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Blick auf die Ackerflächen beidseits der A5, die bebaut werden sollen. Rechts sieht man eine der großen Stromtrassen.

Stadtentwicklung

Hindernisse für den geplanten neuen Stadtteil

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Geht es nach dem Landesentwicklungsplan, so sollen die Agrarflächen im Frankfurter Norden geschützt werden. Auch der vorgeschriebene Abstand zu Stromtrassen bereitet Probleme.

Für den im Frankfurter Norden geplanten neuen Stadtteil mit 30.000 Menschen tauchen große Hindernisse auf. Sie sind im neuen Landesentwicklungsplan (LEP) verborgen, den die hessische Landesregierung bis Ende 2017 beschließen will. Die Stadt Frankfurt hat deshalb in einer umfangreichen Stellungnahme in wichtigen Punkten Widerspruch zur Fortschreibung des LEP eingelegt – ob der jedoch Gehör findet, ist völlig offen.

Am Montagabend im Römer-Planungsausschuss stellte Alexander Rademacher vom Stadtplanungsamt die wesentlichen Konfliktpunkte vor. Der neue Stadtteil soll beidseits der Autobahn A5 auf der Gemarkung von Praunheim und Niederursel und bis nach Steinbach hin errichtet werden. Bei den dafür benötigten Grundstücken handelt es sich vorwiegend um Ackerflächen, zum Teil auch um Landschaftsschutzgebiete.

Landwirtschaft oder Wohnraum?

Genau diese Landwirtschaft will der neue Landesentwicklungsplan jetzt schützen. „Weite Teile des nördlichen Stadtgebietes von Frankfurt werden im neuen Landesentwicklungsplan als agrarischer Vorzugsraum definiert“, sagte Rademacher. Das heißt: Der Landwirtschaft soll dort Vorrang vor anderen Nutzungen eingeräumt werden.

Dem habe die Stadt in ihrer Stellungnahme widersprochen. „Wir vermissen Lösungen zur Bewältigung des Siedlungsdrucks“, sagte der Fachmann des Stadtplanungsamtes. Die Kommune fürchte zudem „eine zu starke Einschränkung bei der Bodenentwicklung.“ Der Landesentwicklungsplan gehe „einseitig ökologisch“ vor und sei deshalb „relativ unausgewogen“.

Besondere Sorge bereiten den Planern die neuen Vorschriften, die von der Landesregierung im Umgang mit Höchstspannungsleitungen vorgesehen sind. Bisher gibt es keinen vorgeschriebenen Abstand, den Wohnhäuser von diesen 380 Kilovolt-Stromtrassen einhalten müssen. Künftig will das Land die Überlandleitungen aber in einen Schutzkorridor von 400 Metern Breite einbetten. In diesem Bereich dürfen dann keine Wohnungen mehr gebaut werden.

Über die Flächen, die im Frankfurter Norden für den neuen Stadtteil vorgesehen sind, verlaufen zwei Höchstspannungsleitungen. Kommt der neue Schutzkorridor, würde er den Wohnungsbau erheblich einschränken.

Josef plant große Bürgerversammlung

Die Stellungnahme der Stadt zum Landesentwicklungsplan musste bis zum 31. Juli abgegeben werden. Die Stadtverordneten wurden also jetzt erst nachträglich informiert. Angesichts der Proteste und Bedenken gegen den neuen Stadtteil, die es jetzt schon im Frankfurter Norden, aber auch in Nachbarstädten wie Steinbach und Oberursel gibt, will Planungsdezernent Mike Josef (SPD) eine große Bürgerversammlung organisieren. Sie ist für Mittwoch, 27. September im alten Stadtwerke-Casino, Kurt-Schumacher-Straße 10 in Frankfurt, geplant.

Der Saal in dem Gebäude, in dem auch das Stadtplanungsamt untergebracht ist, fasst mehr als 400 Menschen. Planungsdezernent Josef will an diesem Tag ab 17.30 Uhr vor den Menschen für das neue Wohnen im Norden werben.

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