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Frankfurter Schulgärten tischen auf.

Klimaschutz

Kartoffeln für die Umwelt

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Die Klimagourmet-Woche beginnt ganz im Zeichen der Knolle.

Nanu? Hat die Eintracht schon wieder einen Pokal gewonnen? Nein – diesmal sind es Kinder, die am Donnerstag den Römerberg füllen, viele Kinder mit tollen Ideen für den Klimaschutz. Diesmal gewinnt die Umwelt. 

Es ist der offizielle Auftakt zur Klimagourmet-Woche, der fünften schon in Frankfurt. Bis zum 23. September steht gesunde Ernährung im Mittelpunkt: gesund für Menschen und für die Natur. Beim Klimagourmet geht es zum Beispiel darum, Sachen zu essen, die in der Nähe wachsen. Dann muss man sie nicht so weit transportieren und dann pusten Lastwagen weniger Gift in die Luft.

Kinder aus der Seckbacher Zentgrafenschule haben Kartoffelbrot im Angebot und informieren auf Schautafeln, was man alles aus Kartoffeln machen kann. Was gibt’s gegenüber bei der Klimawerkstatt Ginnheim? Kartoffeln. „Es ist halt gerade die Zeit für Kartoffeln“, sagt Sybille Fuchs und lacht. Am Dienstag ist sie mit den Kindern der Diesterwegschule nach Steinbach gefahren zur frisch gegründeten Genossenschaft „Die Kooperative“ für solidarische Landwirtschaft, und da haben alle zusammen Kartoffeln eingesammelt. „Solche Ernteerlebnisse verwurzeln die Leute“, sagt Fuchs. „Man findet etwas, man kann was ausgraben und nach Hause tragen.“ Oder auf den Römerberg, und man kann es sogar essen. Dazu später mehr. 

Jetzt erst mal zur Heinrich-Seliger-Schule. Da lernen die „Klimagourmet Kids“, die so heißen, weil sie am Programm für die Jüngsten teilnehmen. Nakissa, Flora und Jule, alle neun Jahre alt, sind komplett im Thema drin. „Fair Trade ist ein Zeichen dafür, dass die Bauern anständig bezahlt werden“, so Nakissa. „Und dass Kinder auch noch zur Schule gehen dürfen, wenn sie über zwölf Jahre alt sind“, sagt Flora, „und nicht schon arbeiten müssen.“ Jule zeigt ein Memoryspiel: „Da muss man sagen, welche Verpackungen besser sind für die Umwelt.“ Joghurt als Plastikbechern oder aus Gläsern etwa. 

Für die vorbildliche Arbeit erhält die Heinrich-Seliger-Schule den Klimagourmet-Sonderpreis: einen Besuch des Grüne-Soße-Theaters mit dem Stück „Kartoffelsupp“. Ein schöner Erfolg für die Grundschule am Dornbusch, die schon Lehrerinnen hervorbrachte, die später Bundesverdienstkreuze erhielten, und Schüler, die später FR-Redakteure wurden. Preise für die beste Standpräsentation gehen an die Goldsteinschule und ihr Kartoffelprojekt (ein Tag auf dem Dottenfelder Hof) sowie an die Ernst-Reuter-Schule II und ihr Hühnerprojekt (Klima-Kochkurs).
Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) ist beeindruckt vom bunten Bild aus Ständen, die die 500 Kinder, ihre Lehrer und Eltern im Herzen der Altstadt aufgebaut haben. Die Aktion zeige auch, „dass Kinder und Jugendliche an Menschen denken, die nicht genügend zu essen haben und hungern“, sagt sie. 

Ihre Kollegin Rosemarie Heilig (Grüne) aus dem Umweltressort erläutert den großen Zusammenhang. „Was hat Essen mit Klimaschutz zu tun“, fragt sie rhetorisch. „Wir wollen Kinder und Eltern animieren zu überlegen: Was essen wir wann?“ Da geht es besonders um das Prinzip der saisonalen Ernährung: Muss ich Erdbeeren und Tomaten zu Weihnachten haben? Wer klimafreundlich denke, müsse das eben nicht, sagt Heilig, und der komme auch mit zwei Mal Fleisch oder Wurst pro Woche aus: „Das kann jeder machen.“

Der Auftakt zur Klimagourmet-Woche zeigt, mit welcher Begeisterung die Kinder ihre Schulgärten bewirtschaften, angelegt meist mit Hilfe des Vereins Umweltlernen, eines der 40 Partner im Klimagourmet-Netzwerk. Das Frankfurter Energiereferat als Veranstalter hat seine Klimagourmet-Ausstellung um eine elfte Station erweitert. Es geht um Verschwendung: Wer schmeißt die meisten Lebensmittel weg? Wir verraten’s schon mal: private Verbraucher – also wir. Von insgesamt 11 Millionen Tonnen jährlich werfen wir 6,7 Millionen in den Müll, obwohl mehr als die Hälfte noch essbar wäre, sagt Paul Fay vom Energiereferat. 

Es gibt also noch viel zu tun. Es gibt aber auch jede Menge gute Hinweise, womit man anfangen kann: in der Klimagourmet-Woche mit Filmen, Vorträgen und vielen Mitmachangeboten. Jetzt wird aber erst mal gekocht. Was gibt’s? Kartoffelsuppe natürlich. 

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