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Möglicher Standort für einen Neubau der Oper am Main: das Raab-Karcher-Gelände im Osthafen.

Städtische Bühnen in Frankfurt

Großes Theater in Frankfurt

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In Frankfurt geht es heute um die Zukunft der Städtischen Bühnen. Die Zeichen stehen auf Neubau. Die Politiker der Stadt wollen groß denken. Aber dürfen neue Bühnen eine Milliarde Euro kosten?

Am heutigen Donnerstag ziehen sich die Spitzenpolitiker der Frankfurter Römer-Koalition zur Klausur ins beschauliche Bad Nauheim zurück. Sie wollen in einem Fahrplan festlegen, welche wichtigen Projekte in der zweiten Hälfte der Legislaturperiode bis zur Kommunalwahl 2021 noch angegangen werden sollen. Dabei geht es natürlich um die Zukunft der Städtischen Bühnen. Auch wenn am 3. Dezember der Aufsichtsrat der Bühnen GmbH tagt, werden die Perspektiven von Oper und Schauspiel mit ihren fast 1100 Beschäftigten Thema sein.

Gerade ist die Oper wieder mit dem Titel „Opernhaus des Jahres“ in Deutschland ausgezeichnet worden. Gerade hat die Inszenierung des Stückes „Die Perser“ von Ulrich Rasche im Schauspiel den Nestroy-Preis als „beste deutschsprachige Aufführung“ erhalten. Künstlerisch stehen die Bühnen also herausragend da. Und doch sind Unruhe und Sorge unter den Beschäftigten deutlich spürbar. Denn Oper und Schauspiel geraten in den Sog einer politischen Diskussion, bei der die Frage vehement gestellt wird: Darf und kann selbst die reiche Stadt Frankfurt, die vielleicht wohlhabendste deutsche Kommune, sich einen Neubau für mehr als 800 Millionen Euro leisten?

In der Römer-Koalition ist eine Stimmung für den Neubau deutlich spürbar. Viele sagen hinter vorgehaltener Hand, was Thomas Dürbeck, der kulturpolitische Sprecher der CDU im Römer, offen ausspricht: „Wenn eine Sanierung unrealistisch ist, sollten wir groß denken.“

Groß denken heißt: einen architektonisch spektakulären Neubau der Bühnen anstreben, der aus einem internationalen Wettbewerb hervorgeht. Dürbeck denkt aber weiter. Er sieht die neuen Städtischen Bühnen als eine nationale Aufgabe an. „Ich rechne fest mit einer finanziellen Unterstützung des Landes – und wenn wir es gut anstellen, bekommen wir auch den Bund dazu.“

Bei den Grünen wird ähnlich gedacht. „Wenn eine Sanierung nicht infrage kommt, dann müssen wir für die nächsten 100 Jahre bauen“, sagt Manuel Stock, der Fraktionschef der Grünen im Römer. Er fügt hinzu: „Wir müssen über architektonisch spektakuläre Gebäude sprechen – wir müssen deutlich machen, dass die Kultur in Frankfurt etwas gilt.“

Die Grünen sehen bei den Neubauten „das Land Hessen in der Pflicht“. Stock spricht aber noch weitere Finanziers an. „Es gibt die reichen Kommunen des Frankfurter Speckgürtels, deren Bewohner Besucher der Bühnen sind, wie etwa Eschborn oder Bad Vilbel.“

Und die Grünen möchten „die großen Unternehmen der Stadt einladen“, sich an einem Neubau der Bühnen zu beteiligen. „Es gibt ja eine große Tradition des bürgerschaftlichen Engagements.“

 In den Fokus rückt die städtische Stabsstelle Bühnen, die am 1. Oktober gegründet worden war. Sie soll final klären, ob eine Sanierung der 55 Jahre alten Theater-Doppelanlage am Willy-Brandt-Platz überhaupt realistisch ist. Oder ob es nicht zwangsläufig auf einen Neubau von Oper und Schauspiel hinausläuft – womöglich an getrennten Standorten.

Chef der Stabsstelle ist der 66-jährige Michael Guntersdorf. Der Architekt und Projektentwickler hat in den zurückliegenden zehn Jahren die neue Frankfurter Altstadt verwirklicht. Doch selbst diesem erfahrenen Troubleshooter ist die Anspannung angesichts seiner neuen Aufgabe anzumerken. „Bis zum Spätsommer 2019“ will er eine abschließende Empfehlung vorlegen – die dann der Kommunalpolitik als Handlungsgrundlage dient.

SPD und Grüne plädieren dafür, bei Neubauten auf jedem Fall am Willy-Brandt-Platz als Traditionsstandort festzuhalten. Aus Sicht von Stock ist es aber möglich, Oper und Schauspiel zu trennen und „an zwei Standorten neu zu bauen“.

Die Stabsstelle untersucht konkret andere Standorte für einen spektakulären Opernneubau. Darunter ist das Grundstück Mayfarthstraße 14 im Osthafen, das heute noch von den städtischen Hafenbetrieben an die Firma Raab Karcher vermietet ist. Dieser Mietvertrag läuft bald aus. Wirtschaftdezernent Markus Frank (CDU) ist innerhalb der Koalition schon „sensibilisiert“ worden, das Gelände auf keinen Fall neu zu vermieten.

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) hat sich bisher nur dahingehend festgelegt, dass sie den Willy-Brandt-Platz als Traditionsort für die Bühnen verteidigen möchte.

Wie wahrscheinlich ist es, dass sich die 1963 eröffnete Theater-Doppelanlage noch sanieren lässt? Michael Guntersdorf, der Leiter der Stabsstelle Bühnen, sagt offiziell nur so viel: „Der Umbau eines alten Gebäudes birgt ein schwer kalkulierbares Kostenrisiko.“

Guntersdorf wird jetzt eine Firma damit beauftragen, den tatsächlichen baulichen Zustand des Gebäudekomplexes erneut zu untersuchen. „Wir werden noch einmal Bauteile öffnen, um zum Beispiel die Tragfähigkeit einer Betondecke zu prüfen.“ Genau das hatten Firmen bereits im Rahmen der sechs Millionen Euro teuren Machbarkeitsstudie getan, die von der Stadt im Juni 2017 vorgestellt worden war.

Guntersdorf hat sich eine kompetente Mitstreiterin an die Seite geholt: die Architektin Andrea Jürges, stellvertretende Direktorin des Deutschen Architekturmuseums. ist Mitglied der Stabsstelle geworden. Sie soll detailliert die Bühnenneubauten der jüngsten Zeit überprüfen und die Lehren, die Frankfurt daraus ziehen könnte – von der Oper in Oslo bis zu den Bühnen in Kopenhagen.

Dort sind die spektakulären Neubauten bereits verwirklicht worden, von denen die Stadt Frankfurt jetzt träumt.

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