interessant, vielleicht noch interessanter als Berlin, denn die denken ja wirklich, sie hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen.“ Er lacht.

www.herbertcybulska.com

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