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Der OB lässt sich die Wagenhalle zeigen.

Feuerwehr Sossenheim

Leben retten, Ringe aufschneiden

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OB Peter Feldmann besucht die Feuerwache 30, um die Wertschätzung der Stadt auszudrücken.

Es hat Tradition, dass das Stadtoberhaupt in der Adventszeit eine der Feuerwachen der Stadt besucht. Es geht darum, die Wertschätzung der Stadt auszudrücken. Am Montag hat OB Peter Feldmann (SPD) darum die Feuerwache 30 in Sossenheim erkundet. „Es fällt auf, dass es da welche gibt, die Dienst schieben, wenn andere Feierabend oder gar Feiertag haben“, sagt Feldmann.

Tatsächlich ist die Feuerwehr das ganze Jahr im Einsatz, löscht Feuer, räumt Unfälle, hilft, Bomben zu entschärfen und ganze Bezirke zu evakuieren. „Sie setzen täglich ihr Leben aufs Spiel, um andere zu retten“, sagt Feldmann. Darauf sollen die Wehrleute, ihre Freunde und Nachbarn ruhig stolz sein. Feldmann ist jedenfalls beeindruckt. Das Stadtoberhaupt versucht, das mit einer Spende für die Kaffeekasse zu unterstreichen. Und mit dem Hinweis, dass die Stadt die tapferen Männer und Frauen auch handfest bei der Wohnungssuche unterstützen wolle. Über die Wohnbaugesellschaften und das geförderte Mittelstandsprogramm.

Das Angebot freut die anwesenden Brandbekämpfer. Wenn sie auch nicht ihre Lebensmittelpunkte dafür aufgeben möchten. „Aber für die jungen Kollegen wäre das sicher interessant“, sagt einer. Das Gehaltsgefüge erschwere die Suche nach einer Wohnung in Frankfurt oft. Ansonsten erleichtert die Lage der Wache direkt an der A 648 die Anfahrt aus dem Umland ungemein.

Besagter Verkehrsweg hat auch Auswirkungen auf die Einsätze der Wehr. Die Feuerwache 30 hat Löschfahrzeuge, Rettungswagen und Drehleiter im Einsatz. Spezialisiert ist sie aber auf technische Hilfeleistung. Sie rückt aus, wenn auf einer Baustelle etwas eingestürzt ist. Oder um bei Verkehrsunfällen umgekippte LKW aufzurichten oder eingeklemmte Personen zu befreien.

Überhaupt haben sich die Männer und Frauen der Wache zu Experten im Freischneiden aus misslichen Lagen entwickelt. Auf dem Flur hängt ein entsprechendes Schild mit der Aufschrift „Die Herren der Ringe“, samt Runen aus dem Fantasy-Zyklus von J.R.R. Tolkien, Ringen und ein paar Handschellen.

„Die Leute ketten sich fest und finden dann die Schlüssel nicht mehr“, erklärt ein Mitglied der Wache die Schellen. Seinen Namen möchte der Helfer nicht verraten. Wer in der Zeitung landet, muss den Kollegen Stückchen vom Bäcker ausgeben. Die Sossenheimer rücken auch aus, wenn Ringe irgendwo festsitzen. Das hat einst ganz harmlos begonnen, erinnert sich der Gesprächspartner. Eine alte Dame hatte ihren Goldring nicht mehr vom Finger bekommen.

„Wir sind mit Trennschleifer angerückt“, einem Schneidegerät für ganz feine Schnitte, etwa im Modellbau. Ein Erfolg. Die Einsätze sind dann immer delikater geworden. Inzwischen fordert auch die Uniklinik die Experten aus Sossenheim an, wenn es gilt, Ringe aus dem Intimbereich von Männern zu entfernen, die nicht mehr abgehen.

Der Kollege grinst. Es gibt eben immer etwas zu tun. 13 Männer und Frauen bilden eine Wache (wochenends nur zwölf). Eine Schicht dauert 24 Stunden, dann haben die Wehrleute 48 Stunden frei. Die 24 Stunden gehen schnell rum. Sie sind angefüllt mit Geräte prüfen, Wartungsarbeiten, Reparaturen, Verwaltungsaufgaben, Übungen.

Sport gehört auch zum Tagesablauf. Wehrleute müssen fit sein. Alleine schon, um die berühmte Stange runter zu rutschen. Die gibt es tatsächlich. Der Weg zu den Wagen ist schneller gerutscht als gelaufen. Eine Treppe im Sprint zu bewältigen wäre auch viel unfallträchtiger, erklärt einer. Am Fuß der Stange gibt es eine gefederte Plattform, die den Rutsch abbremst.

Und zwischendrin unterbrechen die Alarme den Alltag. Dann gilt es, auszurücken und Leben zu retten.

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