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Was dieser Löwe wohl von den Umzugsplänen hält? (Archiv)

Zoo Frankfurt

Der Zoo soll bleiben, wo er ist

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Die Umzugsvisionen aus der Region stoßen in der Stadt Frankfurt auf Ablehnung. Stattdessen will man die Entwicklung des Zoos am alten Standort vorantreiben.

Auf Überraschung und Ablehnung ist der Vorschlag des Regionalverbandsdirektors Thomas Horn gestoßen, den Zoo an den Stadtrand zu verlegen. Zoodirektor Miguel Casares und die Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) erteilten Horns Ideen am Freitag eine Absage: „Eine Verlegung des Zoos liegt nicht in meinem Interesse“, so Hartwig. Vom Vorstoß des Christdemokraten wurden auch die eigenen Parteifreunde in der Stadt überrumpelt.

Wenn es nach Horn geht, sollen in nicht allzu ferner Zukunft Elefanten, Gnus und Eisbären die Frankfurter Peripherie bevölkern. Der Direktor des Regionalverbands Frankfurt-Rhein-Main hat vorgeschlagen, in Nachbarschaft zu Steinbach und der Autobahn  5 einen neuen Zoo zu bauen. Und den alten im Ostend in ein Wohngebiet umzuwandeln.

„So, wie sich der Zoo heute darstellt, entspricht dies nicht der Bedeutung Frankfurts und der Metropolregion,“ sagte Horn. Der heutige Standort sei zu klein, es gebe keine Möglichkeiten zur Erweiterung und viel zu wenige Parkplätze. „Wenn wir aber den Zoo an den Stadtrand verlegen, haben wir die Chance, das Tiergehege attraktiv zu gestalten“, argumentierte er.

Zunächst, so Horn, könne ein Areal von 30 Hektar genutzt werden, später sei eine Ausweitung auf 50 Hektar denkbar. Der heutige Zoo ist etwa elf Hektar groß. Möglich sei auch eine Kooperation mit dem Opel-Zoo in Kronberg. Über eine Verlängerung der U-Bahn-Linie 6 und den Bau der Regionaltangente West könne der neue Tiergarten gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden werden.

Kulturstadträtin Hartwig will davon nichts wissen und, im Gegenteil, die Entwicklung des Zoos am alten Standort weiter vorantreiben: „In diesem Sommer wird mit der Eröffnung der neuen Pinguinanlage das 30-Millionen-Programm abgeschlossen, ein Masterplan für die kommenden Jahre wird gerade in Angriff genommen“. Die Idee der Verlagerung sei nicht neu und habe in der Vergangenheit „jahrelang zu einem kompletten Stillstand im Zoo geführt. Das darf sich nicht wiederholen“, so Hartwig. Der Zoo genieße durch seine zentrale Innenstadtlage ein Alleinstellungsmerkmal; Besucher schätzten das.

Zoodirektor Miguel Casares sagte der FR am Freitag, er sei schon im vorigen Jahr von Horn angesprochen worden. „Ich habe ihm gesagt: Ich freue mich natürlich darüber, dass sich so viele Leute für den Zoo interessieren“, berichtete Casares. „Aber wir haben einen Innenstadtzoo, darauf wollen wir uns konzentrieren, und da kann man auch viel Gutes umsetzen.“ Der „Masterplan“ für die nächsten 15 Jahre sieht besonders die Vergesellschaftung mehrerer Tierarten auf gemeinsamem Gelände vor.

Die Größe sei für einen Zoo nicht das wichtigste Kriterium, sagte der Zoodirektor. Im spanischen Valencia etwa habe er einen Tierpark von ungefähr derselben Größe gestaltet: „Und das war gut, das war sehr erfolgreich“. In einem modernen Zoo gehe es um Werte wie etwa die enge Verknüpfung der Freizeiteinrichtung mit dem Naturschutz. Darüber hinaus, so Casares, wolle man die große Stärke nutzen, die die zentrale Lage biete: „Die Besucher können mit den öffentlichen Verkehrsmitteln direkt zu uns kommen – das ist doch ganz toll!“

Der Frankfurter CDU-Kulturpolitiker Thomas Dübeck äußerte sich überrascht vom Vorstoß des Parteikollegen: „Dazu habe ich noch keine Meinung. Aber man muss über alles nachdenken, was vernünftige Leute vorschlagen.“

Geld für das Projekt könne aus dem Verkauf des heutigen Zoo-Geländes kommen. Horn erinnert daran, dass die rund 1,5 Hektar große Fläche des alten Polizeipräsidiums jüngst für mehr als 200 Millionen Euro verkauft worden sei. Der Verbandsdirektor geht davon aus, dass angesichts sehr hoher Bodenpreise sogar Geld übrig bliebe, das für einen möglichen Neubau von Oper und Theater verwandt werden könne.

Das von Horn vorgeschlagene Areal ist auch als möglicher Standort eines neuen Frankfurter Stadtteils im Gespräch. Allerdings ist vor allem der westlich der A5 gelegene Teil, wo der Zoo entstehen soll, äußerst umstritten.

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