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Theatermacher Willy Praml und Architekt Dietrich Wilhelm Dreysse in der Naxos Halle

Naxos-Theater in Frankfurt

Akt der Solidarität

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Prominente unterstützen die gefährdete Bühne in Frankfurt. Es ist ein bewegender Abend im Naxos-Theater. Kritik kommt von Praml.

Er steht vor der Menge und empfängt ihren Beifall. Mehr als 200 Menschen sind am Samstagabend zu Willy Praml und seinem Theater in die Naxos-Halle gekommen. Die Geschichte in der FR, dass das Überleben des Naxos-Theaters wegen Brandschutz-Mängeln in Frage steht, hat sich in Windeseile in der Stadt verbreitet. Der 77-Jährige, die weiße Haarmähne ungebändigt über dem schwarzen Mantel, bedankt sich für „den Akt der Solidarität mit einem gefährdeten Theater“. Es zeige sich, „dass wir uns auf die Stadtgesellschaft verlassen können“.

Der Prinzipal bekennt, er sei „fast gerührt“. Und wer Praml kennt, weiß, dass das für den persönlich sehr zurückhaltenden Schauspieler schon ein Gefühlsausbruch ist. Im Gespräch mit der FR macht der Theaterdirektor aber klar, dass aus seiner Sicht die Probleme noch nicht gelöst sind. Er wolle den von Liegenschaftsdezernent Jan Schneider (CDU) vorgelegten Mietvertrag für das alte Industriegebäude aus den Jahren 1906 / 1907 unterschreiben. Der sieht eine Monatsmiete von 3000 Euro für das Theater vor und weitere 1500 Euro für Betriebskosten. Das sei gerade noch zu erwirtschaften.

Aber eine Passage des Vertragsentwurfs könne er unmöglich mittragen: dass das Theater 20 Prozent der Sanierungskosten für die Halle bezahlen müsse. Bei geschätzten Investitionen von fünf Millionen Euro wäre das eine Million Euro für das kleine Theater-Team. „Das wäre ein Höllen-Deal“, klagt Praml.

Prominente stehen an diesem Abend an seiner Seite. Michael Quast, der Chef der Fliegenden Volksbühne, greift das Wort vom „Leuchtturm“ auf, das die Kommunalpolitik so gerne für die Städtischen Bühnen verwendet. „Das Naxos-Theater ist ein Leuchtturm der freien Szene“, sagt Quast. Er fordert die Stadt auf, die nötige Sanierung der Naxos-Halle nicht länger „vor sich herzuschieben“ und die „Hängepartie“ zu beenden.

Auch Reinhard Hinzpeter, der Direktor des Freien Theaterensembles, ist gekommen. Und Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD), der gleichsam die schmerzlich vermisste Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) vertritt. Josef war Schirmherr, als das Naxos-Theater 2016 Kleists Novelle „Das Erdbeben in Chili“ mit Geflüchteten inszenierte. Seitdem ist Josef, der selbst als Flüchtlingskind aus Syrien nach Deutschland kam, dem Theater eng verbunden.

Architekt D. W. Dreysse hofft nach einem Krisentreffen mit den Fachleuten des städtischen Amtes für Immobilien, dass die Schließung des Theaters vom Tisch sei. Günter Murr, Sprecher von Liegenschaftsdezernent Schneider, will das nicht bestätigen. Man müsse den schriftlichen Bericht von der Brandgefahrenschau in der Halle abwarten, um zu wissen, welche Mängel bestünden.

Und dann strömt die Menge ins Theater, um den Dokumentarfilm „Das 25. Jahr – Von der Poetisierung der Welt“ von Otmar Hitzelsberger über das Naxos-Theater zu sehen. Er erzählt auf bewegende Weise vom Alltag des Theaters 2016, als man das 25-jährige Bestehen feierte. Und zeigt, wie geflüchtete Menschen als Darsteller auf Naxos neue Hoffnung schöpften.

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