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Ihn zieht es nach Wiesbaden: der Grüne Manuel Stock.

Manuel Stock

"Ich will nicht immer Berufspolitiker sein"

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Der Fraktionschef der Grünen, Manuel Stock, verlässt den Römer ? im FR-Interview zieht er Bilanz.

Paukenschlag im Römer: Manuel Stock, seit sieben Jahren Fraktionschef der Grünen, gibt sein Mandat als Stadtverordneter zum 1. Februar auf. Der 36-Jährige wird Büroleiter der neuen hessischen Wissenschaftsministerin Angela Dorn.

Herr Stock, vom Fraktionschef und -geschäftsführer zum Büroleiter im Wissenschaftsministerium – ist das ein Karrieresprung?
Sicher kein klassischer. Aber als Angela Dorn mich anrief und mir den Job anbot, wusste ich sofort: Das ist das Richtige. Für mich ist es an der Zeit, etwas Neues zu machen – nach über 16 Jahren im Stadtparlament und sieben Jahren als Fraktionsvorsitzender. Ich habe immer gesagt, ich will nicht mein Leben lang Berufspolitiker sein.
 
Was qualifiziert Sie denn für den Job in Wiesbaden?

Nach meinem Studium war ich Referent für Bildung und Wissenschaft der Landtagsfraktion. Angela Dorn war damals im Wissenschaftsausschuss. Ich will mein politisch strategisches Können einbringen. Im Koalitionsvertrag finden sich viele grüne Ziele – etwa eine starke Grundfinanzierung der Hochschulen. Und Kunst und Kultur sind ohnehin immer schon wichtige politische Themen für mich gewesen.

Ist es für Sie keine Option, nebenbei Stadtverordneter zu bleiben?
Nein. Ich will einen klaren Schnitt. Ich habe eine leitende Funktion im Ministerium, die möchte ich zu 150 Prozent ausfüllen. Da kann ich nicht nebenbei in Frankfurt Politik machen. Zumal es auch zeitlich gar nicht geht. Die Entscheidung, meinen Job aufzugeben, ist mir aber nicht leicht gefallen. Ich bin Frankfurter Bub und leidenschaftlicher Parlamentarier. Ich verlasse den Römer nicht aus Frust, um das klar zu sagen.

Aber nehmen wir mal an, die Wahl 2016 wäre nicht dazwischengekommen, die Grünen wären immer noch als 25-Prozent-Partei im Römer vertreten, stellten vier Dezernenten und müssten sich nur in einer Zweierkoalition mit der CDU besprechen – dann würden Sie nicht gehen, oder?
Doch. Meine Entscheidung hat nichts mit der Situation im Römer zu tun. Zumal wir die schwierigen Zeiten im Jahr 2016 überwunden haben. Die Grünen gewinnen deutlich an Mitgliedern, wir haben viele Themen durchsetzen können wie Tempo 30 bei Nacht auf der Nibelungenallee, mehr Geld für die Freie Kultur- und Theaterszene und eine Ausweitung des Grüngürtels. Und die Koalition aus CDU, SPD und uns arbeitet mittlerweile auch viel geräuschloser als zu Beginn der Legislaturperiode.

In den ersten zweieinhalb Jahren war die Zusammenarbeit aber ein ständiger Streit.
Ich finde, man kann Konflikte auch öffentlich austragen. Das haben wir in der Koalition mit der CDU vielleicht etwas zu selten getan. In der neuen Konstellation haben wir aber zu viele Streitereien nach außen getragen. Das verstehen die Menschen einfach nicht. Wir haben es aber bei der Koalitionsklausur in Bad Nauheim geschafft, ein Paket zu schnüren, auf dem wir aufbauen können. Deshalb hoffe ich, dass die Koalition in Zukunft ruhiger arbeiten kann.

Fremdeln CDU und Grüne immer noch mit der SPD?
Es geht gar nicht so sehr um die SPD. Wenn ein Partner dazustößt, der aus der Opposition kommt, ist das immer schwierig. Und es ist auch kein Geheimnis, dass das Verhalten des Oberbürgermeisters oft für Konflikte sorgt. Aber ich denke, die drei Parteien haben sich zusammengerauft, und man muss ja auch nicht jede Aktion des OB öffentlich kommentieren, sondern kann sich auch mal denken: Jeder blamiert sich so gut, wie er kann.
Bei welchem Thema haben Sie sich das zuletzt gedacht?
Bei der Posse um den Hauptstadtbeauftragten.

War die Wahl 2016, der Absturz von 25 auf 15 Prozent, eine Zäsur für die Grünen?
Das war die schwierigste Zeit für die Grünen in Frankfurt. Wir hatten damals Politik mit Vernunft und Leidenschaft gemacht, haben aber unsere Visionen für die Stadt nicht deutlich genug aufgezeigt. Das können wir jetzt besser.

Damals mussten Sie zwei Ihrer Dezernenten abwählen: nämlich Sarah Sorge und Olaf Cunitz. Wie schwer ist Ihnen das gefallen?
Das war der schwerste Moment in meinem bisherigen politischen Leben. Es war damals übrigens längst nicht so klar, dass wir in die Koalition gehen, wie es jetzt oft dargestellt wird. CDU und SPD hatten uns diktiert, welche Ressorts wir bekommen. Das war sehr schwer zu akzeptieren. Ich erwarte, die beiden Parteien werden das in künftigen Koalitionsverhandlungen, egal mit wem, anders machen.

Welche Themen sollten die Grünen in den zweiten Hälfte der Legislaturperiode angehen?
Bei einem Abschied sollte man keine Tipps geben. Ich finde es gut, dass wir die Frage, wie wir Alleinerziehende und ihre Kinder besser unterstützen, in den Fokus gerückt haben. Und mit dem Klimawandel und der dringend notwendigen Verkehrswende stehen zwei originär grüne Themen auf der Tagesordnung.

Herr Stock, vor fünf Jahren sagten Sie in einer Halbzeitbilanz der damaligen Koalition: „Schwarz-Grün tut Frankfurt gut“. Den Satz hat die FR sehr oft aufgegriffen, vor allem in der Glosse „Römerbriefe“. Deshalb zum Abschied: Schwarz-Rot-Grün tut ...
Heute würde ich sagen: Viel Grün tut Frankfurt gut. Wir konnten auch in der neuen Koalition Frankfurt grüner, gerechter und vielfältiger machen.

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