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Glockengießerei Rincker in Sinn bei Wetzlar: Guss des neuen Höchster Wahrzeichens.

Höchst

Neuer Klang für den Bolongaropalast

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Die Bürgervereinigung spendet eine Glocke als Wahrzeichen für Höchst.

Das war schon beeindruckend für mich als Laie“, sagt Wolfgang Weber. „Da sprühen richtig die Funken, wenn das flüssige Material eingegossen wird.“ Das flüssige Material war eine Metallmischung aus etwa 21 Prozent Zink und 79 Prozent Kupfer. Mittlerweile ist sie fest und daraus eine 80 Kilogramm schwere Glocke geworden.

Seit vielen Jahren ist Wolfgang Weber bei der Bürgervereinigung Höchster Altstadt aktiv. Natürlich war er auch vergangenen Freitag anwesend, als in der Glockengießerei Rincker in Sinn bei Wetzlar endlich entstanden ist, wofür der Höchster Verein 5400 Euro aus seiner Kasse genommen hat: Ein Ersatz für die Glocke aus dem 18. Jahrhundert, die bis zum Zweiten Weltkrieg im Uhrturm des Höchster Bolongaropalastes die Stunden schlug. „Die verschollene Glocke hat wohl nur rund 60 Kilo gewogen“, erzählt Weber. „Aber es sollte keine Replik werden. Auch die Inschrift ist eine andere geworden.“

„Der Bolongaropalast hat eine Ausstrahlung weit über die Höchster Grenzen hinaus“, findet Weber. „Das ist ein Stück Geschichte.“Und die geht so: Die italienische Kaufmannsbrüder Bolongaro wollten eigentlich in Frankfurt sesshaft werden. Weil die Tabakhändler Katholiken waren, wurden sie sich mit dem protestantischen Frankfurt nicht einig. Ihren barocken Wohn- und Werkstättenpalast bauten sie 1772 dann in Höchst, das damals zum katholischen Kurfürstentum Mainz gehörte. 

Begegnungsstätte im Frankfurter Westen

Im Laufe der Jahrhunderte erfuhren die rund 300 Zimmer vielfältige Nutzung. Mit der Sanierung, die seit 2017 läuft, soll er zu einer Begegnungsstätte im Frankfurter Westen, inklusive Geschichtsmuseum und Theatersaal verwandelt werden.

Einen anderen Teil der Palast-Geschichte kennt Wolfgang Weber. „Während des Zweiten Weltkriegs war es vielerorts üblich, dass Glocken abgehängt und zu Rüstungszwecken eingeschmolzen wurden.“ Das sollte 1941 auch mit der Höchster passieren. „Ob es dann dazu kam ist unklar. An der Zentralstelle in Hamburg endet die Spur.“ Deshalb lautet die Inschrift auf der neuen Glocke, auch: „Der Krieg ließ mich verstummen, Bürgersinn wieder erklingen.“

Die Glocke, deren Durchmesser etwa 50 Zentimeter misst, ist eine Schenkung an die Stadt Frankfurt. Mitte Dezember will der Verein sie Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) übergeben. Im Laufe des kommenden Jahres, wenn die Restaurierung des Bolongaropalastes weiter fortgeschritten ist, soll sie im Uhrturm angebracht werden. Wann das sein wird, ist noch nicht bekannt, man wird es hören. Spätestens mit dem ersten Glockenschlag.

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