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Blick über den alten Campus auf das Juridicum: Dieses alte Hochhaus wird der neuen Musikhochschule weichen.

Studie

"Künstlerkolonie des 21. Jahrhunderts"

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Stadt und Land legen eine Machbarkeitsstudie für den Kulturcampus vor.

Die Herbstsonne taucht selbst den Betonklotz des Juridicums in ein günstiges Licht. Und den beteiligten Politikern fließt ob der Bedeutung des Geschehens das Herz über. „Der Kulturcampus wird die Künstlerkolonie des 21. Jahrhunderts“, schwärmt Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Und der scheidende hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein (CDU), sagt dem künftigen Stadtviertel eine „internationale Ausstrahlung wie das Frankfurter Museumsufer“ voraus.

Es sind die nüchternen Worte „gemeinsame Machbarkeitsstudie“, die solchen Emotionen zugrunde liegen. Das Land Hessen und die Stadt Frankfurt haben sich in dieser Expertise über die Aufteilung des alten Frankfurter Universitäts-Campus in Bockenheim verständigt. In einem Plan, erstellt vom Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen, nimmt der künftige Kulturcampus Gestalt an. Die Studie hat ergeben: Die neue Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) und das von der Stadt gewünschte „Zentrum der Künste“ können auf dem 17 Hektar großen Areal rund um die Bockenheimer Warte gemeinsam untergebracht werden.

Das „Zentrum der Künste“

Das Geheimnis dieses Miteinanders ist die Aufteilung des „Zentrums der Künste“. Ein erster Teil entsteht auf dem heutigen freien Grundstück neben dem Bockenheimer Depot – und zwar in Form eines dreieckigen Tortenstücks. Der zweite Teil kann südlich der Bockenheimer Landstraße gebaut werden. Daneben, auf dem Eckgrundstück Bockenheimer Landstraße/Senckenberganlage, wird die neue Musikhochschule ihren Auftritt erleben.

Südlich davon schließt sich ein kleines Wohnquartier mit etwa 130 Wohnungen an.

Die größte Nutzfläche wird mit 30 000 Quadratmetern für die neue Hochschule reserviert. Das „Zentrum der Künste“ bekommt 16 800 Quadratmeter. Davon entfallen südlich der Bockenheimer Landstraße auf das Frankfurt LAB rund 5700 Quadratmeter.

Den Rest von 11 100 Quadratmetern teilen sich in dem nördlichen Bau in Form eines Tortenstücks die Dresden Frankfurt Dance Company, das Ensemble Modern, die Junge Deutsche Philharmonie und andere Kulturinstitutionen.

Es ist ein langer Weg, der bis zu dieser Verständigung von Stadt und Land zurückgelegt wurde. Im Jahre 2010 hatte der städtische Wohnungskonzern ABG das Gesamt-Grundstück des Campus vom Land Hessen erworben. Damals war die Hoffnung der seinerzeitigen Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) und des ABG-Chefs Frank Junker: 2016 ist der Kulturcampus vollendet.

Doch es kam anders. Die Johann-Wolfgang-Goethe-Universität hat ihren alten Campus noch immer nicht vollständig geräumt. Das Hochhaus des alten Juridicums, in dem Minister Rhein studierte, ist noch immer nicht geleert. Auch andere Teile des alten Campus, wie das Studierendenhaus, sind noch in Gebrauch.

Minister Rhein erklärt die Verzögerung mit dem ungeheuren „Studierendenzuwachs“, den die Universität seither erfahren habe. Um 15 000 junge Menschen auf fast 50 000 habe sich die Universität vergrößert.

Als neuen Termin für die endgültige Räumung des alten Campus nennt Rhein jetzt vorsichtig die Jahre 2021/2022. In der Vergangenheit haben sich diese Daten stets weiter verschoben, weil der neue Campus im Westend nicht schnell genug wächst. Noch in dieser Woche wird Rhein im Westend den ersten Spatenstich für den Neubau der Sprach- und Kulturwissenschaften vornehmen: Die können dann später auch von Bockenheim ins Westend umziehen.

Zur Abrundung des Kulturcampus in Bockenheim hat das Land Hessen bereits 70 Millionen Euro in die Erweiterung des Senckenberg-Instituts investiert. Die Senckenberger bezogen schon das renovierte alte Hauptgebäude des alten Bockenheimer Campus – der während der Revolte 1968 vorübergehend in „Karl-Marx-Universität“ umgetauft worden war.

Das Land Hessen drückt aufs Tempo

Weitere 45 Millionen Euro gibt das Land, damit die alte Dondorfsche Druckerei hinter dem Bockenheimer Depot für die Zwecke des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik umgebaut werden kann. Was aber tut die Stadt Frankfurt, damit das „Zentrum der Künste“ entstehen kann? Auf diese Frage der FR gibt sich die Kulturdezernentin, die eben noch die Künstlerkolonie Worpswede in den schönsten Farben heraufbeschworen hatte, plötzlich wortkarg. „Es ist noch zu früh, das zu sagen“, erklärt sie – und bekräftigt auf Nachfrage: „Für eine Summe ist es noch zu früh.“

Tatsächlich hat sich die Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen noch nicht mit der Tatsache beschäftigt, dass die Stadt in das „Zentrum der Künste“ investieren muss. Alleine können die beteiligten Kulturinstitute das Projekt unmöglich verwirklichen.

Die Zeit drängt. Das Land Hessen drückt aufs Tempo. Aber auch ABG-Chef Frank Junker will „sehr zeitnah einen gemeinsamen Architektenwettbewerb“ für die neue Hochschule und das „Zentrum der Künste“. 2021, so Minister Rhein, könne Baubeginn sein.

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