Nieder-Eschbach

Heimatverbundener Weltenbummler

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Frankfurts OB Peter Feldmann würdigt die Arbeit von Karl-Heinz Bickel. Der Mitbegründer der Partnerschaft mit Deuil-la-Barre erhält Ehrenbrief des Landes Hessen.

Im Sommer 1972 sammelten Nieder-Eschbacher Bürger Unterschriften und verfassten Resolutionen. Bei einer Demonstration versperrten Bauern mit Traktoren im Berufsverkehr die Landstraße nach Bad Homburg. „Zwangseingemeindung ist Diktatur“, stand auf einem Schild zu lesen. Daran kann sich Karl-Heinz Bickel gut erinnern. Den Übergang vom einstigen Bauerndorf zum Stadtteil Nieder-Eschbach hat er hautnah miterlebt.

Als damaliges Gemeinderatsmitglied des selbstständigen Nieder-Eschbachs trug Bickel politische Verantwortung. „Ich hatte viele Freunde, die nicht eingemeindet werden wollten“, erzählt der 82-Jährige. Er hingegen sei neutral gewesen. „Ich bin nicht mit marschiert, das habe ich mich nicht getraut.“

Fünf Jahre vor den Protesten war er maßgeblich daran beteiligt, dass Nieder-Eschbach eine Städtepartnerschaft mit Deuil-la-Barre eingegangen ist. Die freundschaftliche Verbindung mit der Gemeinde rund 15 Kilometer nordwestlich von Paris hält bis heute. Das freut Bickel, der eine besondere Beziehung zu Frankreich hegt und mit seiner Frau Helga dort oft im Urlaub war.

Die Anekdoten zeigen, dass Karl-Heinz Bickel ein umtriebiger Mensch ist. Zehn Jahre lang saß der gebürtige Nieder-Eschbacher für die SPD im Ortsbeirat 15. Seit 53 Jahren hat er ein Parteibuch. Eingetreten ist der gelernte Maschinenschlosser im Nieder-Eschbacher Freibad. Damals hatte ihm dort ein einbeiniger Kriegsveteran das Schwimmen beigebracht. Im Gegenzug forderte er ihn auf, Sozialdemokrat zu werden.

Als Stadtteilpolitiker half Bickel mit, dass die örtliche Michael-Grzimek-Schule ausgebaut und eine zweite Turnhalle an der Otto-Hahn-Schule errichtet wurde. Auch ihm ist es zu verdanken, dass die Turnabteilung des TuS Nieder-Eschbach sich 1972 neu gründete. Später saß er dem Verein zehn Jahre lang vor.

Vor kurzem ist Bickel für seine umfangreichen Tätigkeiten von OB Peter Feldmann mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet worden. Die Ehrung können Personen erhalten, die mindestens zwölf Jahre kommunalpolitisch tätig waren oder sich in gemeinnützigen Vereinen mit kulturellen oder sozialen Zielen engagiert haben. „Ich war überrascht“, sagt Bickel bescheiden.

Und das, obwohl er vierfaches Ehrenmitglied ist: in der TSG Nieder-Erlenbach, im TuS Nieder-Eschbach, im Hessischen Turnverband und im Turngau Feldberg. Bis 1982 spielte Bickel, der auch im Besitz der Bundesverdienstmedaille und der Römerplakette ist, Handball in einer Seniorenmannschaft. Noch heute hilft er mit bei der Verleihung des Deutschen Sportabzeichens im Deutschen Olympischen Sportbund.

Ansonsten genießt Bickel, der einst im Motorrad-Beiwagen mit seinem Vater Karl Pokale und andere Trophäen gejagt hat, seine Ruhe. „Ich bin froh, nur noch den Mund halten und zuschauen zu dürfen.“ Er hat ja genug erlebt, auf das er zurückblicken kann. So war er nicht nur in vielen Vereinen und Organisationen aktiv, er hat auch viel von der Welt gesehen. Vom Nordkap bis zum Südkap, von der Karibik bis nach China – zusammen mit seiner Frau hat er die entlegensten Orte bereist.

Bickel freute sich aber immer wieder aufs Neue, ins beschauliche Nieder-Eschbach zurückzukehren, wo man ihm zufolge auch heute noch prächtig spazieren gehen kann. Am liebsten arbeitet er in seinem Garten, erntet Johannis- und Stachelbeeren. Den Sport hat er auch noch vor Augen – vor dem Fernseher. Auch weil er gesundheitlich angeschlagen ist. Der 82-Jährige leidet unter einer Nierenkrankheit. „Ich freue mich über jeden Tag, an dem ich morgens neben meiner Frau wach werde.“

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