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Überall online zu sein, ist Alltag geworden. Doch unterwegs zu surfen ist teuer.

WLAN in Frankfurt

Netz bleibt ein Flickenteppich

Kostenfreies, flächendeckendes WLAN in Frankfurt: Davon können Internetnutzer nur träumen. Eine durchgängige Versorgung gibt es nicht. Einzelne Anbieter bieten ein lückenhaftes Netz.

Larissa aus Mainz kommt zum Shoppen nach Frankfurt. Sie sitzt auf der Zeil unter Platanen und wischt über ihr Smartphone. „Gibt es überhaupt freies WLAN in Frankfurt?“, fragt die 16-Jährige. Mit dem Internet verbunden sei sie über ihren Mobilfunkanbieter, nicht per WLAN. Sie habe einen Hotspot der Telekom ausprobiert. Der habe nicht gratis funktioniert.

Flächendeckendes WLAN in der Frankfurter Innenstadt gibt es nicht. Die Versorgung gleicht eher einem Flickenteppich. Viele einzelne Anbieter, manche privat, die meisten gewerblich, bieten punktuell Internetzugang an. Sobald sich Besucher außer Reichweite bewegen, bricht die Verbindung ab.

Dass es kein flächendeckendes WLAN-Netz gibt, ist so gewollt. „Wir haben niemanden, der solch ein Netz betreiben möchte“, sagte Frank Diergardt von der Anliegergemeinschaft Neue Zeil. Die Einzelhändler hätten schlichtweg „kein Interesse“ daran. In Kleidungsgeschäften sollten die Besucher eher auf die Waren schauen statt aufs Handy. Anders in Restaurants oder Cafés. Dort erhöhe freies WLAN die „Aufenthaltsqualität“, sagt er. Gastronomen schalteten WLAN daher häufiger frei.

Auf der Internetseite der Stadt Frankfurt sieht die Welt eher rosig aus. Sie verweist auf den Breitbandatlas des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur. Demnach gibt es in Frankfurt insgesamt 831 Hotspots für den WLAN-Empfang. Von Alter Oper zur Konstablerwache und vom Anlagenring bis zum Main sind es immer noch rund 50 freie WLAN-Zugänge. Darunter die des Mobilfunkunternehmens Unitymedia. Es bietet in der Frankfurter Innenstadt mittlerweile drei Dutzend kostenfreie WLAN-Hotspots an. Auch das Online-Warenhaus Ebay hat Teile der Frankfurter Innenstadt mit kostenfreiem WLAN ausgestattet. Die städtischen Bibliotheken versorgen Besucher, die Bibliotheksausweise haben, seit einem Jahr mit Gratis-Zugang zum Netz.

Auch das nichtkommerzielle Netzwerk Freifunk Frankfurt bietet in Frankfurt mehr als 500 WLAN-Zugänge an. Dabei schalten Privatleute einen Teil ihrer Internetversorgung für Außenstehende frei. Die Gewerbevereine in der Frankfurter Neustadt und dem Mertonviertel ermöglichen ebenfalls freien Internetzugang.

Diese Entwicklung will Jan Schneider (CDU) unterstützen. Als Baudezernent ist er auch für die Internetversorgung in Frankfurt verantwortlich. „Es ist keine originär öffentliche Aufgabe, freies WLAN anzubieten“, führt sein Referent Carsten Bobe gegenüber der FR aus.

Dezernent Schneider begrüße den Wegfall der Störerhaftung. Künftig werde es „mehr Anbieter von freiem WLAN geben“, sagt Bobe voraus. Auch sei die Versorgung mit LTE in Frankfurt „sehr hoch“. LTE sei zudem schneller als WLAN.

Eine weitere Möglichkeit, die Stadt mit freiem Netzzugang auszustatten, könnte nun allerdings ungenutzt verstreichen. Das betrifft den Betrieb der Außenwerbeflächen, in die die Anbieter WLAN-Router installieren könnten. Seit Jahrzehnten betreibt die Kölner Firma Ströer die Außenwerbeflächen in Frankfurt. Die Kündigung des Hauptvertrags war aus formalen Gründen gescheitert. Die Stadt hat das Ende der Vertragszeit abgewartet und den Vertrag neu ausgeschrieben. Der neue Anbieter soll ab Januar 2018 die Werbeflächen betreiben.

Das WLAN-Angebot habe die Stadt aber lediglich „optional“ in die Ausschreibung aufgenommen, sagt Referent Bobe. Die Anbieter müssten demnach die „Installation und den Betrieb“ selbst übernehmen, ohne dass der Stadt zusätzliche Kosten entstünden.

Sandra Trawny, Referentin von Planungsdezernent Mike Josef (SPD), führt auf Nachfrage aus, dass die „optionale Leistung“ des freien WLAN-Angebots „in der Bewerbung nicht relevant“ sei. Die Ausschreibung sei mittlerweile beendet. Die Bewerbungen würden nun gesichtet. Der Hauptvertrag für mehr als 1000 Litfaßsäulen sowie rund 150 große Werbeträger und rund 150 Plakatwände solle zum 1. Januar 2018 vergeben werden.

Kritik kommt von der FPD-Fraktion im Römer. „Der Magistrat vergibt leichtfertig die Chance, weite nicht abgedeckte Bereiche der Innenstadt mit WLAN zu versorgen“, urteilte der FDP-Stadtverordnete Yanki Pürsün. Das sei „unverständlich“.

Wenig Verständnis hat auch Larissa, die neben dem Shopping auf der Zeil gerne gratis im Internet unterwegs wäre. Ihr Begleiter David aus Kroatien, der gerade hierzulande Urlaub macht, sagt: „In Zagreb ist das anders, da gibt es freies WLAN in der Stadt.“

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