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Die University Shanghai zählt zu den renommiertesten Hochschulen Asiens. Ihres Gründers Ma Xiangbo gedenkt sie mit einer Karikatur.

Studium in China

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Frank Dievernich, Präsident der Fachhochschule Frankfurt, sucht die Kooperation mit Unis in China.

Frank Dievernich ist mit der Delegation von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) nach China gereist. Am Dienstag waren   alle auf dem Weg von Guangzhou nach Shanghai. In Guangzhou hat der Präsident der Frankfurt University of Applied Sciences, die früher Fachhochschule hieß, Gespräche über eine Kooperation mit der Sun-Yat-sen-Universität geführt. Auch mit der Fudan University in Shanghai will Dievernich die Zusammenarbeit ausbauen

Herr Dievernich, welche Interessen hat die Frankfurt University of Applied Sciences an China?
Als Hochschule sehen wir China als wichtigen strategischen Fokus unserer Auslandsbemühungen. Die Welt, in der wir leben, ist so divers, da müssen wir natürlich einen Blick auf China werfen – es ist die wirtschaftliche Supermacht. Die gesellschaftliche Entwicklung der nächsten Jahre wird dort geprägt, denken wir an künstliche Intelligenz und Big Data.

Warum wollen Sie gerade mit der Universität in Guangzhou zusammenarbeiten?
Guangzhou ist Frankfurts Partnerstadt. Es ergibt Sinn, dass wir in allen Partnerstädten Kooperationen haben. Politik, Wissenschaft und Wirtschaft können sich befruchten. Aber wir machen nicht irgendwelche Kooperationen, es muss schon passen. In Shanghai haben wir bereits zwei Kooperationen, auch in anderen chinesischen Städten. In Guangzhou interessieren uns bestimmte Bereiche: Ingenieurwissenschaften und Elektrowissenschaften. Es soll nun am Anfang konkret um den Austausch von Lehrenden gehen. 

Und welche Interessen haben die Chinesen an der Frankfurter Hochschule?
Für Guangzhou sind wir ein kleines Dorf, schließlich ist es eine 14-Millionen-Stadt. Sie kooperiert mit großen Universitäten wie Harvard und der TU München, hat den zweitschnellsten Rechner der Welt entwickelt. Aber die Universität findet unsere Hochschule und den anwendungs- und praxisorientierten Lehr- und Forschungsstil hochspannend. Denn es wird konkret an Forschungsfragestellungen der Unternehmen gearbeitet, und es werden Lösungen produziert. 

Was sieht das in der Praxis aus?
Bei Fraport gab zum Beispiel die Herausforderung, Gepäckströme optimal zu organisieren. Unsere Wissenschaftler im Bereich der Logistik und Mobilität geben hier entsprechend innovative Antworten, die auch umgesetzt werden. In den technischen Wirtschaftsbereichen geht es ohne große Forschungskooperationen einfach nicht. Und unseren Hochschultyp finden in Asien auch die Thailänder interessant, im Nahen Osten etwa der Iran und Ägypten. 

Mit der Shanghai University kooperieren Sie bereits. Sie werden nun am heutigen Mittwoch auch dort Gespräche führen. Wollen Sie die Zusammenarbeit ausbauen?  
Ja. Eine Idee ist, einen Weiterbildungsmaster gemeinsam aufzubauen. Zielgruppe wären Menschen, die bereits in der beruflichen Praxis verankert sind. Frankfurt und Shanghai wären die Studienorte. Neben einem Abschluss in Wirtschaftswissenschaften würden die Studierenden Sprache und Kultur kennenlernen. Das wäre einzigartig in Hessen. 

Warum ist Weiterbildung für die Frankfurt University of Applied Sciences so wichtig?
Wir sind dabei, die Weiterbildung in Frankfurt zu stärken. Wir leben in Zeiten massiver gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Veränderungen. Die Digitalisierung ist der zentrale Trigger. Die künstliche Intelligenz wird an Bedeutung gewinnen. Es entstehen neue Berufe und Arbeitsplätze, von denen wir heute noch gar nichts wissen. Deshalb wird sich das Hochschulsystem ändern müssen. Wir werden uns in Zukunft viel öfter weiterbilden müssen. Da werden Hochschulen eher zu Ladestationen des Wissen werden, an denen wir im Leben immer wieder Halt machen müssen. Deswegen bauen wir an der Frankfurt University of Applied Sciences eine dritte Säule auf: Zur klassischen Lehre und Forschung kommt die Weiterbildung fürs lebenslange Lernen hinzu. 

Interview: Sandra Busch

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