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Dagmar Priepke hat zehn Jahre lang die Frankfurter Heussenstamm-Galerie geleitet.

Abschied

Die letzte Rock?n?Rollerin

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Dagmar Priepke, Geschäftsführerin der Heussenstamm-Galerie, geht in den Ruhestand.

Viele Freunde haben über Dagmar Priepkes Lebensentscheidung Anfang der 80er Jahre nur die Köpfe geschüttelt. Eine Verbeamtung auf Lebenszeit bei der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt – das war und ist doch beinahe wie ein Sechser im Lotto. Die gebürtige Sachsenhäuserin sah das ganz anders: Sie verzichtete damals auf den Beamtenstatus und schlug einen neuen Weg ein. Bereut habe sie das nie, sagt die Leiterin der Heussenstamm-Stiftung im Gespräch mit der FR.

Und was hätte sie dann alles verpasst! Zum Beispiel Alice Schwarzer als Chefin beim Feministischen Dokumentationszentrum im Frankfurter Westend, die Hessische Zentrale für Datenverarbeitung in Wiesbaden und den Aufbau der EDV am Museumsufer. Heute ist Priepke vor allem wegen ihrer Arbeit bei der Stiftung ein bekanntes Gesicht in der Stadt. In der Nachbarschaft ist sie in der Interessengemeinschaft Kulturmeile Braubachstraße aktiv.

Dass sie Ende Januar kurz nach ihrem 63. Geburtstag in den Ruhestand geht, scheint angesichts ihres sprühenden Temperaments schwer vorstellbar. In der Stiftung mit angeschlossener Galerie in der Braubachstraße 34 war sie seit 2008 Geschäftsführerin – und Einzelkämpferin. „Jetzt geht die letzte Rock’n’Rollerin der Stadt“, sagt sie lachend über sich selbst.

„Dagmar Priepke ist es gelungen, den Gründungsgedanken der Stiftung der Gegenwart anzupassen“, lobt Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). „Man besucht immer wieder gerne die Ausstellungen.“ 71 waren es in zehn Jahren.

Sehr interessant war beispielsweise eine Schau über den israelischen Fotografen Rudi Weissenstein, dessen hochbetagte Witwe Miriam Ehrengast war – vor hinreißenden Fotografien, die sie als junge, fröhliche Tänzerin zeigten. Auch die Zusammenarbeit mit dem Drogenhilfezentrum Eastside, das hier Fotografien zeigte, ist Priepke noch in guter Erinnerung.

Ein Nachfolger, eine Nachfolgerin in der wichtigen Institution, die regionale Künstler und soziale Projekte fördert, steht nach Angaben Priepkes noch nicht fest, man sei in der Findungsphase. „Man muss mal schauen, dass die Stiftungsgeschäfte aufrechterhalten werden, bis hier jemand Neues feststeht“, sagt sie diplomatisch-zurückhaltend. Und meint damit: Sie würde hier auch als Rentnerin noch ein bisschen weitermachen, wenn es denn sein muss. Aktiv bleiben will sie auf jeden Fall in der IG Braubachstraße.

Einige Jahre lang hat sie gleich um die Ecke gewohnt, aber vor allem in den gut zehn Jahren in der Heussenstamm-Stiftung konnte sie die Veränderungen in der Straße, von deren Vielfalt sie schwärmt, hautnah mitverfolgen. Tiefpunkt war da wohl die endlose Haussanierung, die statt sechs rund 18 Monate dauerte. Ausstellungen waren in dieser Zeit nicht möglich, aber es schweißte die Nachbarschaft enger zusammen. Sogar Freundschaften entstanden damals.

In der neu gewonnenen Freizeit wird der Sportlerin wohl nicht langweilig werden. Unter anderem engagiert sie sich seit Jahren ehrenamtlich in einer bekannten Sozialberatung. Das will sie auch weiterhin machen.

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