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Beamte des SEK Frankfurt bei einer Übung. Foto: Renate Hoyer
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Beamte des SEK Frankfurt bei einer Übung.

SEK-Skandal

Spezialkräfte der Polizei Frankfurt: Abgeschottete Elite

  • Hanning Voigts
    VonHanning Voigts
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Nach dem Skandal um rechtsextreme Chatnachrichten wird das Frankfurter Sondereinsatzkommando aufgelöst. Das SEK ist eine Elitetruppe für heikle Einsatzlagen.

Die Öffentlichkeit bekommt von den Spezialeinsatzkommandos (SEK) der hessischen Polizei meist nur dann etwas mit, wenn es brenzlig wird. Als Mitte Mai drei Jugendliche vor einer Moschee in Frankfurt-Fechenheim mit letztlich harmlosen Soft-air-Pistolen hantierten und nicht klar war, ob es sich um scharfe Schusswaffen handelt, wurde die Spezialeinheit alarmiert. Das SEK rückte auch Mitte Januar an, als ein offenbar verwirrter 27-Jähriger vor einem Imbiss im Frankfurter Gallusviertel schreiend mit einem Messer herumfuchtelte. Auch hier kam niemand zu Schaden, der Mann wurde in die Psychiatrie gebracht.

Bewaffnete Verdächtige, Terroranschläge, Schießereien, Geiselnahmen: Solche Situationen sind klassische Einsatzlagen für das SEK. Zwei derartige Spezialeinheiten gibt es in Hessen, eine am Polizeipräsidium Kassel und eine in Frankfurt. Nach dem Skandal um aufgeflogene rechtsextreme Chats im SEK Frankfurt wird nun die ganze Einheit aufgelöst. Neben den SEKs gibt es bei der hessischen Polizei noch die Mobilen Einsatzkommandos (MEK), die vor allem bei Observationen eingesetzt werden und ebenfalls zu den Spezialkräften gezählt werden. Alle deutschen Bundesländer unterhalten mindestens ein SEK, gegründet wurden die Spezialkräfte der deutschen Polizei zur Terrorabwehr in den 1970er Jahren.

Hohe Anforderungen

Innerhalb der Polizei gelten die Spezialkräfte als Elite. Zum SEK zu kommen, ist nicht einfach. Bewerberinnen und Bewerber müssen physisch und psychisch extrem belastbar sein, vor einer mehrmonatigen Spezialausbildung müssen sie spezielle Eignungstests bestehen. Der Alltag im SEK sieht allerdings oft weniger spektakulär aus, als man vermuten würde: Die Spezialkräfte vollstrecken auch Haftbefehle oder begleiten Strafgefangene zu ihren Gerichtsterminen.

Wie viele Spezialkräfte es in Hessens Polizei gibt, ist nicht leicht zu sagen. Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) verweigerte am Donnerstag ebenso wie Frankfurts Polizeipräsident Gerhard Bereswill schon am Mittwoch eine Antwort auf die Frage, wie viele SEK-Beamt:innen es aktuell gebe. Als Beuths Amtsvorgänger Boris Rhein (CDU) im Januar 2012 medienwirksam 60 zusätzliche Stellen für SEK und MEK ankündigte und anschließend ein SEK-Training in Frankfurt besuchte, hieß es, dass in allen hessischen Spezialeinheiten zusammen 300 Mitarbeiter:innen tätig seien. Rhein betonte seinerzeit, dass man die Spezialkräfte zum Kampf gegen den islamistischen Terrorismus brauche. Die Opposition im Landtag aus SPD und Grünen sprach dagegen von einem „Wahlkampfspektakel“ und einer reinen „Show-Veranstaltung“ des Innenministers.

Dass aus dem bestens ausgerüsteten und schwer bewaffneten SEK relativ wenig nach außen dringt, kann durchaus auch zum Problem werden. Bundesweit wurde immer wieder über interne Parallelwelten und brutale Aufnahmerituale berichtet. Nach immer neuen Skandalen um erniedrigende Behandlung neuer Kolleg:innen wurde 2015 ein ganzes SEK in Köln aufgelöst – weil das Innenministerium einen Neustart für notwendig hielt.

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