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Oliver Schwebel will seine Aufgabe mit Begeisterung angehen.

Personalie

Wirtschaftsförderung als Traumberuf

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Der Krifteler Oliver Schwebel ist der neue Geschäftsführer der städtischen Wirtschaftsförderung. Er soll Stadt und Region vernetzen. Wie gut die Zusammenarbeit funktionieren kann, zeigen Frankfurt und Offenbach am Kaiserlei.

Wenn Oliver Schwebel Investoren zeigen will, was sich alles in Frankfurt tut, muss er sie eigentlich nur in sein Büro bitten. Die Fenster im zwölften Stock des Lighttowers an der Hanauer Landstraße ermöglichen fast einen Panoramablick, von der EZB über das Bankenviertel und den Taunus bis zum Osthafen. Im Vordergrund drehen sich Kräne.

„Wir sind damals bewusst in den Osten gezogen“, sagt der neue Geschäftsführer der städtischen Wirtschaftsförderung. Und dann zeigt er am Fenster stehend, wo Lufthansa Technik investieren will, weist auf die Wurstküche von Gref-Völsing hin, lenkt den Blick auf die Mühle im Osthafen und kommt nicht ohne Stolz auf all die Kreativen zu sprechen, die sich im Viertel angesiedelt haben.

Noch wirkt das Büro etwas zu aufgeräumt, fast leer. Schwebel ist noch nicht umgezogen. Im Juni soll renoviert werden. Bis alles fertig ist, nutzt er sein bisheriges Büro, nur ein Stockwerk tiefer.

Dass der Krifteler zum Monatsanfang die Geschäftsführung der städtischen Gesellschaft übernommen hat, war für viele Beobachter keine große Überraschung. Schon als der gelernte Bankkaufmann nach Jahren bei der BFG, der DZ-Bank, der Six-Gruppe und dem gescheiterten Versuch, Bürgermeister von Kronberg zu werden, im Jahr 2010 zur Wirtschaftsförderung kam, galt er als möglicher Nachfolger des damaligen Chefs Peter Kania. Als Anja Obermann bekanntgab, dass es sie nach nur eineinhalb Jahren als Geschäftsführerin zurück nach Rheinhessen zieht, war der Weg frei für den bisherigen Leiter der Servicestelle Wirtschaft.

Schwebel hat nicht lang überlegen müssen, als ihn Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) fragte, ob er die Aufgabe übernehmen will. „Das ist ein Traumberuf für mich“, sagt er. „Ich gehe mit großer Begeisterung an die Sache.“ Denn sein Job bringe alle Facetten des wirtschaftlichen Geschehens und des gesellschaftlichen Lebens zusammen. „Kein Tag ist wie der andere.“

Viel politische Erfahrung

Eine Herausforderung sei seine neue Aufgabe aber schon, sagt der 45-Jährige, der sich beim Radfahren und Joggen mit seiner Frau Katja fit hält. Und das nicht nur, weil er sich nun stärker strategischen Aufgaben widmen muss und die Wirtschaftsförderung nach außen repräsentieren.

Anders als Obermann ist Schwebel auch in die Geschäftsführung der Marketing-Gesellschaft Frankfurt/Rhein-Main berufen worden. Für diese soll er ein Kompetenzzentrum zur besseren Verankerung des internationalen Standortmarketings in der Region aufbauen. Viele Jahre, ja Jahrzehnte ist mehr gegeneinander als miteinander gelaufen im Rhein-Main-Gebiet. Das Verhältnis der Stadt Frankfurt zu den Kommunen im Umland war von gegenseitigem Misstrauen geprägt. Das weiß Schwebel, der für die CDU 19 Jahre lang dem Kreistag des Main-Taunus-Kreises angehörte, sehr genau. Er kenne beide Blickrichtungen: die auf Frankfurt und die aus der Stadt in die Region, sagt er.

Chance auf Verbesserung

Nach Schwebels Vorstellungen werden die Städte und Gemeinden in der Region zwar weiterhin um Unternehmen konkurrieren können. Wenn sich Konzerne im Rhein-Main-Gebiet ansiedeln wollen, sollen sie in dem Kompetenzzentrum aber künftig einen klaren Ansprechpartner haben. Es soll die lokalen Wirtschaftsförderungen auch entlasten, etwa durch Serviceangebote und Veranstaltungen.

Die Chance für eine bessere Zusammenarbeit in der 5,5 Million Einwohner zählenden Metropolregion, sieht Schwebel durchaus. „Feldmann hat viel Vertrauen aufgebaut.“ Ein Beleg dafür sei etwa, dass die Region den Auftritt bei der Münchner Immobilienmesse Expo Real erstmals gemeinsam ausschreiben lässt.

Der Zusammenarbeit der Städte Frankfurt und Offenbach am Kaiserlei könnten andere Kommunen folgen. „Wir müssen die Kräfte bündeln, um die Region voranzubringen“, sagt er. „Die Entwicklungen können nicht allein von der Kernstadt Frankfurt getragen werden.“ Beim Ausbau des Verkehrsnetzes seien die Kommunen aufeinander angewiesen. Bei anderen Themen, etwa dem Breitbandausbau, könnten sie von einander lernen.

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