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Einige Häuser der Ernst-May-Siedlung.

Bauhaus und Frankfurt

Werkstatt der Moderne

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"Wenn das Bauhaus die Akademie war, war Frankfurt die Werkstatt": Die Stadt feiert 2019 den Aufbruch des Neuen Frankfurt.

Für 2019 hat sich die Kulturstadt Frankfurt ein ehrgeiziges Unterfangen vorgenommen. Sie will die Erneuerungsbewegung des „Neuen Frankfurt“ in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts neben den Aufbruch des Bauhauses rücken, das seinen 100. Geburtstag feiert. „Das Neue Frankfurt war ebenso bekannt wie das Bauhaus, wenn nicht bekannter“, behauptet Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) vor den Journalisten, die dicht gedrängt im Forum Neues Frankfurt in der Römerstadt sitzen.

Und Matthias Wagner K, Direktor des Museums Angewandte Kunst (MAK), ordnet es so: „Wenn das Bauhaus die Akademie war, war Frankfurt die Werkstatt.“ In gleich drei Ausstellungen will die Stadt die Frankfurter Moderne reflektieren – bei Architektur wie Städtebau, aber auch beim Design und beim Interieur.

Das MAK macht am 19. Januar 2019 den Anfang. „Moderne am Main“ heißt seine Ausstellung. Mehr als 600 Objekte hat das Museum zusammengetragen. Erinnert wird an die wichtige Rolle, die Fritz Wichert spielte, der 1923 Begründer der städtischen Kunstschule war, in der dann die Städelschule aufging. Schon damals verfügte das Institut über Klassen für Mode und Textilien. Im Zentrum aber stand die Architektur. Das MAK blendet aber auch zurück auf Margarete Schütte-Lihotzky, die mit dem Entwurf der Frankfurter Küche weltweit Furore machte.

Das Deutsche Architekturmuseum (DAM) stellt naturgemäß die Siedlungen des Neuen Frankfurt ins Zentrum – ab 23. März 2019 in einer Ausstellung unter dem Motto „Neuer Mensch, neue Wohnung“. Die Quartiere: ein weit über 10 000 Wohnungen umfassendes Programm, das der Stadtbaurat Ernst May organisierte. Das städtische Hochbauamt wurde mit einem international zusammengesetzten Team zum konzeptionellen Herz dieser Entwicklung. 

Gemeinsam mit May entwickelte der damalige Oberbürgermeister Ludwig Landmann diese Vision. Kulturdezernentin Hartwig erinnert an das grauenvolle Schicksal Landmanns, der sich ausgehungert und stark geschwächt in der niederländischen Stadt Voorburg vor den Nazi-Verfolgern versteckte. Am 5. März 1945 versagte sein Herz.

Wie wohnen die Leute?

Das Historische Museum wirft vom 16. Mai an die Frage auf: „Wie wohnen die Leute?“ Das Stadtlabor begibt sich in die Siedlungen des Neuen Frankfurt und fragt die Menschen dort nach dem Nutzen des Aufbruch damals für heute. 

Was ist von der Reformbewegung der 20er Jahre geblieben? Wie sieht das tägliche Leben in den Siedlungen heute aus? Mit Aktionen vor Ort möchte das Museum die Bewohnerinnen und Bewohner einbeziehen.

„Taugt das Neue Frankfurt noch als Resonanzboden für heutige Projekte?“ Diese Frage wirft Matthias Wagner K vom MAK auf.

Die Stadt Frankfurt bereitet über die Ausstellungen hinaus aber auch eine Modernisierung von drei Siedlungen des Neuen Frankfurt vor. Die Häuser in der Römerstadt, im Riederwald und in der Heimatsiedlung in Sachsenhausen sollen modernen Wohnstandards angepasst werden. Wohnungsdezernent Mike Josef (SPD) bereitet ein Konzept vor. Die städtische Gesellschaft ABG hat in der Römerstadt bereits erste Arbeiten begonnen.

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