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Armand Zorn sitzt im Vorstand der Frankfurter SPD.

Armand Zorn

SPD-Politiker: „Frankfurt unterschätzt das E-Government“

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Der SPD-Politiker Armand Zorn hält im FR-Interview die digitalen Angebote der Stadtverwaltung für unzureichend.

Armand Zorn ist Digitalisierungsexperte der SPD. Der 31 Jahre alte Unternehmensberater, der im Unterbezirksvorstand seiner Partei sitzt, ist von der neuen Homepage der Stadt Frankfurt enttäuscht.

Herr Zorn, seit wenigen Wochen ist die neue Homepage der Stadt online. Was stört Sie daran?

Man hat sieben oder acht Jahre am Relaunch von frankfurt.de gearbeitet und eine Million Euro in die Entwicklung gesteckt. Dafür ist das Ergebnis sehr dürftig. Rein optisch weckt diese Seite keinerlei Emotionen. Schauen Sie sich die Seiten von London, Paris, Barcelona oder auch Düsseldorf an. Da werden Sie ganz anders empfangen. Da machen die Websites Lust auf die Stadt.

Was sagen Sie zum Angebot auf der Homepage?

Die Seite ist leider nicht benutzerfreundlich. Die Nutzer finden die Informationen, die sie suchen, in der Regel nicht schnell genug. Man muss sich durch viele verschiedene Seiten klicken, und auch die Suchfunktion hilft nur begrenzt. Wenn man etwa einen Kindergartenplatz sucht, findet man erst lauter belanglose Infos, bevor man an letzter Stelle auf die Seite vom Kindernet verwiesen wird, auf der man sich für einen Betreuungsplatz bewerben kann. Das ist schwach für eine so große Stadt. Offenbar unterschätzt Frankfurt die Bedeutung des Themas E-Government immer noch.

Was müsste geschehen, damit sich diese Einschätzung ändert?

Vieles. Grundsätzlich sollten Menschen nur auf ein Amt gehen müssen, wenn das wirklich nötig ist. Es gibt 100 Leistungen von Behörden, die sich auf digitalem Weg umsetzen ließen. Die Stadt Frankfurt bietet nur 20 davon an, darunter befinden sich Onlineanträge für den Kleinen Waffenschein und für Sommergärten vor Kneipen. Die Ummeldung des Wohnsitzes hingegen muss nach wie vor auf dem Amt erfolgen, und das ist doch nahezu absurd. Ich bin jetzt vom Gallus ins Ostend gezogen und musste aufs Bürgeramt, um meine neue Adresse anzugeben.

Warum hängt die Stadt im E-Government so deutlich hinterher?

Die Verantwortungen in Frankfurt sind klar definiert. Des Weiteren gibt es viele positive Beispiele, wie Wien, Helsinki oder Rotterdam, an denen sich Frankfurt orientieren könnte. Einzig am politischen Willen des IT-Dezernenten Jan Schneider (CDU) – oder aber an seiner Fähigkeit, diesen auch in konkrete Verbesserungen für die Frankfurter Bürgerinnen und Bürger umzusetzen – scheint es zu mangeln. Dabei kann E-Government helfen, Amtswege für Bewohnerinnen und Bewohner sowie für die Unternehmen einfacher und effizienter zu gestalten.

Gleichzeitig gibt es Menschen, die mit Onlineanträgen überfordert wären.

Analoge Angebote müssen natürlich bestehen bleiben. Wer weiterhin aufs Amt gehen will, soll das tun. Es muss auch weiterhin die telefonischen Angebote der Verwaltung über die Nummer 115 geben. Die Digitalisierung wird dazu führen, dass die Mitarbeiter mehr Zeit für solche analogen Angebote haben.

Was entgegnen Sie Kritikern, die großflächige digitale Angebote für zu risikoreich halten? Immerhin gab es unlängst einen Hacker-Angriff auf die Stadtverwaltung.

Die Daten müssen natürlich geschützt werden – aber das gilt unabhängig von neuen Angeboten im E-Government. Denn alle Angaben, die die Bürgerinnen und Bürger bei den Behörden machen, werden ja digital erfasst. Ein Mitarbeiter gibt sie in den Computer ein. Das heißt, sie sind ohnehin irgendwo gespeichert. Mir geht es um die Frage, wie die Daten zum Amt kommen.

Interview: Georg Leppert

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