Kulturcampus

Zwiespältige Bilanz

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Noch fehlt einiges zum Kulturcampus. Die Stadt muss handeln, will sie sich nicht mächtig blamieren. Ein Kommentar

Tatsächlich könnte die Geschichte des Kulturcampus in Frankfurt doch noch ein versöhnliches Ende nehmen. Freilich bräuchte es dazu mehr als lediglich eine neue Hochschule für Musik und Darstellende Kunst sowie ein Zentrum der Künste.

Seit mehr als zehn Jahren arbeiten Politiker von Stadt und Land daran, die Fläche der alten Goethe-Universität in Bockenheim zu einem kulturellen Zentrum mit internationaler Strahlkraft umzuwidmen. Die Ergebnisse dieser Anstrengungen sind bestenfalls zwiespältig.

Das Senckenbergische Forschungsinstitut konnte sich mit großer Unterstützung des Landes Hessen vor Ort erheblich erweitern. Das ist gut so. Das Land gibt weitere 100 Millionen Euro für eine Musikhochschule und 45 Millionen Euro für die Ansiedlung des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik. Dafür gebührt der schwarz-grünen Landesregierung Lob und Anerkennung.

Weit weniger kann die Stadt Frankfurt dafür auf der Haben-Seite vorweisen. Seit die damalige Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) als große Förderin des Kulturcampus 2012 ihr Amt aufgab, fristet das Projekt in der Kommunalpolitik ein kümmerliches Dasein. Der städtische Konzern ABG als Besitzer des Campus-Grundstücks verwirklichte bisher vor allem, was ordentlich Geld in seine Kasse brachte, die Stadt aber wirklich nicht braucht.

Zum Beispiel verkaufte sie das Grundstück des früheren AfE-Turms an einen privaten Investor, der dort ein Luxus-Wohnhochhaus errichtet. Das besitzt Ironie: Wo ehemals Studierenden die Kapitalismuskritik beigebracht wurde, verwirklicht sich heute Kapitalismus pur.

Das gleiche Schicksal traf das Philosophicum, in dem einst Theodor W. Adorno die Kritische Theorie unterrichtet hatte. Heute verdient dort ein privater Unternehmer viel Geld mit sündhaft teuren Mikro-Apartments. Den Weg geebnet dafür hat ihm der Frankfurter Magistrat in Gestalt des früheren Planungsdezernenten Olaf Cunitz (Grüne).

Was zuvor den Menschen in Planungswerkstätten versprochen worden war, blieb dagegen aus. Private Initiativen mit alternativen Wohnmodellen kamen bis heute nicht zum Zuge.

Immerhin gestattet es die Stadt dem Verein Offenes Haus der Kulturen, das alte Studierendenhaus zu bespielen. Endgültig übergeben hat die Kommune es allerdings noch immer nicht.

Und nun also kommt das Zentrum der Künste als Nagelprobe für die Kommunalpolitik. Dieses Domizil für Kulturinstitutionen mit Weltgeltung kann nur verwirklicht werden, wenn die Stadt sich finanziell engagiert. Der Eiertanz von Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) bei der Frage der Finanzierung zeigt aber: Der Weg dahin ist in der Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen weit. Die Koalition muss handeln. Sonst blamiert sich die Kulturstadt Frankfurt mächtig.

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