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Es steht zur Debatte, ob die Doppel-Anlage abgerissen werden muss und, wenn ja, wo sie wieder aufgebaut wird. Aber auch eine Sanierung wäre möglich - allerdings für sehr viel Geld. Sie könnte bis zu 900 Millionen Euro verschlingen.

Bühnen

Hartwig: Brandschutz kein Problem mehr

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Das jahrelange Ringen um die Zukunft der Städtischen Bühnen in Frankfurt nimmt eine überraschende Wendung.

Das jahrelange Ringen um die Zukunft der Städtischen Bühnen nimmt eine überraschende Wendung. Vor den verblüfften Stadtverordneten erklärte Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) am Abend: „Brandschutztechnisch besteht vor Ort keine Gefahr.“

Keine Vorstellung drohe auszufallen, auch sei nicht zu erwarten, dass die Betriebsgenehmigung für die riesige Theater-Doppelanlage am Willy-Brandt-Platz erlösche. 

Bisher war jahrelang das Gegenteil behauptet worden, hatten insbesondere die Vertreter der Bühnen die Lage des 1963 eröffneten Gebäudes als dramatisch charakterisiert. Es war erklärt worden, spätestens 2021 müssten Oper und Schauspiel aufgrund ihres maroden Zustands geschlossen werden. 

Hartwig hatte sich nach eigenen Worten zuvor mit dem Chef der Frankfurter Berufsfeuerwehr, Reinhard Ries, getroffen und mit ihm das Bühnengebäude besichtigt. Ries habe dann Entwarnung gegeben.

Wieso der weltweit anerkannte Brandschutz-Experte plötzlich zu einer anderen Einschätzung kam als alle anderen Fachleute vor ihm, erklärte die Kulturdezernentin auch auf Nachfrage nicht. Hartwig zog aber ein erleichtertes Fazit. In der Diskussion um die Zukunft der Bühnen sei jetzt „eine gewisse Entspannung zu verzeichnen“. Die SPD-Politikerin fügte hinzu: „Wir haben Zeit gewonnen.“ 

Sie präsentierte die Ergebnisse der vom Magistrat im Juni eingesetzten, internen Arbeitsgruppe von Fachleuten des Kulturdezernats, des Bau-, des Planungsdezernats und des Revisionsamtes. Die Experten hatten die Aufgabe, nach Einsparpotenzialen zu suchen – sowohl für eine Sanierung wie für einen Neubau der Bühnen. 

Sie schlagen jetzt vor, ein Logistikzentrum an anderer Stelle zu bauen und dorthin die Probebühnen und die Werkstätten von Oper und Schauspiel auszulagern. Dieses Logistikzentrum könne, so die Kulturdezernentin, „außerhalb der Innenstadt an der Peripherie liegen“ und außerdem ebenerdig gebaut werden. So lasse sich viel Geld einsparen.

Das Logistikzentrum mit seinen Probebühnen sei auch als Interimsstätte für das Schauspiel geeignet. Hartwig erneuerte ihren Vorschlag, eine Zwischenspielstätte auf dem alten Universitäts-Campus in Bockenheim zu errichten. Diese könne später dazu dienen, verstreut in der Stadt liegende Kulturinstitutionen wie das Ensemble Modern oder die Dresden Dance Company unter einem Dach zu vereinen.

Kaum kritische Nachfragen

Nach den Worten der Kulturdezernentin sollen die Gutachter, die auch die im Mai vorgestellte Machbarkeitsstudie gefertigt hatten, jetzt nachrechnen, was eine Sanierung oder ein Neubau der Bühnen kosten würden – bei ausgelagertem Logistikzentrum. „In einem halben Jahr haben wir dann Zahlen“, so Hartwig. Sie verwahrte sich gegen den Vorwurf, „dass hier etwas ausgesessen werden soll“. 

Die überraschten Stadtverordneten stellten kaum kritische Nachfragen. CDU-Sprecher Thomas Dürbeck sah ein Problem, wenn Oper und Schauspiel lange an Interimsspielstätten ausgelagert würden. „Nach vier Jahren Container-Stadt – kommen dann noch talentierte Sänger mit Potenzial?“, fragte er. Für seine Äußerung „der Brandschutz ist ein Dauerbrenner“ erntete Dürbeck Gelächter. Grünen-Sprecher Sebastian Popp wandte ein, dass ein Logistik-Zentrum bedeute, dass die erst vor wenigen Jahren gebauten Bühnen-Werkstätten abgerissen werden müssten. 

Die SPD-Stadtverordnete Esther Gebhardt kritisierte, ein Logistik-Zentrum außerhalb mache einen Fuhrpark und zusätzliches Personal nötig. 

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