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Marion Verg verantwortet den Bereich Gefahrenabwehr im Frankfurter Gesundheitsamt.
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Marion Verg verantwortet den Bereich Gefahrenabwehr im Frankfurter Gesundheitsamt.

Porträt der Woche

Spezialistin für Notlagen

  • George Grodensky
    vonGeorge Grodensky
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Marion Verg vom Gesundheitsamt hat das Corona-Impfzentrum in der Frankfurter Festhalle mitgeplant.

Mai 1963: Der Schauspieler Steve McQueen sitzt in einer Wohnung in Palm Springs auf dem Sofa und zielt mit einem Revolver. Er trägt Sonnenbrille und sieht sehr, sehr lässig aus. Dieses Bild hängt im Frankfurter Gesundheitsamt, im Büro von Marion Verg, Leiterin der Medizinischen Gefahrenabwehr. Das passt!

Die 55-Jährige ist Teil des Planungsstabs, der das Frankfurter Impfzentrum an der Messe erarbeitet hat. Mit einem Kollegen hat sie einen Lageplan der Festhalle genommen und die Impfstraße eingezeichnet mit allen vor- und nachgelagerten Stationen: Anmeldebereich, Lager, Apotheke, Abschnitt für die Überprüfung von Dokumenten, Kabinen für Arztgespräche, für Datenerfassung und Dokumentation, Ruhezone. Die 44 Kabinen für den Pikser bilden das Zentrum.

Die Messe hat all dies dann in die Halle eingebaut. Das muss ein besonderer Moment gewesen sein, das Werk verwirklicht zu sehen. Was da in so kurzer Zeit entstanden ist, ist beeindruckend. Doch Verg spricht nicht von Gänsehaut. Sie zählt die unzähligen Besprechungen auf, mit der Branddirektion, mit der Messe, mit den Amtskolleginnen und -kollegen. Eine Flut an Details gilt es zu beachten. „Wir haben ja kein kleines Impfzentrum, wo man zur Not eine Wand verschieben kann“, sagt sie.

Im Gegenteil, bis zu 4000 Menschen sollen dort am Tag eine Impfung erhalten, das gibt das Land vor. Am 23. November „ist der Einsatzbefehl gekommen“, erzählt Verg. Am 17. Dezember stellten Oberbürgermeister Peter Feldmann und Gesundheitsdezernent Stefan Majer der Presse das einsatzbereite Zentrum stolz vor. Einen Tag später fand ein Test statt. Alle Kräfte waren vor Ort, 40 Statisten durchliefen die Stationen. „Es hat gut funktioniert“, sagt Verg.

Verbesserungspotenzial ist dem Stab dennoch aufgefallen. Zu Anfang sollen ältere Menschen ins Impfzentrum kommen. Dafür ist mehr Personal erforderlich, das bei der Orientierung hilft. „Die Besucher werden aufgeregt sein“, sagt Verg. Wegen der Impfung und weil die Festhalle „riesig“ sei, für viele unbekanntes Terrain. Der Stab hat noch mal die Wegeführung begutachtet. „Die muss selbsterklärend sein.“

Seit Sonntag, 27 Dezember, wird nun gegen Corona geimpft. Die Impfstoffverteilung hat das Land Hessen erst kurz davor bekanntgegeben. In Frankfurt rücken zunächst die mobilen Teams aus, zu den Alten- und Pflegeeinrichtungen der Stadt. In der Festhalle beginnt der Betrieb erst im neuen Jahr.

Marion Verg hat Erfahrung im Umgang mit Notlagen. Wenn nicht gerade eine Pandemie die Stadt im Atem hält, ist sie für die Überprüfung der Einsatzpläne der Frankfurter Krankenhäuser zuständig. Dafür, was zu tun ist bei Stromausfall, bei Wasserschäden, bei großen Unglücken. Die Kliniken stellen Pläne auf, dazu sind sie per Gesetz verpflichtet. Verg überprüft die Wirksamkeit durch Übungen. Lange Zeit hat sie diese angekündigt. Inzwischen sind die Kliniken so gut vorbereitet, dass Verg auch unangemeldet auftauchen kann, mit einem Schreckensszenario und etlichen geschminkten Statisten.

Die Corona-Pandemie hat sie selbstverständlich nicht vorher üben können. „Das kann sich keiner ausdenken.“ Aber vorbereitet seien die Kliniken doch gewesen. Dass sich eine besondere Lage einstellt, dass mehr Intensivbetten aufgestellt werden können, dass die Krankenhäuser ohne Konkurrenzdenken zusammenarbeiten können, das hat sich über die Jahre und Übungen hinweg entwickelt. „Die Frankfurter können stolz sein“, findet Verg.

Verg ist examinierte OP-Schwester, hat BWL studiert. Später setzte sie ihre Kenntnisse in den städtischen Kliniken in Höchst ein. Dort gehörte sie dem Planungsteam für den Neubau an. Auf ihren Rat hin gab es vorab Nutzergespräche mit denen, die künftig die Räume nutzen sollen. „Man soll nicht über Menschen planen, sondern mit ihnen“, findet Verg.

2012 holt Gesundheitsdezernentin Rosemarie Heilig sie als Referentin. Sie betreut das Gesundheitsamt und findet es von Anfang an faszinierend, „was so ein Amt alles leistet“. Ein Datum ist Verg im Gedächtnis geblieben. Am 3. Oktober 2014 wird ein im westafrikanischen Sierra Leone an Ebola erkrankter Arzt nach Frankfurt geflogen und auf der Isolierstation der Frankfurter Uniklinik behandelt.

Verg fragt den Leiter des Gesundheitsamts, René Gottschalk: „Was muss da alles vorbereitet werden? Wer macht das? Wer ist dabei? Kann ich mir das anschauen?“ Gottschalk antwortet: „Ja!“. Dieser Einsatz am Flughafen hat Verg nachhaltig beeindruckt.

Seit 2015 ist sie selbst Teil des Amts. Nun, kurz vor dem Impfbeginn, häufen sich die Nachrichten auf ihrem Schreibtisch. Ständig brummt oder piept was in ihrem Büro, unzählige Details sind noch zu klären. Wie sich die Menschen für die Impfung anmelden etwa. Auch auf der Agenda: Wo der Impfstoff lagert (geheim), wie das Sicherheitskonzept dafür aussieht. „Es gibt sehr begehrte Arzneimittel“, sagt Verg ausweichend. Das Amt möchte auch Saboteure von den Dosen fernhalten.

Mit der Pandemie ist der öffentliche Gesundheitsdienst in den Fokus von Politik und Bevölkerung gerückt. Es wird deutlich, welche Aufgaben von den Gesundheitsämtern zu bewältigen sind. Das Frankfurter Amt hat viel Arbeit hinter und auch vor sich. „Es ist eine große Verantwortung“, sagt Verg, „Und eine große Leistung vieler verschiedener Akteure und helfender Händen, jeder Einzelne zählt.“ Nur so könne man ein so großes Impfzentrum in kurzer Zeit aufbauen.

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