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Eine Kinderzeichnung zum Thema Tod.

Kinder in Frankfurt

Mit Kindern über den Tod reden

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    Steven Micksch
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Das Frankfurter Kinderbüro hat ein Medienpaket entwickelt, das Pädagogen helfen soll, über die Themen Sterben und Trauer altersgerecht in Schulen zu sprechen.

Das blonde Mädchen sitzt auf einer Bank im Freien unter einem Baum. Damit ihr nicht kalt wird, hat sie eine Decke auf dem Schoß. Lisa, so der Name der Zwölfjährigen, erzählt von ihren Hobbys: Fußball, Tischtennis und Lesen. Als die Sprache auf ihre Schwester kommt und gefragt wird, wo sie sei, antwortet sie: „Heute ist sie jetzt im Himmel.“ Lisas Schwester starb an Mitochondriopathie – einer Stoffwechselerkrankung.

Die Szene mit dem blonden Mädchen stammt aus dem Dokumentarfilm „Drei Wünsche von Handloh“ von 2015. In einer neu geschnittenen Fassung wird der Film nun Teil eines Medienpakets sein, welches das Frankfurter Kinderbüro entwickelt hat. Mit diesem sollen Lehrer und Erzieher Kindern zwischen sechs und 14 Jahren einen schwierigen Themenkomplex näherbringen: Leben, Sterben und Abschied.

„Es ist ein tabuisiertes Thema“, sagt Thomas Ziegler vom Kinderbüro in Frankfurt. Das sieht auch Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) so. „Selbst gestandene Männer und Frauen weichen bei dem Thema aus“, sagt sie bei der Präsentation des Medienpakets im Haus am Dom am Mittwoch. „Meistens wollen sie Kinder vor der brutalen Realität schützen – aber das schafft eher Probleme.“ Denn die Kinder bleiben mit ihren Ängsten alleine.

In Schulen und Kinderzentren können die Pädagogen mit dem Medienpaket „Kindern Raum für ihre Fragen geben“, sagt Weber. „Daraus können sie gestärkt hervorgehen.“ Ziegler empfiehlt Pädagogen den Film als sinnvollen Einstieg in das Thema. „Man ist dann gleich im Gespräch, weil es Unmengen von Fragen nach dem Film gibt.“ Das zeigen Erfahrungen, die das Team bereits an ersten Schulen und Kinderzentren gesammelt hat.

Schatzkiste soll Kindern in schwierigen Zeiten helfen

Zum Beispiel am Adorno-Gymnasium. Lehrer Norbert Wenderdel hat mit dem Medienpaket das Thema Leben und Sterben in einer sechsten Klasse im Religionsunterricht angepackt. „Die Schüler verknüpfen ihre eigenen Erfahrungen mit denen der Kinder im Film“, sagt er. Eigenes Verhalten werde so reflektiert – denn „der Tod ist einer der elementarsten Anlässe, das zu tun“. Aber die Schüler haben etwa auch in Schatzkisten Dinge hineingelegt, die in schwierigen Zeiten helfen. Oder Emotionslandkarten gezeichnet. „Das Paket bringt Kinder dazu, im Tun Antworten zu finden“, sagt Wenderdel.

Dass das Paket notwendig ist, steht für Ziegler außer Frage. „Jeder wird in seinem Leben mit Tod und Abschied konfrontiert. Es ist gerade bei belastenden Themen wichtig, Kindern zu vermitteln, dass man sie ernst nimmt, dass gewisse Gefühlszustände ganz normal sind und dass sie ehrliche Antworten bekommen werden“, sagt er. Sie seien offener bei solchen Themen, als viele Erwachsene sich oft vorstellen könnten.

Dass es Eltern geben werde, die Vorbehalte gegen die Behandlung des Themas in Kita und Grundschule haben, ist Ziegler klar. Dann müssten die Pädagogen vermitteln und mit den Eltern sprechen. Denn die Erzieher und Lehrer seien es, die sich Hilfe zu dem Thema am meisten gewünscht hätten. Oft kommen Kinder und erzählen vom Tod des Haustieres oder einem Großelternteil. Mit dem Medienpaket hätten die Pädagogen nun etwas an der Hand, mit dem sie das Thema angehen können.

Neben dem Film umfasst das Paket auch einen Mitmach-Comic und ein Handbuch. Auf der Internetseite gibt es eine Mediathek mit weiteren Inhalten und Links zu Beratungsstellen. Im Handbuch haben sich beispielsweise auch eine Theologin, ein Arzt und eine Expertin vom Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst dem Thema angenähert. Methodische Beispiele helfen den Pädagogen bei der Bearbeitung.

Dass das Thema auf Interesse stößt, hat der Fachtag zum Medienpaket am Dienstag im Haus am Dom gezeigt. Für 80 Plätze gab es mehr als 200 Anmeldungen. „Wir haben einen Nerv getroffen“, sagt Ziegler.

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