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Oberbürgermeister Peter Feldmann bei der Gedenkveranstaltung zu den Novemberpogromen in der Frankfurter Paulskirche.

Paulskirche

Sanierung könnte richtig teuer werden

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Die Bausubstanz der Paulskirche wird untersucht. Sollte die Statik der großen Kuppel beschädigt sein, käme für eine Sanierung auf die Stadt wohl ein höherer zweistelliger Millionenbetrag zu.

Bis zum Ende des Jahres will Baudezernent Jan Schneider (CDU) die Untersuchung zum baulichen Zustand der Frankfurter Paulskirche vorlegen. Das hat sein Sprecher Günter Murr gegenüber der FR angekündigt. Auf der Basis dieser Expertise wird die Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen dann entscheiden, in welchem Umfang und wie das Frankfurter Wahrzeichen saniert werden muss.

In einem ersten Schritt hat die Stadt allerdings die Zahl der Besucherinnen und Besucher begrenzt, die die Paulskirche betreten dürfen. Der große Kuppelbau ist bestuhlt für 933 Menschen. Künftig dürfen sich laut Murr jedoch nur noch 718 Personen gleichzeitig in dem Gebäude aufhalten.

Ort von Gedenkveranstaltungen und Feierlichkeiten  

Das ist eine Entscheidung mit Konsequenzen. Denn die Paulskirche ist in Frankfurt der Ort für die wichtigsten, überregional bedeutenden Preisverleihungen und Festakte. So wird etwa alljährlich zur Frankfurter Buchmesse der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels in der Paulskirche vergeben. Hier gibt es die Feierstunden zur Verleihung des Goethe-Preises und des Theodor-W.- Adorno-Preises. Auch die Gedenkstunde an die Pogrome des 9. November 1938 vergangene Woche fand dort statt.

Nach ihrer weitgehenden Zerstörung im Zweiten Weltkrieg war die Paulskirche mit einfachen Mitteln und in bewusst schlichter Gestalt wiederaufgebaut und 1948 wiedereröffnet worden. Seither hatte es nur in den 1980er Jahren eine Teilsanierung gegeben; so waren damals neue Fenster eingesetzt worden.

Unstrittig ist, dass der Brandschutz und die Belüftung, aber auch die Veranstaltungstechnik nicht mehr dem neuesten Stand der Vorschriften entsprechen und dringend ertüchtigt werden müssen. Unklar ist, inwieweit auch die Statik der großen Kuppel beschädigt ist. Müsste sie erneuert werden, wäre sicherlich ein höherer zweistelliger Millionenbetrag erforderlich. Günter Murr, der Sprecher des Baudezernates, bestätigte denn auch, es gebe „noch ein paar Unbekannte“ beim baulichen Zustand der Paulskirche.

Die Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen hatte sich darauf verständigt, bei einer Sanierung des Gebäudes die bewusst bescheidene bauliche Gestalt beizubehalten. Sie galt 1948 auch als demokratische Antwort auf die Protz-und Prunkbauten des nationalsozialistischen Regimes. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hat jedoch jetzt im FR-Interview dafür plädiert, die Diskussion neu zu eröffnen. Er sieht die Sanierung der Paulskirche als nationale Aufgabe an und hat an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel geschrieben. Feldmann schließt ausdrücklich eine Rekonstruktion des Urzustandes der Paulskirche aus dem Jahr 1848 nicht aus. Damals, vor 170 Jahren, hatte dort das erste deutsche National-Parlament getagt. Die Kirche verfügte seinerzeit noch über eine große Balustrade.

Bei CDU und Grünen stießen die Äußerungen Feldmanns im FR-Interview auf Ablehnung. Der kulturpolitische Sprecher der CDU im Römer, Thomas Dürbeck, verwies auf den Koalitionsbeschluss, die bescheidene Gestalt der Kirche beizubehalten. Daran wolle man nicht rütteln. Der OB habe seinen Vorstoß mit der Römer-Koalition nicht abgesprochen.

Der kulturpolitische Sprecher der Grünen, Sebastian Popp, nannte das Vorgehen des OB „eigenartig“. Mit der neuen Altstadt zwischen Dom und Römer habe Frankfurt „genug getan für die Rekonstruktion von historischer Bausubstanz“. Wenn Feldmann etwas erreichen wolle in Sachen Paulskirche, müsse er „die Stadtverordneten der Koalition einbeziehen“.

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