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Neues Ziel Mediatorin: Alix Puhl, Stadtelternbeirätin, kandidiert nicht erneut.

Schulen in Frankfurt

"Ich habe mir genug blaue Augen geholt"

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Die Frankfurter Stadtelternbeirätin Alix Puhl will nicht mehr weitermachen. Im Kampf um die Schulen habe sie sich zu oft blaue Augen geholt.

Frau Puhl, nach sechs Jahren im Vorstand des Stadtelternbeirats kandidieren Sie am Samstag nicht erneut für das Gremium. Wird man in Schulämtern, Dezernaten und Ministerien aufatmen?
Wenn die dort nicht gescheit arbeiten, dann muss einer sie darauf hinweisen. Ich hoffe, dass mein Nachfolger oder meine Nachfolgerin sich auch schnell einen guten Namen macht, vor dem man zittert.

Sie sind in der Zeit zur Schulexpertin geworden. Warum hören Sie nun auf?
Ich habe es meiner Familie versprochen. Dazu kommt: Man hat irgendwann ein Problem schon zehnmal gehört und meint, es nicht mehr lösen zu können. Es ist wichtig, dass jemand Neues drangeht, der sich nicht schon zehnmal ein blaues Auge geholt hat. Vielleicht klappt es ja beim elften Mal.

Wo haben Sie sich denn ein blaues Auge geholt?
Wir haben nicht erreicht, dass Schulgründungen früher geschehen. Es gibt nun welche, das ist gut, die brauchen wir. Aber auch dieses Jahr kommen erste Informationen über die neuen Schulen erst Ende Januar raus. Da habe ich kein Verständnis für. Es ist so eindeutig, dass Eltern früher Infos brauchen, um sich für die Schule zu entscheiden.

Geht es den Frankfurter Schulen besser als vor sechs Jahren?
Ja und nein. Die Schulen, die saniert worden sind, denen geht es etwas besser. Aber Lehrer sind stärker belastet. Es sind so viel neue Themen wie Inklusion und Integration hinzugekommen – und dafür kommt zu wenig Unterstützung. Es gibt so kleine Lichtblicke wie Schulkrankenschwestern. Oder mehr Schulsozialarbeit. 70 neue Stellen sind angekündigt, aber das ist eine halbe Stelle pro Schule. Das kann nur ein Anfang sein. Ich habe insgesamt Bauchschmerzen, wenn ich an die Zukunft der Schule denke: Wenn ich einen Blick in die Arbeitswelt werfe, dann weiß ich nicht, ob unsere Kinder noch richtig ausgebildet werden.

Woran fehlt es denn?
Durch die Digitalisierung verändert sich viel. Es reicht nicht, den Kindern zu erklären, wie Powerpoint funktioniert. Sie müssen lernen, Fake News zu erkennen, Sachen einzuordnen. An den Schulen findet in der Richtung aber bisher nichts statt. Das muss Teil der Bildung sein. Als Stadtelternbeirat haben wir Mediencoaches eingeführt: Eltern sollen Ansprechpartner für Medienerziehung an ihren Schulen sein. Wir können nicht warten. Aber nur gemeinsam mit den Schulen kommen wir da voran.

Sie haben drei Bildungsdezernentinnen miterlebt. Macht das einen großen Unterschied bei der Arbeit?
Das macht einen riesigen Unterschied. Zum Beispiel bei der Bereitschaft, zuzuhören. Das haben wir in der Zeit von Frau Sorge nicht so erfahren. Da haben wir auch mal drei Monate oder länger auf einen Termin gewartet. Bei Frau Weber haben wir jetzt aber das Gefühl, dass uns zugehört wird. Da werden Dinge angegangen, und es wird nichts unter den Teppich gekehrt. Bei Frau Ebeling muss insgesamt der Schwerpunkt ein anderer gewesen sein.

Wo lag er denn?
Bei Sanierungen auf jeden Fall nicht. Nur weil Eltern Wände gestrichen haben, sehen manche Gebäude gepflegter aus, als sie sind. Und Sanierungsgelder, die dann unter Frau Sorge eingestellt wurden, wurden nicht ausgegeben. Bei manchen Themen steht man daneben und denkt: Das kann doch alles nicht sein. Wenn man weiß, es kommen mehr Schüler, muss man neue Schulen gründen, dann muss man Toiletten häufiger reinigen. Und was ich mir echt wünsche: Im Bildungsausschuss muss es wieder eine Diskussion geben. Die fehlt, seit es die Koalition aus CDU, SPD und Grünen gibt. Wie sieht etwa Ganztagsschule aus? Wir brauchen einen Konsens darüber, was Bildung ist. Ist Rechtschreibung wichtig? Wenn ja, dann muss dem nachgegangen werden. Jede Schule wurschtelt in vielem vor sich hin.

Was machen Sie nun nach Ihrer Zeit im Stadtelternbeirat?
Ich fange eine Ausbildung zur Mediatorin an.

Was wollen sie damit machen?
Weiß ich noch nicht. Aber es gibt viel Konfliktpotenzial in Kollegien etwa. Oder zwischen Schulleitung und Trägern von Ganztagsangeboten – da kann man sehr viel Mediation machen.

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