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Frohe Gesichter: Soheib Koka (2.v.l.) und Mohammad Nasser (3.v.l.) beginnen ab August eine Ausbildung und ein Studium.

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Ein Verein berät geflüchtete Menschen beim Start ins Berufsleben.

Soheib Koka erzählt von seinem Berufsleben in Syrien. Zehn Jahre ging er zur Schule, dann stieg er sofort in die Fabrik des Vaters mit ein. Eigentlich nicht das, was der Mann aus Aleppo als Traumberuf ansieht. Der Krieg zwang ihn schließlich zur Flucht. Erst in die Türkei, dann nach Deutschland. Hier lernte er Deutsch und erfuhr über Bekannte schließlich vom Kompetenzzentrum für berufliche Integration und Nachqualifizierung.

Kokas Geschichte ist eine von 217, die das Kompetenzzentrum der Walter-Kolb-Stiftung seit Projektbeginn vor einem Jahr erzählen kann. Fast alle haben ein gutes Ende, denn knapp 89 Prozent der Menschen, die Beratung suchten, konnten weitervermittelt werden.

„Die Quote ist extrem hoch“, konstatiert Bildungs- und Integrationsdezernentin Sylvia Weber (SPD). Sie ist gleichzeitig stellvertretende Vorsitzende der Walter-Kolb-Stiftung, die eigentlich ein Verein ist. „Unser Ziel ist es, die Barrieren für Geflüchtete abzumildern und die Integration voranzubringen“, sagt Weber.

Dafür hat der Verein jährlich etwa 300 000 Euro zur Verfügung. 200 000 steuert die Stadt bei, der Rest kommt von anderen Förderern – wie der Polytechnischen Gesellschaft, der Deutsche-Bank-Stiftung oder der Randstad-Stiftung. 

Auch Mohammad Nasser hat durch das Kompetenzzentrum eine Perspektive bekommen. Ab August beginnt der 25-Jährige ein Studium zum Maschinenbauer. In Syrien hatte er bereits acht Semester studiert. Sein großer Traum ist es, etwas zu erfinden, was die Menschen weiterbringt. „Ich will nicht einfach nur arbeiten“, sagt Nasser.

Marco Nickel, Leiter des Kompetenzzentrums, berichtet, dass alle Ratsuchenden freiwillig zur Beratung kommen. Eine Arbeitserlaubnis müssen die Geflüchteten unbedingt haben, damit die Beratung stattfinden kann. Oft würden sie von Freunden über die Möglichkeit der kostenfreien Beratung erfahren. Andere werden von IHK, HWK, Arbeitsagentur oder dem Quartiersmanagement auf das Zentrum hingewiesen. 

Rechtsfragen beantworten die zwei Mitarbeiter vor Ort nicht. Dafür nehmen sie sich aber gut 45 Minuten Zeit und helfen den Geflüchteten bei der Anerkennung von Abschlüssen, vermitteln Praktika, Ausbildungen und Studien oder erklären, wie das deutsche Ausbildungssystem funktioniert. Wer weitere Beratungsstunden benötigt, bekommt einen Verlaufsplan, in dem das weitere Vorgehen festgehalten wird.

Geöffnet hat das Kompetenzzentrum in der Braubachstraße 30-32 Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr.

Soheib Koka wird im August eine Ausbildung zum Karosseriebauer beginnen. „Dann hat er einen Chance auf dem Arbeitsmarkt“, zeigt sich Nickel zuversichtlich.

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