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Ein Spezialist für komische Kunst: Otto Waalkes in inniger Umarmung mit einem Ottifanten.

Caricatura Frankfurt

Kurswechsel bei der Caricatura

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Die Kulturdezernentin fordert den Direktor der Caricatura Frankfurt auf, ein Zukunftskonzept zu erarbeiten.

Im Streit um die Zukunft des Museums für Komische Kunst in Frankfurt ist eine überraschende Wendung zu verzeichnen. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) gibt dem von ihr bisher scharf kritisierten Direktor der Caricatura, Achim Frenz, öffentlich demonstrative Rückendeckung. Sie habe den 60-Jährigen gebeten, „einen Konzeptvorschlag zu erarbeiten, in welche Richtung sich das Museum inhaltlich entwickeln möchte“, so die Sozialdemokratin in einer Stellungnahme gegenüber der Frankfurter Rundschau. 

Damit macht Hartwig deutlich, dass sie mit Frenz weiterarbeiten möchte – nachdem sie noch vor kurzem eine disziplinarrechtliche Untersuchung gegen den Caricatura-Chef zugelassen hatte.

Zum kommenden zehnjährigen Bestehen des Museums am 1. Oktober äußert sich die Kulturdezernentin sehr lobend. Es sei dem Haus gelungen, „sich über hochkarätige Ausstellungen und einen einzigartigen Blick auf die vergangene wie auch aktuelle gesellschaftliche und politische Lage einen nationalen Spitzenplatz unter den Museen zur Komischen Kunst zu erarbeiten“.

Damit das Haus diesen erfolgreichen Ansatz weiterverfolgen und „seine Strahlkraft ausbauen“ könne, unterstützt Hartwig die Weiterentwicklung der Sammlung „als wichtigen Baustein“. 
Genau das hatte Direktor Frenz in den zurückliegenden Monaten intern vergeblich gefordert. Er möchte die Sammlung des Museums durch Ankäufe von Werken jüngerer Karikaturisten ausbauen. Dazu hatte er bereits Vorschläge erarbeitet. 

Die CDU reagierte zurückhaltend auf Hartwigs Vorstoß. Der kulturpolitische Sprecher Thomas Dürbeck sagte der FR, er sei „skeptisch“ hinsichtlich des Versprechens, die Sammlung auszubauen. 

„Wenn die Kulturdezernentin das will, dann muss sie dem Museum auch mehr Geld zur Verfügung stellen“, so der CDU-Politiker. Das Problem für Direktor Frenz liege nicht im fehlenden Konzept für das Museum. Die Kulturdezernentin müsse Frenz „mehr Freiheit geben“. Das zielt neben dem Geld auf das öffentliche Sprechverbot für den Caricatura-Chef – das bisher anscheinend nicht aufgehoben worden ist. 

Rpmer-Koalition verständigt sich auf Prüfauftrag

Bei den Grünen kam Hartwigs Verhalten besser an. „Die Grünen freuen sich darüber, dass ihr Vorstoß doch noch zum Erfolg geführt hat“, sagte der kulturpolitische Sprecher Sebastian Popp. Die Grünen hatten intern in der Römer-Koalition einen Antrag für die Selbstständigkeit des Museums und eine ausreichende finanzielle Unterstützung eingebracht. 

Nach Recherchen der FR hat sich die Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen jetzt zumindest auf einen Prüfauftrag verständigt. Der Magistrat soll prüfen und dann berichten, welche Kosten ein eigenständiges Museum für Komische Kunst verursachen würde. Zugleich wird auch nach den Einsparungen im Historischen Museum gefragt, sobald die Caricatura dort nicht mehr als Abteilung geführt wird. 

Ein ganz wichtiger Punkt: Nach dem Willen der Koalitionspartner sollen die Kosten und die Erträge des Museums für Komische Kunst künftig gesondert im städtischen Haushalt aufgeführt werden. Bisher gibt es zwei Versionen, die völlig entgegengesetzt sind. 

Nach der einen Darstellung hat der Direktor des Historischen Museums, Jan Gerchow, die finanzielle Ausstattung der Caricatura in den zehn Jahren ihres Bestehens um 100 000 Euro vermindert. Dies enge den Spielraum für Ausstellungen immer mehr ein. 

Gerchow bestreitet das und führt an, das Museum für Komische Kunst sei stets erheblich subventioniert worden. Die Römer-Koalition will in diesem Streit jetzt für Transparenz sorgen. 

Die Römer-Koalition möchte sich dem Vernehmen nach in dem Antrag gemeinsam zur Komischen Kunst und zur Neuen Frankfurter Schule der Satire bekennen. 

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