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Günstige Tickets könnten ein Anreiz sein, vermehrt auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen.

Fahrverbot in Frankfurt

"Wir brauchen jetzt günstige Tickets"

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Der Grüne Wolfgang Siefert sieht die Stadt Frankfurt und den RMV unter Zeitdruck - er drängt auf eine rasche Einführung des 365-Euro-Tickets.

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) streitet für ein RMV-Jahresticket für 365 Euro. Ursprünglich kommt diese Idee von den Grünen. Deren Verkehrsexperte Wolfgang Siefert drängt im FR-Interview auf eine rasche Umsetzung.

Herr Siefert, Oberbürgermeister Peter Feldmann hat in dieser Woche das RMV-Jahresticket für 365 Euro als Ziel ausgegeben. Finden Sie es gut, dass Feldmann mit grünen Ideen Politik macht? 
Wir freuen uns immer, wenn wir Menschen von unseren Forderungen überzeugen können. Wir wollen aber schon darauf hinweisen, dass es die OB-Kandidatin der Grünen, Nargess Eskandari-Grünberg, war, die das Thema aufgebracht hat. Noch interessanter wäre aber gewesen, wenn Peter Feldmann einen konkreten Zeit- und Finanzierungsplan genannt hätte. Auf Antrag der Grünen hat das Stadtparlament im April den Magistrat aufgefordert, zu prüfen und zu berichten, wann und mit welchem Finanzierungskonzept ein solches Ticket eingeführt werden könnte. Darauf haben wir leider immer noch keine Antwort.

Feldmann sprach in dieser Woche von einem langfristigen Ziel. 
Das Problem ist, dass Frankfurt keine Zeit hat. Das Dieselurteil hat die Situation noch verschärft. Die Richter haben klar gesagt, dass der ÖPNV gestärkt werden muss. Wir brauchen jetzt ein günstiges Jahresticket, deshalb ist mit langfristigen Zielen nichts gewonnen.

Derzeit kostet die Jahreskarte in Frankfurt aber mehr als doppelt so viel. Wie soll denn die Finanzierung klappen? 
Das soll der Magistrat ja gerade prüfen. Aber ich kann auch auf die Erfahrungen der Stadt Wien verweisen. Dort wurde ein 365-Euro-Ticket eingeführt, und es gab viel mehr Fahrgäste. Insofern muss die Einführung kein reines Zuschussgeschäft sein.

Für mehr Fahrgäste braucht es aber mehr Busse und mehr Bahnen und vor allem mehr Fahrer. Diese zu finden, scheint schwierig zu sein, weil etwa Busfahrer von ihrem Gehalt kaum in Frankfurt leben können... 
Ja, das ist alles richtig. Wobei Busfahrer längst nicht die einzige Berufsgruppe sind, die Probleme hat, die Frankfurter Mieten zu bezahlen. Und zumindest haben wir jetzt gerade neue Waggons gekauft, sodass längere U-Bahnen eingesetzt werden können. Aber klar, die Einführung eines günstigen Tickets ist ein großes Projekt mit weitreichenden Folgen. Nur hilft es ja nichts, jetzt zu lamentieren. Wir müssen diese Fragen lösen, und zwar bald. Da ist der Magistrat gefordert, mit Feldmann an der Spitze und Klaus Oesterling als Verkehrsdezernenten.

Sehr viele Fahrgäste sind Pendler aus dem Umland. Ist es denn sinnvoll, ein solches Ticket nur für Frankfurt einzuführen? 
Die Grünen verfolgen auf Landesebene deshalb ja auch ein Flatrate-Ticket. Tarek Al-Wazir hat mit dem 365-Euro-Schülerticket und dem Landesticket für die Beschäftigten des Landes die ersten Schritte gemacht. Wenn jetzt Frankfurt mit einem 365-Euro-Jahresticket vorangeht und das Umland folgt, dann wäre das klasse. Peter Feldmann kann das als Aufsichtsratsvorsitzender des RMV unterstützen.

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