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Initiator Götz Wörner (l.) und Pass-Inhaber Rolf Schäfer.

Armut in Frankfurt

Zehn Jahre "Kultur für alle"

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Mehr als 25.000 Frankfurter haben mittlerweile einen Kulturpass. Er ermöglicht ihnen, zu ermäßigten Preisen in über 200 Kulturinstitutionen der Stadt zu gelangen.

Rolf Schäfer hat in den vergangenen fünf Jahren fast keine Ausstellung in der Stadt verpasst. Auch zu den Veranstaltungen der Frankfurter Jazz-Initiative und anderen Konzerten geht er regelmäßig. Der Rentner ist einer von mittlerweile mehr als 25 000 Frankfurterinnen und Frankfurtern, die einen Kulturpass haben oder hatten – und damit ermäßigten Eintritt zu über 200 Kulturinstitutionen in der Stadt bekommen. 

Dass einmal so viele Menschen einen Kulturpass haben würden, habe er nicht erwartet, sagte Projektinitiator Götz Wörner anlässlich des zehnjährigen Bestehens am Freitag. 2008 hat der ehemalige Musikproduzent den Verein „Kultur für alle“ gegründet, der den Pass bis heute herausgibt. Frankfurter Bürgerinnen und Bürger mit niedrigem Einkommen erhalten den Ausweis zum symbolischen Preis von einem Euro, für Kinder kostet er 50 Cent. Mit dem scheckkartengroßen Kärtchen können sie dann für wenig Geld Museen, Theater oder Lesungen besuchen. 

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) gratulierte Wörner zu seinem „Lebenswerk, Kultur für alle initiiert zu haben“. Bei Kultur gehe es um Räume, die allen gehörten. „Und deswegen sollen auch alle reindürfen.“

Derzeit nutzen laut Wörner rund 7000 Frankfurterinnen und Frankfurter ihre Pässe aktiv. „Ganz besonders stolz bin ich darauf, dass wir es geschafft haben, 4500 Geflüchtete mit einem Pass auszustatten“, sagte er.

Die Idee zu dem Projekt hatte Wörner, nachdem er selbst auf Sozialhilfe angewiesen war – und sich den Eintritt zu einem Konzert in der Alten Oper nicht leisten konnte. „Da hat es bei mir angefangen zu arbeiten.“ Die Idee zum Kulturpass war geboren. Gut zehn Jahre später ist das Angebot der beteiligten Institutionen breit und reicht von den städtischen Bühnen über die Buchmesse bis hin zur Big Band und dem Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks. „Aber wir machen hier keine Spezialkiste für arme Leute“, betonte Wörner. „Es gibt kein Extrakontingent. Wenn eine Veranstaltung ausverkauft ist, dann ist sie ausverkauft.“

Anlässlich des Jubiläums wagte Wörner auch einen Blick in die Zukunft. Pläne gibt es bereits: Der Kulturpass soll über die Grenzen Frankfurts hinaus ausgedehnt werden. Einige Anbieter außerhalb der Stadt seien schon dabei, etwa der Kunstverein Wiesbaden oder das Klingspor-Museum Offenbach. „Aber wir wollen uns nach ganz Hessen ausweiten“, sagt Wörner.

Alle beteiligten Institutionen sind zu finden unter www.kulturpass.net.

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