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Er kehrt Frankfurt den Rücken: Harald Heußer.

Stadtverwaltung Frankfurt

Harald Heußer verlässt Hochbauamt

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Harald Heußer, der 28 Jahre im Hochbauamt Konzepte etwa zu sparsamen Kitas und Schulen entwickelte, wechselt nach Heidelberg. Dort wartet eine Jahrhundertaufgabe auf den Architekten.

Für die Stadt Frankfurt ist das ein herber Schlag: Nach 28 Jahren geht der Mann, der im Hochbauamt ein wichtiger kreativer Kopf war. Harald Heußer und sein Team entwickelten im Laufe der Zeit zahlreiche Konzepte: von sparsamen Kitas und Umkleiden auf Sportplätzen bis hin zu Schulen in preiswerter Holzmodulbauweise. Bei vielen großen Bauvorhaben war Heußer Projektleiter – zuletzt beim neuen Historischen Museum am Römerberg. Jetzt verlässt der 60-Jährige Frankfurt: Am 1. November übernimmt er die Leitung des Hochbauamtes der Stadt Heidelberg. Dort wartet eine Jahrhundertaufgabe auf ihn: die Konversion der alten US-Militärgrundstücke, die von der Army geräumt werden. 

Der Architekt ist kein Freund großer Worte. Kein Dampfplauderer, der sich mit Wortgirlanden schmückt. Und doch gerät er ein wenig ins Schwärmen, wenn er sich die 90er Jahre in Frankfurt ins Gedächtnis ruft. „Es herrschte eine große Aufbruchstimmung; das Image der Stadt wandelte sich zum Besseren – weg von Krankfurt –, und ich wollte dabei sein.“ 

Heußer kam, als Hilmar Hoffmann Kulturdezernent und Hans-Erhard Haverkampf Baudezernent war. Das erste große Projekt, an dem er mitarbeitete, war das Museum für Moderne Kunst (MMK). Noch heute lobt er „die räumlich faszinierende Architektur“ des Hauses. Auch wenn Hollein und der erste Direktor, Jean-Christoph Ammann, sich damals erbittert stritten: Ammann forderte zum Beispiel Böden aus Holz, um Kunstwerke notfalls festschrauben zu können. Hollein wollte repräsentative Marmorböden. Am Ende stand ein Kompromiss: Marmor im Eingang, Holzböden auf den Etagen. Heußer lacht bei der Erinnerung. 

Der Herr der Holzmodule

Später, als die Stadt sparen muss, entwirft er die Konzepte. „Aus 2 mach 3“ heißt sein Plan für die Kitas in den 90er Jahren – sie werden aus standardisierten Elementen zusammengesetzt. Und dann kam der Baustoff Holz ins Spiel. „Den habe ich bei öffentlichen Bauten in Frankfurt eingeführt“, sagt der Architekt schlicht. Es habe „große Widerstände der Feuerwehr“ gegeben. Doch Heußer konzipiert und verwirklicht Schulen und Kitas in sparsamer Holzmodulbauweise. Die Europäische Schule etwa oder die Schule am Riedberg. „Die können rasend schnell erstellt werden.“ Der Fachmann sieht die Holzbauten als Alternative zu Containern: „Die sind betriebswirtschaftlich eine Katastrophe.“ 

Heußer entwirft auch Umkleiden auf Sportplätzen aus Holzmodulen. „Kein Flur, mit gemauerter Dusche in der Mitte, Außenwände aus Holztafeln.“ Sein schönstes Projekt aber war das neue Historische Museum. Ihm gelang es, das Megavorhaben ohne große Verteuerung und Verzögerung umzusetzen. „Nur als wir auf den Hafen aus der Stauferzeit stießen, mussten wir umplanen.“ 

Heute beklagt Heußer den „Dauerstreit“ im Magistrat, insbesondere zwischen Baudezernent Jan Schneider (CDU) und Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD). „Das kostet Energie, bringt Reibungsverluste.“ Das neue Amt für Bauen und Immobilien dürfe nicht mehr kreativ sein, es sei „eine reine Bauunterhaltungstruppe“. Heußer wollte nicht mehr: „Ich bin kein Don Quichotte.“ 

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