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Wo es am Eschenheimer Tor zur U-Bahn geht, ist zugleich der Eingang zur neuen Notübernachtung.

Obdachlosigkeit

Winterquartier für 150 Menschen

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Seit fast 20 Jahren können Obdachlose im Winter in der B-Ebene der Frankfurter Hauptwache übernachten. Jetzt zieht die Notübernachtung um.

Die Notübernachtung für obdachlose Menschen, die seit fast 20 Jahren jeden Winter in der B-Ebene der Hauptwache untergebracht war, ist in die U-Bahn-Station Eschenheimer Tor umgezogen. Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) und Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) stellten die neuen Räume am Donnerstagmittag der Öffentlichkeit vor – nur wenige Stunden vor Beginn des eigentlichen Betriebs in der Nacht zum Freitag.

Ab sofort können im Zwischengeschoss am Eschenheimer Tor jede Nacht zwischen 22 und 6 Uhr bis zu 150 obdachlose Menschen auf dem Fußboden übernachten. Anschließend wird ein Teil der Räume zum sogenannten Wintercafé umgebaut, in dem die Schlafgäste Kaffee und einen kleinen Imbiss bekommen und im Warmen wachwerden können. Um 10 Uhr, wenn die Tagesstätten und Hilfseinrichtungen in der Stadt öffnen, schließt die Notübernachtung wieder bis 22 Uhr.

Neue Wände, sanierte Toiletten

Das Sozialdezernat und der stadtnahe Frankfurter Verein für soziale Heimstätten, der das neue Angebot betreiben wird, haben die B-Ebene am Eschenheimer Tor für rund 250 000 Euro umbauen lassen. Neue Wände wurden eingezogen, sodass eine 560 Quadratmeter große Halle entstanden ist. Außerdem wurden die alten Toiletten des U-Bahnhofs saniert, Heizkörper und eine Belüftungsanlage eingebaut. Im Gegensatz zur Hauptwache, wo die Notübernachtung nur mit weiß-rotem Band abgetrennt war, gibt es nun einen geheizten Raum mit eigenem Empfangsschalter.

Der Umzug der Notübernachtung sei nötig geworden, weil die Hauptwache saniert werden solle und dort ab Dezember in den Nächten auf Samstag und Sonntag noch mehr Züge führen, sagte Sozialdezernentin Birkenfeld. Sie sei froh, dass es in Zusammenarbeit mit der VGF und dem Verkehrsdezernat gelungen sei, einen neuen Standort in Innenstadtnähe zu finden, der zudem noch Platz für das „Wintercafé“ biete. Das Caféangebot am frühen Morgen war im vergangenen Jahr erstmals an der Hauptwache ausprobiert worden – in den ehemaligen Räumen des Frankfurter Kindermuseums, in die das Techno-Museum „Momem“ einziehen soll. „Ich sehe das hier als Verbesserung“, sagte Birkenfeld.

Verkehrsdezernent Oesterling sagte, die B-Ebene am Eschenheimer Tor habe sich angeboten, weil die weitläufige Anlage, die 1968 eröffnet worden war, schon lange leergestanden habe. Auch er finde den neuen Standort geeigneter als die Hauptwache. Durch die Trennwände sei die Notübernachtung besser vor Kälte und Störungen geschützt. An der Hauptwache sei es in der Vergangenheit immer wieder vorgekommen, dass angetrunkene Passanten oder Jugendliche versucht hätten, die schlafenden Obdachlosen mitten in der Nacht anzusprechen oder zu fotografieren. „Ich glaube, das ist eine bessere Lösung als das, was wir bisher gehabt haben“, sagte Oesterling.

Christiane Heinrichs vom Frankfurter Verein für soziale Heimstätten erläuterte, für ihre Mitarbeiter sei vor allem vorteilhaft, dass sie jetzt genauer kontrollieren könnten, wer die Notübernachtung betrete. Wie bisher bekämen die Übernachtungsgäste bei Bedarf Decken und Isomatten ausgehändigt. Eine Architektin habe die gute Idee gehabt, kippbare Tische zu kaufen, die man nachts als Sichtschutz zwischen die Schlafenden stellen und morgens für das Frühstück nutzen könne.

Die Sozialarbeiter des Frankfurter Vereins informierten ihnen bekannte Obdachlose schon länger über den Umzug der Notübernachtung, sagte Heinrichs. In den kommenden Tagen werde es auch Lotsen geben, die Obdachlose von der Hauptwache zum Eschenheimer Tor begleiten. „Wir gehen davon aus, dass es sich schnell herumsprechen wird. Wir sind guter Dinge, dass alles gut klappt.“

Wie bisher richtet die Notübernachtung sich vor allem an psychisch kranke Obdachlose, die eine feste Unterkunft nicht betreten würden, oder Menschen aus Osteuropa, die keinen Rechtsanspruch auf eine bessere Unterbringung haben. Im Rahmen der diesjährigen Winteraktion der Stadt gibt es nach Angaben von Sozialdezernentin Birkenfeld ab sofort außerdem 270 zusätzliche Betten im Ostpark und anderen Notunterkünften, zudem bieten die Tagesstätten von Caritas und Diakonie 75 weitere Betten an. Jede Nacht ist zudem der Kältebus des Frankfurter Vereins für soziale Heimstätten unterwegs, der warme Getränke und Decken verteilt und Menschen auf Wunsch in eine Unterkunft fährt. Wie in jedem Winter rief die Sozialdezernentin alle Frankfurter dazu auf, die Behörden zu informieren, sobald bei großer Kälte ein Mensch auf der Straße schlafe.

Kritik vom Förderverein Roma

Um die Bürger besser über die Hilfsangebote zu informieren, will das Amt für Kommunikation und Stadtmarketing den ganzen Winter über kleine Videobeiträge auf dem Youtube-Kanal der Stadt veröffentlichen. Ein erster Beitrag über die neue Notübernachtung wurde bereits online gestellt.

Unterdessen hat der Förderverein Roma die Entscheidung der Stadt kritisiert über das Winterquartier kritisiert. „Der U-Bahnhof Eschenheimer Tor ist ein Bahnhof, keine Wohnung“, teilte der Verein, der sich für die Interessen der Roma-Minderheit in Frankfurt einsetzt, am Freitag mit. Gerade obdachlosen Roma aus Osteuropa, die neben ihrer Armut von Diskriminierung betroffen seien, müsse die Stadt Wohnraum anbieten, „statt durch kosmetische Maßnahmen, unterlassene Hilfe und Ausgrenzung die Menschen zu vertreiben“. 

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