Peter Rhein

Spektakulärer Seitenwechsel

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Zum Tod von Ex-Stadtrat Peter Rhein (CDU), lange linker SPD-Mann.

Er vollzog im Frankfurter Rathaus den vielleicht spektakulärsten politischen Wechsel der Nachkriegszeit. 1987 trat der in der Wolle gefärbte Sozialdemokrat Peter Rhein, lange Zeit ein dezidierter Linker, zur CDU über. Diesen „Verrat“ haben die Sozialdemokraten ihm ein langes Leben lang nicht verziehen. Und doch war er in den Augen des Handelnden konsequent. Jetzt ist der frühere Schul-, Sport- und Gesundheitsdezernent der Stadt Frankfurt im Alter von 85 Jahren gestorben. 

Der Vater des heutigen hessischen Ministers für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein (CDU), war in den 60er Jahren als Sozialdemokrat der Lieblings-Gegner der CDU. Peter Rhein hatte 1968, gestützt auf eine absolute SPD-Mehrheit im Römer, das Amt des Schuldezernenten angetreten. Er setzte eine Schulreform um, die für die CDU des Teufels war, er propagierte die integrierte Gesamtschule. Schüler mit verschiedenem Leistungsvermögen und unterschiedlicher sozialer Herkunft sollten zusammen lernen. 

Noch eines betrieb der Linke Rhein: Den antiautoritären städtischen Kindergarten. Also eine Einrichtung, die nicht mehr auf Disziplinierung der Kinder setzte. 

Doch 1977 gewann die CDU die absolute Mehrheit im Frankfurter Römer und leitete eine politische Wende ein. Rhein verlor das Schuldezernat und durfte nur als Gesundheits- und Sportdezernent weiterarbeiten. 

Aber ähnlich wie der damalige Kulturdezernent Hilmar Hoffmann (SPD) schlug auch Rhein eine politische Brücke zur CDU. CDU-Oberbürgermeister Walter Wallmann band beide Sozialdemokraten geschickt ein und ließ Rhein 1980 von der CDU wiederwählen. In diesen Jahren wandelte sich der Sozialdemokrat – ihn überzeugte Wallmanns Bestreben, Frankfurt durch repräsentative Bauten aufzuwerten und so die bürgerliche Mittelschicht zu gewinnen. 1985 war Rhein dann so weit, dass er vor der Kommunalwahl zur Stimmabgabe für die CDU aufrief. 

Der damalige SPD-Unterbezirksvorsitzende Martin Wentz suchte daraufhin den „Verräter“ auf und verlangte sein SPD-Parteibuch von ihm zurück. Zwei Jahre später trat der Stadtrat in die CDU ein. Das war auch für den Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann zu viel: „Auf so eine Idee wäre ich nie gekommen,“ sagte er später im Rückblick. 

1989 wählte die neue rot-grüne Mehrheit im Römer den CDU-Dezernenten Rhein ab. Aber der blieb bis zu seinem Lebensende mit sich im Reinen. 

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