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Sparauflage der Stadt: Die Bühnen am Willy-Brandt-Platz müssen den Rotstift ansetzen.

Städtische Bühnen

Massives Spardiktat für Städtische Bühnen

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Selbst eine Auszeichnung wie "Oper des Jahres" nutzt nichts: Um 1,2 Millionen Euro sollen Oper und Schauspiel in Frankfurt ihre Ausgaben kürzen.

Die Städtischen Bühnen in Frankfurt feiern künstlerisch und wirtschaftlich außergewöhnliche Erfolge. Die Oper ist gerade zum vierten Mal als Opernhaus des Jahres in Deutschland ausgezeichnet worden. Das Schauspiel verbuchte mit einer Auslastung von 91 Prozent 2017/2018 die historisch beste Spielzeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Doch zugleich sehen sich die Bühnen mit harten Sparvorgaben der Stadt konfrontiert. Zwei Prozent bei den Sachausgaben müssen Oper und Schauspiel in der neuen Spielzeit einsparen, das sind unter dem Strich etwa 1,2 Millionen Euro. Hinter den Kulissen ringen die Intendanten deshalb zur Zeit um jeden Euro. Gekürzt werden muss insbesondere bei den künstlerischen Gästen.

„Wir versuchen, das erreichte künstlerische Niveau zu halten – doch das Eis, auf dem wir uns bewegen, ist sehr dünn“, erklärt Schauspiel-Intendant Anselm Weber im Gespräch mit der FR. Bernd Loebe, Intendant der Oper, lässt lediglich mitteilen: „Die Dinge sind im Fluss.“

Der Aufsichtsrat der städtischen Bühnen GmbH, so Loebes Sprecher Holger Engelhardt, müsse entscheiden. Er schließt aber aus, dass es aus Spargründen noch mehr konzertante Aufführungen ohne Bühnenbild geben wird.

Allein 450 000 Euro muss Schauspiel-Intendant Weber in der jetzt gestarteten neuen Saison einsparen. „Da es viele festgelegte Pflichtausgaben gibt, kann man eigentlich nur im künstlerischen Bereich und bei der Verpflichtung von Gästen sparen“, sagt Weber. Auch die Wiederbesetzung jeder frei werdenden Stelle prüfe man.

„Lange wird diese Sparpolitik von den Intendanten nicht durchzuhalten sein“, urteilt Thomas Dürbeck, der kulturpolitische Sprecher der CDU. Die Sparvorgabe von zwei Prozent bei den laufenden Ausgaben gilt freilich für die gesamte Stadtverwaltung. Würde der Magistrat nur die Bühnen davon befreien, würde das zu einem Aufschrei in den anderen Ämtern und Betrieben führen.

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) vermeidet es denn auch, die Befreiung der Bühnen von den Sparauflagen zu fordern. Sie verlangt stattdessen im Gespräch mit der FR „ein finanzielles Bekenntnis“ des Landes Hessen für Oper und Schauspiel. Das Land stehe „in der Pflicht“, mehr Geld zu geben.

Es sei „auf Dauer schwer vermittelbar“, dass die Staatstheater in Wiesbaden, Gießen und Darmstadt gefördert würden, nicht aber die Frankfurter Bühnen. Hartwig versichert: „Ich setze mich mit aller Kraft für die Interessen der Städtischen Bühnen ein und bin hierzu in engen Gesprächen mit dem Kämmerer, den Intendanten und der Verwaltungsdirektion.“

Die Intendanten wollen die Situation so schnell wie möglich mit dem Aufsichtsrat der Städtischen Bühnen GmbH diskutieren. Doch der tagt erst im Dezember. In der Römer-Koalition von CDU, Sozialdemokraten und Grünen wird deshalb überlegt, kurzfristig eine Sondersitzung des Aufsichtsrates einzuberufen. In wenigen Tagen wird intern der dritte Quartalsbericht 2018 der Bühnen GmbH zur Lage erwartet. Sobald dessen Zahlen vorliegen, könnte der Aufsichtsrat einberufen werden.

In der Römer-Koalition ist die Sorge groß, dass die kulturellen Ausgaben der Stadt für Spitzeninstitute wie die Oper und das Schauspiel öffentlich gegen andere Verpflichtungen der Kommune ausgespielt werden könnten. „Die Front verläuft heute zwischen Bildung und Kultur“, urteilt der kulturpolitische Sprecher der CDU, Thomas Dürbeck. Der Bildungsetat löse in Kürze den Sozialhaushalt als größte Einzelposition bei der Stadt ab.

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