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Diese Schülerin hat sich Anselm Kiefers "Palette mit Flügeln" aus dem Städel als Motiv gewählt. P. Jülich

Schulen in Frankfurt

Kunstprogramm wird verlängert

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Bei "You&Eye" arbeiten Frankfurter Schüler mit Künstlern zusammen. Das Projekt soll weitergehen.

Hip-Hop wummert aus dem Lautsprecher im Atelier Frankfurt, die Schüler tanzen geübt eine Choreographie, eine halbe Minute lang. Rico Montero, Musiker und Musikpädagoge, motiviert die Gruppe: „Ich sage hip, ihr sagt hop, danach seid ihr alle kurz still“. - „HIP“ - „HOP“ - Ruhe.

Die Hip-Hop-Heartbeat-Tanzgruppe von Rico Montero und Reza Solhi ist eines von acht Projekten beim Kulturprogramm „You&Eye“ der Stadt Frankfurt. Seit Beginn des Schuljahrs machen 80 Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren mit. Sie kommen aus den Klassen sieben bis neun der Paul-Hindemith-Schule im Gallus. Dort ist der Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund und Eltern, die wenig verdienen und den Frankfurt-Pass bekommen, besonders hoch. Beim Kulturprogramm „You&Eye“ beteiligt sich auch die IGS Herder im Ostend, die als Kulturschule gilt und mit zahlreichen Kulturinstitutionen zusammenarbeitet. 

Einmal in der Woche fahren die Schüler ins Atelier Frankfurt, wo die Stadt zwei Ateliers gemietet hat. Sie tanzen, malen, singen, schreiben, sitzen auf Kissen, plaudern übers Leben. „Die Gespräche bleiben natürlich im geschützten Raum“, sagt die Künstlerin und Pädagogin Angelika von der Schulenburg, die gemeinsam mit Marisa Grundmann ein weiteres Projekt leitet. „Wir haben das Liebieghaus und das Städelmuseum besucht. Die Schüler haben sich Figuren ausgesucht und damit gearbeitet“, sagt sie. Bei der Ausstellung von William Kentridge im Liebieghaus hätten sich die Schüler und Schülerinnen gerade nicht in den Räumen mit den bewegten Klang- und Videoinstallationen aufgehalten, sondern in stillen Räumen im Museum.

Auf den Bildern, die die Jugendlichen unter Anleitung der Künstlerinnen gemalt haben, ist oft das Motiv der Mutter Maria zu sehen. „Die Figur der Mutter hat die Jugendlichen beschäftigt“, sagt Schulenburg, und deutet an, dass einige in Familien aufwachwsen, die zerbrochen sind. Auch mit Anselm Kiefers „Kunersdorf“ aus dem Städelmuseum haben sich Schüler auseinandergesetzt - die bleigraue Platte mit dem Foto eines einsamen Menschen ist als Motiv zu erkennen. „Einsamkeit, Ängste, das Leben an sich, das beschäftigt die jungen Menschen“, sagt Schulenburg. Sie sieht sich auch als Kunstvermittlerin. Aus der Gruppe mit 13 Schüler habe zuvor nur einer das Städelmuseum und das Liebieghaus besucht. 

Ende Januar soll „You&Eye“ evaluiert werden. Positive Rückmeldungen gebe schon jetzt, sagt Antje Runge, Referentin im Kulturdezernat von Ina Hartwig (SPD). 135 000 Euro wurden fürs Programm bereitgestellt. „Wir stellen in Aussicht, dass es im nächsten Jahr weitergehen kann“, sagt Runge. „Wollt ihr denn, dass das Programm weitergeht“, fragt Hartwig die Schüler. - „Jaaa!“

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