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Etwa 130 Menschen zeigten auf der Wilhelmshöher Straße ihren Unmut.

Verkehr in Frankfurt

Protest gegen Raser in Seckbach

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Anwohner im Frankfurter Stadtteil Seckbach demonstrieren auf der gesperrten Wilhelmshöher Straße gegen Raser. Sie tragen T-Shirts mit dem Motto: "Wir warten nicht auf den ersten Toten!"

Auf den hochgehaltenen Schildern steht „Raser stoppen“ und „Geschwindigkeitskontrollen“. Kinder trommeln und pfeifen. Rund 130 Menschen sind am Donnerstagabend zu einer Kundgebung auf der Kreuzung vor dem Seckbacher Rathaus gekommen. Um für eine sicherere Wilhelmshöher Straße zu demonstrieren. Viele Teilnehmer tragen T-Shirts mit dem Motto des Abends: „Wir warten nicht auf den ersten Toten!“

Aufgerufen hat die Aktionsgruppe „Verkehrsberuhigung Wilhelmshöher“, die seit vergangenem Jahr zu viel Berufsverkehr, zu schmale Bürgersteige und vor allem zu wenig Sicherheit für Schulkinder moniert. „Die Stadt soll sich entscheiden“, ruft Gründerin und Mitinitiatorin Bonny Fischer ins Mikrofon. „Mensch oder Auto?“ Viele Vorschläge wie etwa Poller entlang der Gehwege hätte sie bereits gemacht, bislang sei aber nichts geschehen. „Hier scheinen keine Verkehrsregeln zu gelten“, sagt Fischer, und eine Anwohnerin fügt hinzu: „Als Fußgänger bekommt man hier Panik.“

Kurz zuvor: Um 17.30 Uhr fließt der Verkehr noch über die Wilhelmshöher. Dann rücken ein halbes Dutzend Polizisten aus, um die Straße für anderthalb Stunden von der Vilbeler Landstraße bis zur Nebenstraße Im Trieb zu sperren. Stoßstange an Stoßstange schieben sich die Autos durch den Trieb in Richtung der Hochstädter Straße. Verkehr, der sonst über die Wilhelmshöher fließen würde. Zu murren scheinen die wenigsten Fahrer, „alles verläuft gut“, heißt es bei der Polizei.

Ein paar hundert Meter weiter ist es auf der Wilhelmshöher so ruhig wie selten, mit Ausnahme der Trillerpfeifen der Demonstranten. Eine Familie hält ein Schild mit der Aufschrift „Nachts wird unser Trieb zur Rennstrecke“ hoch. „Die rasen hier mit bis zu 90 Stundenkilometer entlang“, sagt der Vater über die Nebenstraße. Während seine 13-jährige Tochter berichtet, sie habe auf dem Schulweg jeden Morgen Angst angesichts des Berufsverkehrs.

Ein weiterer Anwohner berichtet ins Mikrofon gar von einer Verkehrstoten, die es auf der Wilhelmshöher entgegen des Kundgebungsmottos schon mal gab. „Vor 40 Jahren wurde die Großmutter eines Schulkameraden beim Überqueren der Straße von einem Auto erfasst“, erzählt der heute 48-jährige Andreas Diehl. „Das war ein großer Schock für ganz Seckbach.“ Erst danach sei an der Stelle eine Fußgängerampel installiert und das Höchsttempo auf 30 reduziert worden.
Auch die Bürgerinitiative „Grüne Lunge am Günthersburgpark“ ist mit vier Vertretern zur Kundgebung gekommen, um die befreundete Aktionsgruppe zu unterstützen. „Der Verkehr ist ein Problem im Osten Frankfurts“, sagt Folkhart Funk, der seit 25 Jahren im benachbarten Bornheim wohnt. „Wenn man mal Abends den Berufsverkehr auf der Wilhelmshöher Straße beobachtet, wird das schnell offensichtlich.“


Ein paar Schritte weiter setzen alle Demonstranten ihre Namen auf Unterschriftenlisten, die noch dieses Jahr Frankfurts OB Peter Feldmann (SPD) übergeben werden sollen. Gemeinsam mit einem offenen Brief sowie Bildern, die Seckbacher Kinder unter dem Motto „wie siehst du das?“ bei der Aktionsgemeinschaft einreichen können. Und die zuvor am 1. Dezember auf dem Weihnachtsmarkt der Zentgrafenschule ausgestellt werden. „Wir wollen im Dezember gemeinsam den Römer erstürmen“, kündigt Bonny Fischer den Besuch der Aktionsgruppe beim Stadtoberhaupt an.

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