Auf dem Gelände des abgerissenen AfE-Turms entstehen zwei neue Hochhäuser.
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Auf dem Gelände des abgerissenen AfE-Turms entstehen zwei neue Hochhäuser.

Abriss von AfE-Turm

Kulturcampus verzögert sich

Wo vor drei Jahren der Uni-Turm innerhalb von Sekunden in sich zusammensackte, entsteht ein noch höheres "Hybridhochhaus" mit Hundewaschstraße. Aber wo bleibt die Kultur auf dem Frankfurter Kulturcampus?

Nie zuvor war in Europa ein höheres Haus gesprengt worden: Der 116 Meter hohe AfE-Turm, jahrzehntelanges Uni-Domizil der Gesellschaftswissenschaften, war am 3. Februar 2014 auf einen Schlag Geschichte. Danach tat sich auf dem fast 10 000 Quadratmeter großen Grundstück im Süden des geplanten Kulturcampus lange nicht viel. Seit einigen Wochen werden ein 140 Meter hohes Hochhaus und ein sechsstöckiges Bürogebäude gebaut. Ein 100 Meter hoher Turm und eine Kita sollen folgen. Doch wo ist die Kultur?

Als Nukleus für den Kulturcampus gilt die einzige Musikhochschule des Landes. Für ihren Neubau auf dem Campus hat die schwarz-grüne Landesregierung ab 2021 rund 100 Millionen Euro zugesagt. Wie viel Platz auf dem 17 Hektar großen Areal dann noch für Kultur ist, stehe erst fest, wenn das Land den Flächenbedarf für die Musikhochschule definiert habe, sagt der Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG, Frank Junker. Wann das so weit ist, lässt sich aber noch nicht absehen: Es müssten noch viele Punkte geklärt werden, sagt der Sprecher des Wissenschaftsministeriums, Christopher Schlein.

Der sich verzögernde Abzug der Uni von dem Filetstück zwischen Messe und Westend lähmt zudem die Planungen. Als die Stadt Frankfurt 2011 für rund 70 Millionen Euro das Uni-Areal vom Land gekauft hat, sollte der Umzug vom Stadtteil Bockenheim auf den Campus Westend noch 2014 abgeschlossen sein, sagt Junker. "Jetzt ist von Ende 2021 die Rede."
"Wir wünschen uns mehr Dynamik", sagt der Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Volker Mosbrugger. "Ein Commitment (Selbstverpflichtung) wäre schön, was erreicht werden soll." Mosbrugger will Naturwissenschaft mit Kultur verbinden. Senckenberg organisiere schon jetzt Kulturveranstaltungen, um diese Trennung aufzulösen. Senckenberg ist Vorreiter auf dem Kulturcampus: Der größte Umbau des Forschungsinstituts in seiner 200-jährigen Geschichte soll spätestens 2018 fertig sein. Der Umbau des weit über Hessen hinaus bekannten Museums wird allerdings wohl etwas länger dauern als bis 2020, wie ursprünglich geplant. 56 Millionen Euro sollen dafür von Spendern aufgebracht werden; rund 14 Millionen Euro sind bislang zugesagt.

Für die Einrichtungen der Hochkultur, die für den Kulturcampus in Frage kämen, seien erst einmal Lösungen gefunden worden, sagt die Sprecherin des Frankfurter Kulturdezernats, Antje Runge. Die neuen Dezernenten für Kultur, Ina Hartwig, und Planung, Mike Josef (beide SPD), arbeiteten derzeit jedoch an einer Perspektive für die Kultur auf dem Kulturcampus. Ein "Haus der offenen Kulturen" im ehemaligen Studierendenhaus sei zudem im Koalitionsvertrag festgeschrieben.

Welche Einrichtungen kämen überhaupt in Frage? Mehrere Institutionen haben sich im "Forum Kulturcampus" zusammengeschlossen: Außer Senckenberg, der Musikochschule und dem bereits am Campus ansässigen Institut für Sozialforschung sind das das Ensemble Modern, das Frankfurt LAB, die Forsythe Ballett-Company, die Junge Deutsche Philharmonie, die Hessische Theaterakademie und das Hindemith Institut.

Die Entwicklung des Kulturcampus - auf dem auch rund 1200 Wohnungen, Büros, Geschäfte, Gaststätten und Grün geplant sind - konzentriert sich derzeit auf den Süden nahe der Messe - das ehemalige AfE-Areal. "OneForty West" heißt der luxuriöse 140 Meter hohe "Hybridturm", der dort bis Ende 2019 in den Himmel wachsen soll. Die ersten 15 von 40 Etagen sind für ein spanisches Vier-Sterne-Hotel reserviert, es folgen drei Etagen mit Service-Appartements und in den oberen Stockwerken bis zu 300 exklusive Wohnungen. Wer in dem Turm wohnt, kann auch den Service des Hotels in Anspruch nehmen, darunter etwa eine Hundewaschstraße. Richtfest soll im ersten Quartal 2019 sein.

Bis dahin solle auch das sechsstöckige Bürohochhaus samt gemeinsamer Tiefgarage fertig sein, sagt David Groß von der zuständigen Grundstücksentwicklungsgesellschaft Groß & Partner. Die Kita baut die ABG. Die Verhandlungen über den Bau des 100 Meter hohen Büroturms, der das Ensemble vervollständigen soll, seien noch nicht abgeschlossen, sagt Junker.

Die 238 Appartements für Studenten und andere junge Menschen im ehemaligen Philosophicum sind fertig und voll belegt. Ein Café und eine Kita ziehen noch ein. 35 der 238 Appartements sind öffentlich gefördert und kosten 350 Euro warm, wie Monika Wagner vom Betreiber "The Flag" sagt. Für die anderen müssen je nach Größe mindestens 490 Euro plus 130 Euro Nebenkosten bezahlt werden. Die kleinsten sind 21 Quadratmeter groß.

Dramaturg Tim Schuster, der seit sieben Jahren der Initiative für das offene Haus der Kulturen angehört, bedauert, der Kulturcampus sei bislang vor allem eine Privatisierung öffentlicher Flächen. Allerdings gebe es auch positive Zeichen. Neben der geplanten Musikhochschule nennt er Initiativen mit den rund 140 Flüchtlingen, die in der alten Mensa auf dem Campus mindestens bis Ende 2018 untergebracht sind sowie das offene Haus der Kulturen. "Da ist Bewegung drin." (dpa/lhe)

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