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Eine Stromtrasse (Symbolfoto).

Neuer Stadtteil Frankfurt

Stromtrassen stehen im Weg

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Der neue Frankfurter Stadtteil im Norden stößt auf eine ganze Reihe von Hindernissen. Trotzdem soll bis 2019 der Rahmenplan stehen.

Die Römer-Koalition hat sich über „vorbereitende Untersuchungen“ für den geplanten neuen Stadtteil im Frankfurter Norden verständigt. Sie sollen zwei Jahre dauern. Bis 2019 wollen die Fachleute einen städtebaulichen Rahmenplan im Maßstab 1 : 2000 erarbeiten. Er wird dann der Stadtverordnetenversammlung zur Entscheidung vorgelegt.

Die CDU hatte die Vorlage von Planungsdezernent Mike Josef (SPD) am 25. August im Magistrat gestoppt. Sie legte Wert darauf, dass der Anteil öffentlich geförderter Wohnungen in dem Stadtteil für 30 000 Menschen nur 30 Prozent beträgt. Josef wie auch OB Peter Feldmann (SPD) könnten sich auch einen höheren Anteil vorstellen. Doch der Planungsdezernent bekennt sich zur Koalitionshaltung: „Die Beschlusslage ist 30 Prozent, mit der muss ich arbeiten“, sagte Josef der FR. Der Untersuchungsbereich umfasst wesentliche Teile der freien Landschaft zwischen Niederursel, Nordweststadt und Praunheim im Osten sowie Oberursel-Weißkirchen und Steinbach im Westen. Nahezu die gesamte Fläche von 545 Hektar ist als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Angesichts des immensen Bedarfs an Wohnungsbauflächen, so die Argumentation, will sich der Magistrat jedoch über diesen Schutz hinwegsetzen.

Bis 2040 soll Frankfurt auf 830 000 Bewohner wachsen

Die Stadt Frankfurt verspricht, dass die Nachbarstädte Oberursel und Steinbach „intensiv“ eingebunden werden. Schon jetzt wird deutlich: Hochspannungsleitungen wie auch Schutzgebiete, in denen Trinkwasser gewonnen wird, schränken den möglichen Wohnungsbau „ganz wesentlich“ ein, wie es in der Vorlage heißt. Wie viel Hektar am Ende tatsächlich bebaut werden können, lasse sich „noch nicht genau abschätzen“.

Die Grünflächen im Einzugsbereich des Steinbachs wie des Urselbachs wollen die Stadtplaner erhalten. Sie machen aber deutlich, unter welchem politischen Druck sie stehen. Grundlage der Arbeit ist die jüngste Bevölkerungsprognose des Bürgeramts, Statistik und Wahlen. Ihr zufolge wird Frankfurt bis zum Jahre 2040 auf 830 000 Einwohner anwachsen, also um 17 Prozent.

Das Rechtsinstrument der städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme, das jetzt geprüft werden soll, erlaubt die Neuordnung der heute landwirtschaftlichen Flächen „ohne förmliches Umlegungsverfahren“. Die Wertsteigerung zwischen landwirtschaftlicher Fläche und Bauland will die Stadt nutzen, um Kosten des neuen Stadtteils zu finanzieren. Das gilt für die Infrastruktur wie Straßen und Kanalisation, aber auch den nötigen Lärmschutz. Unabhängige Gutachter sollen den Wert der Grundstücke bestimmen.

Alternativ könnte die Kommune auch städtebauliche Verträge abschließen. Die Stadt möchte deshalb jetzt mit „Eigentümern, Mietern, Pächtern und sonstigen Betroffenen“ reden, „um deren Mitwirkungsbereitschaft festzustellen“. Auch verspricht Planungsdezernent Josef „größtmögliche Einbindung der Bevölkerung“. Der Stadtrat versichert im FR-Gespräch: „Wir verbergen nichts.“ Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen stehen bis 2019 in dem Gebiet an. Sie gelten unter anderen dem Schallschutz, dem Zustand von Natur und Landschaft, der Artenvielfalt, aber auch der Wasserversorgung und Entwässerung.

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