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Am 25. Februar haben die Frankfurter Bürger die Wahl: Wer soll Oberbürgermeister werden?

OB-Wahl in Frankfurt

So viel Briefwähler wie noch nie

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Am 25. Februar ist in Frankfurt OB-Wahl. Jeder zehnte Wahlberechtigte hat bereits gewählt. Noch nie war die Briefwahl so begehrt, noch nie durften so viele Frankfurter abstimmen: mehr als 500 000.

Für Hans-Joachim Grochocki sind es hektische Tage. Der „Projektleiter Wahlen und Abstimmungen“ hat das Ziel dicht vor Augen, auf das er mit seinem Team seit über einem halben Jahr hinarbeitet: Die Oberbürgermeister-Wahl in Frankfurt am Sonntag, 25. Februar. Der Rheinländer, geboren in Koblenz, wirkt dennoch wie stets geradezu provozierend ruhig. Vielleicht liegt es an der Erfahrung: Seit 1981 organisiert der 62-jährige Wahlgänge in Frankfurt. Kaum ein Fachmann in Deutschland dürfte auf eine längere Wegstrecke zurückblicken.

In dieser Zeit hat sich viel verändert. Der Anteil der Briefwähler ist so hoch wie noch nie bei einer OB-Wahl: 49.800 Personen haben bereits Antrag auf Briefwahl gestellt, das sind 9,8 Prozent aller Wahlberechtigten. Vor sechs Jahren, bei der OB_Wahl 2012, waren es nur 7,6 Prozent gewesen. Die Briefwahl, für die man vor 20 Jahren noch eine besondere Begründung brauchte, ist heute Alltag geworden. „Die Menschen sind heute flexibler, sie sind schneller entschlossen, etwas anderes zu tun“, sagt Stadtwahlleiterin Regina Fehler. Die besondere Begründung für die Briefwahl haben sie dann einfach abgeschafft, erinnert sich Grochocki.

Eine OB-Wahl ist auch nichts mehr Besonderes. In Hessen wurde sie 1995 eingeführt, ein Initiator war der hessische Ministerpräsident und frühere Frankfurter Oberbürgermeister Walter Wallmann (CDU). Man wollte mit der Direktwahl die Demokratie stärken und das Interesse der Menschen steigern – das gelang nur anfangs.

Das erste direkt gewählte Stadtoberhaupt in Frankfurt hieß Petra Roth. Die CDU-Politikerin gewann 1995 überraschend gegen den vermeintlichen Favoriten, den SPD-Oberbürgermeister Andreas von Schoeler. Damals gaben 55,8 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Danach ging es mit der Wahlbeteiligung kontinuierlich bergab: 2001 waren es noch 46,1 Prozent, 2007 gar nur noch 33,6 Prozent. Das hatte sicherlich auch etwas damit zu tun, dass es einer schwächelnden SPD nicht gelang, ihr Potenzial auszuschöpfen. Die Wahlsiegerin hieß immer Petra Roth.

Erst beim Wahlgang 2012 kam es zur Trendwende – für die Sozialdemokraten und für die Wahlbeteiligung. SPD-Bewerber Peter Feldmann besiegte den CDU-Kandidaten Boris Rhein – und tatsächlich gingen mit 37,5 Prozent der Berechtigten etwas mehr Menschen zur Wahl als früher. Der SPD war eine gewisse Mobilisierung gelungen.

Am 25. Februar liegt die Zahl der Wahlberechtigten erstmals bei einer OB-Wahl über der Grenze von einer halben Million, nämlich bei 505 600. Das hat damit zu tun, dass Frankfurt immer weiter wächst, die Zahl der Einwohner überschreitet in diesen Wochen die Marke von 750 000. Etwa 75 000 Personen, die am Sonntag ihre Stimme abgeben können, sind EU-Bürger.

Das Team von Grochocki im Bürgeramt, Statistik und Wahlen umfasste zu Beginn der Vorbereitungen zehn Personen, gegenwärtig sind 45 Spezialisten mit dem Wahlgang beschäftigt. So eine OB-Wahl ist eine teure Angelegenheit: Nicht weniger als 1,4 Millionen Euro sind dafür im städtischen Haushalt eingeplant – einschließlich einer möglichen Stichwahl am 11. März.

Kommt es zur Stichwahl, weil niemand von den zwölf Bewerberinnen und Bewerbern am Sonntag 50 Prozent und eine Stimme erreicht, dann steigt die Arbeitsbelastung für die städtischen Fachleute noch einmal. In nur wenigen Tagen müssen neue Stimmzettel gedruckt und Wahlbenachrichtigungen verschickt werden.

A propos: Die ersten Bürgerinnen und Bürger haben sich schon im Römer beschwert, weil sie noch keine Benachrichtigung für die Stichwahl bekommen haben. Aber da muss selbst Hans-Joachim Grochocki passen: Hellseher ist er nicht.

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