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Bis zu 10.000 Euro beträgt der Schaden an dem Container in der Stefan-Zweig-Straße.

Platensiedlung in Frankfurt

ABG rechtfertigt Kündigungen

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Die Gesellschaft hält nach dem Anschlag auf einen Container an ihrer Politik in der Platensiedlung in Frankfurt fest.

Wo einmal Fenster waren, schützen jetzt Holzplatten vor Wind und Regen, und an den Wänden, wo die ABG für sich werben wollte, steht nun „ABG enteignen“ und „ABG – keine Richter, keine Hänker (sic)“. Die Zerstörungen an dem Info-Container der städtischen Wohnungsbaugesellschaft in der Platensiedlung sind weithin sichtbar. Unbekannte hatten ihn in der Nacht auf Donnerstag angegriffen und zwischen 5000 und 10 000 Euro Schaden verursacht. Ein Bekennerschreiben, das auch der FR vorliegt, legt nahe, dass die Täter Linksextreme waren, die gegen die Politik der ABG in der Siedlung demonstrieren wollen. Nachdem es dort wiederholt zu Straftaten gekommen war, schickt die Gesellschaft Streifen durch die Straßen. Sechs Mietern, die aus ihrer Wohnung heraus Straftaten wie Drogenhandel begangen haben sollen, wurde gekündigt.

Bei diesem Konzept soll es bleiben. „Wir weichen nicht“, sagte ABG-Geschäftsführer Frank Junker am Mittwoch bei einem Pressetermin mit Politikern und Polizei. Viele Bewohner der Siedlung fühlten sich sicherer, seit die Streifen unterwegs sind. Der Container, in dem die ABG eigentlich über die Nachverdichtung der Siedlung im Stadtteil Ginnheim informiert, werde auch von Menschen genutzt, die sich über Straftaten beklagen wollen. Insofern sei der Anschlag „ein Schlag ins Gesicht derer, die hier leben“.

Auch an der Praxis, Verdächtigen von Straftaten die Wohnung zu kündigen, werde die ABG festhalten, kündigte Junker an. Wer seine Wohnung zum Dealen nutze, habe keinen Anspruch mehr auf eine Bleibe bei der ABG. Das hätte auch zur Folge, dass ganze Familien ausziehen müssten. Junker sprach von „Generalprävention“ und „abschreckender Wirkung“.

Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) unterstützte den ABG-Chef: „Wenn es sich herumspricht, dass Kriminelle in Frankfurt Schwierigkeiten haben, eine Wohnung zu finden, kann ich damit gut leben.“ Frank räumte aber ein, dass die Tatverdächtigen nach ihrem Auszug aus der Platensiedlung zum Wohnungsamt gehen könnten, um sich eine Unterkunft zuweisen zu lassen. Das könne auch ein Bett im Obdachlosenheim sein.

Polizeivizepräsident Walter Seubert berichtete von einer Festnahme in der Siedlung am Freitag. Die Beamten hätten nach kurzer Verfolgung einen Mann gestellt, der Drogen in seiner Wohnung aufbewahrt habe. Bei ihm habe es sich um einen der sechs gekündigten Mieter gehandelt. Sie wohnen noch in der Siedlung, bis das Gericht über die Räumungsklage der ABG entschieden hat.

„Einzelne Gruppen glauben immer wieder, Sachbeschädigungen seien Teil einer Debattenkultur – aber so ist es nicht“, sagte Planungsdezernent Mike Josef (SPD). Er forderte, Streetworker in der Siedlung einzusetzen: „Das darf nicht am Geld scheitern.“

Die Polizei sucht Zeugen des Angriffs. Telefonnummer 069 / 75 51 12 00.

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