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Goetheschüler stellen ihre Kurzfilme vor.

Gedenken

"Was wissen Sie über das KZ Katzbach?"

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Im Gallustheater wird an die Häftlinge in den Adlerwerken während des NS-Regimes erinnert.

Es ist eine neue Form der Erinnerung. Als am frühen Samstagabend im Gallustheater an den „Todesmarsch der Katzbach-Häftlinge“ erinnert wird, zeigen Schüler des Goethegymnasiums ihre Kurzfilme, die sie mit Mitarbeitern des Galluszentrums in einem einwöchigen Workshop erarbeitet haben.

Der Theatersaal in den ehemaligen Adlerwerken ist bis auf den letzten Platz besetzt. Seit dem 60. Jahrestag 2005 sei der 24. März ein festgelegtes Gedenkdatum im Gallustheater, sagt Theaterleiter Winfried Becker in seiner Rede. In den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs war unter dem Decknamen „Katzbach“ in den Adlerwerken ein Außenlager des Konzentrationslagers (KZ) Natzweiler-Struthof eingerichtet worden, in dem 1600 Menschen Sklavenarbeit für die Rüstungsindustrie des NS-Regimes verrichten mussten. Viele der überwiegend polnischen Männer starben unter den unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen. Am 24. März 1945, nur wenige Tage vor der Befreiung Frankfurts durch die US-Armee, wurden die verbliebenen Häftlinge auf einen Todesmarsch in das KZ Buchenwald geschickt.

Neben Zeitzeugenberichten, die von Horst Koch-Panzner, dem Vorsitzenden des Fördervereins zur Errichtung einer Gedenk- und Bildungsstätte KZ-Katzbach in den Adlerwerken und zur Zwangsarbeit in Frankfurt am Main, sowie von einem Vertreter des polnischen Generalkonsulats vorgetragen werden, sehen die Besucher Kurzfilme von 23 Schülern eines Politik-Wirtschaft-Leistungskurses des Goethegymnasiums. Darin interviewen die Zehntklässler Passanten vor den Adlerwerken sowie an der Frankenallee zu deren Wissen über die Verbrechen der Nationalsozialisten im Stadtteil.

Mischung aus tiefer Empathie und erschütternder Arglosigkeit

Die 15- bis 16-Jährigen fragen, ob sich die Passanten in einen KZ-Häftling oder einen SS-Mann hineinversetzen könnten. Ein Befragter antwortet: „Es ist respektlos danach zu fragen, wie man sich als KZ-Häftling fühlt.“ Eine andere Frage lautet: „Was halten Sie von Zwangsarbeit?“ Alle Befragten äußern ihre Ablehnung. Es sei eine Mischung aus „tiefer Empathie und erschütternder Arglosigkeit“, mit der die Passanten auf der Straße antworteten, sagt Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) und ergänzt: „Man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll.“ Dass sich ein KZ-Außenlager mitten im Gallus befunden habe, sei nicht jedem Frankfurter bekannt. „Es ist großartig, dass Jugendliche das zeigen“, sagt Hartwig.

Es gebe nur noch wenige Zeitzeugen, berichtet Sabine Hoffmann vom Galluszentrum. Daher müsse man sich fragen: „Wie kann Erinnerungspädagogik anders gehen?“ Nach der Vorlage des Buchs „Die letzten Zeugen“ von Joanna Skibinska haben die Schüler des Goethegymnasiums neben den Interviews Szenen aus dem Alltag im Lager nachgespielt. Das Unfassbare in Worte zu fassen, zu verbildlichen und sich in die Lage der Betroffenen zu versetzen, sei das Schwierigste gewesen, berichtet der 16-jährige Mateja Keseric. „Zu wissen, dass so etwas zwei bis drei Kilometer von unserer Schule entfernt passiert ist“, sei erschütternd, sagt die 15-jährige Su Naz Avar.

Ab heute sollen die Kurzfilme der Schüler des Goethegymnasiums im Internet veröffentlicht werden. Weitere Infos: www.galluszentrum.de

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