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Die 17. Operngala in der Frankfurter Oper wird vom Patronatsverein veranstaltet.

Gala in der Oper Frankfurt

Theater in Zeiten des Terrors

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Die Gala der Oper Frankfurt gerät in diesem Jahr zu einer trotzigen Selbstbeschwörung in Zeiten des Terrors und der Gewalt: Wir sind noch da – und wir werden gebraucht.

Bis lange in den Sonntagmorgen hinein reicht diese überbordende Feier der Klänge, der Farben, der Musik. Wer danach hinaustritt auf den Willy-Brandt-Platz, in den Nieselregen vor der nächtlichen Hochhaus-Skyline, ist erst einmal wie betäubt, aber beschwingt zugleich. Die Gala der Frankfurter Oper gerät in diesem Jahr zu einer trotzigen Selbstbeschwörung in Zeiten des Terrors und der Gewalt: Wir sind noch da – und wir werden gebraucht.

„In einer Situation, die vielen Angst macht, kommen die Menschen zusammen im Theater“, sagt Intendant Bernd Loebe auf der Bühne vor den 956 Ehrengästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur. „Es gibt noch etwas anderes als Bomben“, fügt er unter Beifall hinzu. Er erinnert an seine Eltern, die im Zweiten Weltkrieg zu Fuß in die Stadt gegangen seien, nur um in die Oper zu kommen, die noch spielte.

Nach den tödlichen Anschlägen von Paris und anderswo habe es nur eine Antwort gegeben: „Wir haben weitergespielt.“ Der Intendant gibt seinen Eindruck wieder von einer Politik, die nicht mehr existiere: „Es gibt gar keine Innenpolitik mehr!“

Diese Leerstelle füllt an diesem Abend die Oper, gerade wieder ausgezeichnet als „Opernhaus des Jahres“ und zugleich für die „beste Gesamtleistung“ in Deutschland – ein Erfolg, der noch keiner Bühne gelungen war. Eine Platzauslastung von mehr als 80 Prozent und mehr als 12 000 Abonnenten: Das sind karge Zahlen für einen Zuspruch, der weit über Frankfurt hinausreicht. Boris Rhein, hessischer Minister für Wissenschaft und Kunst, spricht denn auch von der Frankfurter Oper als „kulturellem Flaggschiff in Deutschland“. Der CDU-Politiker kann es nicht lassen, das Publikum auch über seine eigene musikalische Erziehung zu unterrichten.

Am Gymnasium habe er das Horn gespielt – und einmal so schlecht, dass sein Musiklehrer ihn mit den Worten getröstet habe: „Das Horn erschuf Gott im Zorn!“ Auch Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) lobt die „faszinierenden Inszenierungen“ und das „sensationelle Ensemble und Orchester“.

Die Gäste des Abends brachten nicht weniger als rund 900 000 Euro für das Opernhaus zusammen. Auf der Bühne entfalten die Stars, aber auch der Nachwuchs des Hauses ein beeindruckendes künstlerisches Panorama. Dass es eröffnet wird vom bewegenden Duett von Cornelia und Sesto aus dem ersten Akt von „Gulio Cesare in Egitto“ von Georg Friedrich Händel, ist ein deutlicher Kommentar zur Situation im Ägypten von heute: „Zum Weinen bin ich geboren.“

Die Opern-Gala ist auch eine Leistungsschau des Hauses. Und so macht Intendant Loebe, der wie stets mit viel Witz und Ironie durch den Abend führt, auch viel Werbung für die Institution und ihre Künstler. „Wir stellen das international gefragteste Ensemble“, sagt er an einer Stelle und fügt hinzu: „Man will hier rein!“

Zu Gast: Dax-Vorstände

Zu den Stars, die besonders präsentiert werden, zählt der junge österreichische Tenor Andreas Schager, der gleich zweimal mit sehr unterschiedlichen Arien auftreten darf: Mit dem Lied des Octavio aus „Giuditta“ von Franz Lehár („Freunde, das Leben ist lebenswert“) und dem düsteren Schmiedelied aus Richard Wagners „Siegfried“. Intendant Loebe wirbt für ihn als „den Wagner-Tenor der Zeit“.

Besonders eindrucksvoll gerät der Auftritt des hawaiianischen Baritons Quinn Kelsey mit dem Monolog des Rigoletto aus der gleichnamigen Verdi-Oper. Aber gewiss ist die Opern-Gala auch ein besonderes gesellschaftliches Ereignis im Frankfurter Jahreskalender. Und Minister Rhein begrüßt denn auch freudig „viele Dax-Vorstände“ samt ihren Gattinnen, die wie stets mit fantasievollen Kleidern wetteifern.

Zum festlichen Diner versammeln sich die geladenen Gäste nach den musikalischen Auftritten auf der Bühne der Oper – zu Medaillons vom Kalb unter Rote Bete-Kruste und Mousse vom Ziegen-Käse mit Cox Orange. Draußen wartet die Parade dunkler Limousinen auf die Ehrengäste.

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