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Aydin Ucar vom Türkischen Volkshaus legt Blumen nieder.

Brandanschlag von Solingen

„Kette der Gewalt bricht nicht ab“

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Auf dem Hülya-Platz wird an den Brandanschlag von Solingen erinnert. Mehrere Redner weisen dabei darauf hin, dass Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auch gegenwärtig ihren festen Platz in der Gesellschaft haben.

Um der Opfer des Brandanschlages von Solingen zu gedenken, haben sich am Freitagabend, dem 22. Jahrestag der rassistisch motivierten Anschläge, etwa 40 Menschen auf dem Bockenheimer Hülya-Platz versammelt. Wie schon zu den vergangenen Jahrestagen, hatte das türkische Volkshaus zur Gedenkveranstaltung an dem Ort aufgerufen. Namenspatronin des Hülya-Platzes, auf dem vor 20 Jahren in Reaktion auf den Brandanschlag ein antirassistisches Mahnmal aufgestellt wurde, ist Hülya Genç. Das Mädchen war beim Anschlag 1993 eines der fünf Opfer. Sie wäre heute 31 Jahre alt.

Als sie damals starb, war sie fünf – ebenso alt wie der Bruder von Semiha Öz, die bei der gestrigen Gedenkveranstaltung dabei gewesen ist. Die Anschläge hätten sie damals sehr beschäftigt, erklärte die heute 35-Jährige. Sie habe damals in Freudenstadt (Baden-Württemberg) gewohnt, sei erst im Jahr zuvor aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Immer wieder sei sie nach dem Anschlag nachts aufgewacht, sich sogleich vergewissernd, dass es in ihrem Haus nicht brenne, berichtete sie.

Damals hätten sie in der Schule gerade die Zeit des Nationalsozialismus behandelt. „Als Vergangenheit wurde es uns damals beigebracht, und dann passierte so etwas in der Gegenwart“, erinnerte sie sich. Es sei schlimm, dass auch die heutigen Gegenwart nicht anders aussehe.

„Eine Wunde, die nicht verheilt“

Das Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auch gegenwärtig ihren festen Platz in der Gesellschaft haben, betonten weitere Redner bei der kleinen Veranstaltung. Gekommen war auch Enis Gülegen, Vorsitzende der hessischen Ausländerbeiräte. „Die Morde in Solingen sind eine Wunde, die nicht verheilt“, sagte er in seiner Rede. „Sie wird immer wieder aufgerissen, weil wir feststellen müssen, dass die Kette der Gewalt gegenüber Migranten in unserem Land nicht abbricht“. Gülegen erinnerte in diesem Zusammenhang an die Brandanschläge auf Asylbewerberheime und Flüchtlingsunterkünfte der vergangenen Monate sowie an die Morde der terroristischen Gruppe NSU.

„Wer kann ernsthaft vor einer Islamisierung Angst haben, wenn jahrelang eine rechtsradikale Mörderbande durch Deutschland zieht und Menschen hinrichtet“, sagte der Landtagsabgeordnete Turgut Yüksel (SPD) bei der Veranstaltung mit Bezug auf NSU und Pegida-Proteste. „Wir müssen verhindern, dass das gesellschaftliche Klima ein weiteres Mal mit rassistischem Gedankengut vergiftet wird“, betonte er.

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