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Die Theaterdoppelanlage am Willy-Brandt-Platz hat riesigen Sanierungsbedarf.

Oper in Frankfurt

Reaktionen auf den privaten Opern-Bau

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Politiker kleiden ihre Skepsis beim privaten Opern-Bau in Frankfurt in höfliche Worte. Der neue Vorstoß bringt den sorgsam austarierten Zeitplan der Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen durcheinander.

Manchmal wirkt es, als verfolge Martin Wentz eine Mission. Seit mehr als einem Jahr zieht der frühere Frankfurter Planungsdezernent mit seiner Idee eines neuen Opernhauses abseits des Willy-Brandt-Platzes durch die Frankfurter Stadtgesellschaft. Den Intendanten von Oper und Schauspiel hat er seine Entwürfe ebenso vorgestellt wie dem Oberbürgermeister, dem Kämmerer oder der Kulturdezernentin.

Das Problem dieses Vorstoßes, für den Wentz jetzt sogar eigens eine Stiftung gründen will: Er bringt den sorgsam austarierten Zeitplan der Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen durcheinander. Die Stadt hatte erst am 1. Oktober eine Stabsstelle Städtische Bühnen ins Leben gerufen. Der erfahrene Architekt und Projektentwickler Michael Guntersdorf, der seit 2009 die neue Altstadt managte, soll bis Herbst 2019 herausfinden, ob Neubau oder Sanierung der Bühnen sinnvoll wären.

An diesem Zeitplan hält die Koalition auch fest, betont Bau- und Liegenschaftsdezernent Jan Schneider (CDU). Er begrüßt zugleich grundsätzlich „das bürgerschaftliche Engagement“ der zwölf Stiftungs-Gründer. „Wir werden jetzt die Ergebnisse der Stabsstelle Städtische Bühnen abwarten“, sagt Schneiders Sprecher Günter Murr. Erst „wenn eine Sanierung sich nicht als wirtschaftlich sinnvoll erweisen“ werde, könne man über einen Neubau reden.

Was den Fachleuten im Römer aber heute schon sauer aufstößt, ist die Ausschließlichkeit, mit der Wentz seine Idee vorantreibt. Die von ihm initiierte Stiftung soll den von ihm konzipierten Entwurf eines neuen Opernhauses exklusiv verwirklichen.

„Es ist schlechterdings nicht vorstellbar, dass die Stadt ein Projekt solcher Größenordnung ohne internationalen Architektenwettbewerb angeht“, sagt Stabsstellen-Chef Guntersdorf. Schließlich gehe es ja um „Geld der öffentlichen Hand“, auch wenn die Stadt tatsächlich ein Baugrundstück an die Stiftung verpachten würde.

Auch die Kulturdezernentin müht sich um eine höfliche Antwort auf den Vorschlag ihres Parteifreundes Wentz. Sie nennt ihn „interessant“. Er könne „als eine mögliche Option in den geordneten Prüfungsprozess der Stabsstelle eingebracht werden“, sagt Ina Hartwig. auf Anfrage der FR. Sie begrüßt die „Idee, einen Teil der möglichen Kosten über Spenden zu tragen“. Aber erst einmal müsse die Stabsstelle Bühnen jetzt in Ruhe prüfen, ob nicht doch „eine Sanierung im Bestandsschutz“ möglich sei.

Diese Prüfung immerhin wird sich jetzt beschleunigen. Michael Guntersdorf möchte „schon Ende März sagen“, ob eine Sanierung der Theater-Doppelanlage am Willy-Brandt-Platz sinnvoll wäre. .

Es ist natürlich kein Zufall, dass die von Wentz genannten Dimensionen eines neuen Opernhauses (140 Meter lang, 70 Meter breit) ziemlich genau auf ein Grundstück passen, das der Projektentwickler favorisiert. Auf diesem Areal Mayfarthstraße 14 im Osthafen ist heute noch der Baustoffhandel Raab Karcher untergebracht, dessen Mietvertrag mit den städtischen Hafenbetrieben aber 2021 ausläuft.

Für die Sozialdemokraten ist der Vorstoß ihres Parteifreundes Wentz aus noch einem Grund ein Problem. Sie möchten unbedingt, dass der Willy-Brandt-Platz Standort der Bühnen bleibt – schon wegen der großen Tradition des Schauspielhauses von 1902 und der 1963 eröffneten Theater-Doppelanlage.

Kulturdezernentin Ina Hartwig macht denn auch unmissverständlich klar: „Sollte eine Trennung der Sparten sinnvoll sein, verbleibt eine Spielstätte der Städtischen Bühnen am Willy-Brandt-Platz.“ Auch die SPD-Fraktion im Römer hält fest: „Der Standort am Willy-Brandt-Platz steht nicht zur Disposition.“

Wentz schlägt denn auch unverblümt einen Neubau des Schauspiels dort vor – den müsse die Stadt aber dann schon selbst stemmen. Für die Zukunft des Schauspiels interessiert sich der Opern-Liebhaber erkennbar überhaupt nicht.

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