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Bei den Open Studios im Sommer 2017 waren auch Arbeiten von Katrin Trost (re.) zu sehen.

Kultur in Frankfurt

Mietvertrag für Atelierfrankfurt läuft aus

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Rund 200 Künstler in Frankfurt bangen um die Zukunft des Atelierfrankfurt im Ostend. Sie fürchten die Kunst- und Kulturstätte könnte abgerissen und durch Wohnhäuser ersetzt werden.

Die Winterpause ist vorbei und die Künstler treffen sich mittags wieder in der Kantine des Atelierfrankfurt. Sie sitzen über dampfenden Speisen und reden über ihre Projekte, tauschen Neuigkeiten aus. Ein Gerücht macht derzeit hartnäckig die Runde: Dem Atelierfrankfurt drohe der Abriss; der Mietvertrag laufe aus; die Künstler könnten ihre Ateliers verlieren.

„Ich weiß auch nicht, wie es dann weitergehen würde“, sagt eine Frau, die in einem der Ateliers arbeitet. „Das Beste wäre es, wenn wir hier bleiben könnten.“

Im Frankfurter Osten sind die Preise für Grundstücke in die Höhe geschossen; in der Nähe der Europäischen Zentralbank (EZB) entstehen vielerorts neue Immobilien – wie das „Hafenpark-Quartier“ am Honselldreieck mit mehreren Hundert Miet- und Eigentumswohnungen, Büroturm, Hotel und Boardinghouse. Auch das Grundstück in der Schwedlerstraße 1-5, auf dem das Atelierfrankfurt, das größte Kunst- und Kulturzentrum Hessens steht, ist heiß begehrt.

Corinna Bimboese, die Leiterin des Atelierfrankfurt, weiß um die Gerüchte, die sie richtigstellen will. Es stimmt, sagt sie, der Mietvertrag mit dem Immobilienunternehmer Michael Loulakis laufe zum 30. Juni 2018 aus. „Wir sind gerade mitten in den Verhandlungen.“

Das Kulturdezernat ist in die Verhandlungen eingebunden. „Es werden sehr enge Gespräche geführt“, sagt Jana Kremin, Sprecherin von Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). „Wir wissen um die Brisanz des Themas.“

Kantine ist ein beliebter Treff

Die weitläufige Lagerhalle in der Schwedlerstraße hat der Unternehmer und Kunstsammler Michael Loulakis dem Verein Atelierfrankfurt 2014 zu einem vergünstigten Mietpreis überlassen. Davor war das Atelierfrankfurt – aus dem etablierte Initiativen wie das Lichter Filmfest oder die Freitagsküche hervorgegangen sind – von 2004 bis 2013 in einem Gebäudeteil des Alten Polizeipräsidiums untergebracht, dem früheren Verwaltungsgebäude der Andreae-Noris Zahn AG in der Hohenstaufenstraße. 45 Künstler arbeiteten dort. Das Gebäude ist mittlerweile abgerissen.

Auf sechs Etagen arbeiten im Atelierfrankfurt seit 2014 rund 200 Kunstschaffende – Bildende Künstler, Grafiker, Designer. Sie teilen sich 130 Ateliers, die sie zu vergünstigten Preisen anmieten können. Der Weissbooks-Verlag hat dort seinen Sitz. Die Studierenden der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMdK) proben dort. Das „Kabinett der Kuriositäten“ macht regelmäßig Parties. Zu „Open Studios“ öffnet sich das Kunst- und Kulturzentrum den Besuchern. Zur Luminale, die in diesem Jahr vom 18. bis 23. März stattfindet, sind dort Veranstaltungen geplant.

Die Kantine, die vor gut einem Jahr eröffnet wurde, ist zum beliebten Treff geworden. „Sonst gibt es ja in der Gegend nicht so viel“, sagt ein Mann in der Schlange zum Tresen.

Dafür, dass das Atelierfrankfurt auch in der Zukunft im Gebäude bleiben kann, macht sich Corinna Bimboese derzeit stark. „Wir kämpfen wie die Löwen“, sagt sie. Die FR fragte auch den Unternehmer Michael Loulakis nach seinen Vorstellungen, doch er äußerte sich dazu nicht. Das Kulturdezernat steht hinter Bimboese. „Die Stadt strebt an, dass das Atelierfrankfurt erhalten bleibt“, sagt Jana Kremin. Noch gibt es aber keine Gewissheit.

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