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Rainer Rahn, AfD-Spitzenkandidat in Hessen.

Römerbriefe

Der Römer lacht über Rainer Rahn

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    Georg Leppert
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Rainer Rahn, AfD-Spitzenkandidat für die Hessenwahl, hat sich blamiert. Aber das passiert im Römer doch jedem einmal ... oder? Nicht wirklich. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Göpfert: Wir könnten die Amtsketten stehlen und uns als Peter Feldmann und Uwe Becker verkleiden.

Leppert: Nicht peinlich genug.

Göpfert: Dann ziehen wir uns Tarnfleck-Uniformen an, rennen durch den Römer und rufen: „Wir haben Volker Stein gewählt.“

Leppert: Sieh es ein, wir können die Mimosen-Nummer von Rainer Rahn nicht toppen.

Sie werden es mitbekommen haben, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik, es stand ja unter anderem in unserer Partnerglosse „Gut gebrüllt“ des geschätzten Kollegen Pitt von Bebenburg: Rainer Rahn, AfD-Fraktionschef im Römer und hessischer Spitzenkandidat für die Landtagswahl, hat sich blamiert. Das Hessen-Fernsehen wollte ihn zu einem Blind Date mit Wählern fahren, aber erst mal hat Rahn in tollster Gossensprache rumgemotzt, und dann hat er die ganze Aktion mitten auf der Autobahn abgebrochen und sich nach Hause fahren lassen wie Klein-Fritzchen, der auf dem Weg ins Landschulheim plötzlich Schiss bekommt und ganz schnell zu Mami will. Jedenfalls macht sich auf Facebook der halbe Römer über Rahn lustig.

Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) wird sogar etwas beleidigend, und die Stadtverordnete Hilime Arslaner (Grüne) schreibt: „E. T. will nach Hause.“ Dabei sieht Rainer Rahn gar nicht aus wie der Außerirdische E. T., denn der trug im Auto keine Sonnenbrille. Aber eigentlich finden wir Spott und Häme nicht angebracht. So etwas Peinliches hat doch schon jeder im Römer mal gebracht. Also ... äh ... genau genommen ... Gut, es gab mal die ebenso ungewöhnliche wie schmerzhafte Verletzung eines ehrenamtlichen Stadtrats, aber sonst – etwas derart Peinliches? Na gut, aber es könnte jederzeit dazu kommen, dass sich unsere Politiker so richtig blamieren. Deshalb hier für Rainer Rahn: vier Szenarien, die sogar noch peinlicher wären als sein Auftritt.

Kämmerer Uwe Becker (CDU) läuft wie 2016 die Fassade eines Hochhauses runter, kriegt im 33. Stock aber Angst, krabbelt durch ein geöffnetes Fenster ins Innere des Gebäudes, nimmt den Fahrstuhl und lässt sich unten von den Fotografen feiern.

Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) gibt anlässlich des fünfjährigen Bestehens ihrer Facebook-Freundschaft mit Baudezernent Jan Schneider (CDU) ein Fest in der Kantine der IGS Nordend. Sodexo übernimmt das Catering.

Rosemarie Heilig besucht das Sommerfest der „Bild“-Zeitung (traditionell ohne die Schreiber der „Römerbriefe“). Fürs Büfett bringt sie eine gebratene Nilgans mit. Bei einem Gespräch vor einer grünen Pflanzenwand (macht es gleich kühler) bedankt sie sich bei den Kolleginnen und Kollegen für die liebevolle Berichterstattung.

Sportdezernent Markus Frank (CDU) lässt vor dem Römer ein Football-Tor aufbauen. Um dem armen Kicker der Frankfurt Universe, der am Wochenende mit dem entscheidenden Schuss im Finale gescheitert ist, zu zeigen, wie es richtig geht, lässt er den Grafen zu Solms-Wildenfels ein Football-Ei festhalten, nimmt Anlauf, holt aus – und läuft die nächsten zwei Monate mit Bänderriss durch die Gegend.

Wie gesagt, das alles wäre peinlicher als Rahns Auftritt. Wäre. Es lebe der Konjunktiv.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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