Weiterführende Schulen

Das große Abenteuer Schulwahl

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Die Eltern von Viertklässlern müssen eine weiterführende Schule auswählen. Für einige scheint das eine größere Herausforderung zu bedeuten.

Die Suche nach der passenden weiterführenden Schule ist eine der stressigsten Phasen im Familienleben. Tage der offenen Türen besuchen, Bildungswege planen, Schulwege erörtern, Für und Wider abwägen. Und in Frankfurt ist das alles erst recht kompliziert. Denn jährlich eröffnen neue Schulen. Meist in Übergangsquartieren. Irgendwann sollen sie dann an ihren endgültigen Standort umsiedeln. Um da den Überblick zu bewahren, müssten Viertklässlereltern eigentlich auf großen Plänen die Standorte aufmalen, mit Pfeilen verbinden, darauf Umzugstermine eintragen. Sonst blickt ja keiner mehr durch, wer wann wohin ziehen soll.

Etwa 5580 Schülerinnen und Schüler wollen im Sommer an eine weiterführende Schule wechseln. Rund 300 mehr als im vergangenen Jahr. Und da es 2017 mit den Schulplätzen schon ziemlich knapp wurde, eröffnen zum nächsten Schuljahr wieder zwei neue Schulen: ein Gymnasium und eine Integrierte Gesamtschule (IGS). Und nun sollten alle Eltern große Blätter und bunte Stifte herausholen und mitmalen: Das Gymnasium eröffnet für 162 Fünftklässler in Bockenheim am Römerhof in Containern. In unmittelbarer Nähe soll auch der Neubau entstehen. Die Container wird es von der Neuen Gymnasialen Oberstufe (NGO) erhalten, die an Ostern vom Riedberg in die Voltastraße zieht. Die NGO macht wiederum Platz für die IGS Kalbach-Riedberg, die im vorigen Jahr an der Carl-Hermann-Rudolff-Allee in Holzmodulen eröffnete und am bisherigen Standort der NGO bis 2021 einen Neubau erhalten soll.

Schulen ziehen ständig um 

Neue Stiftfarbe für die IGS nun – deren Arbeitstitel IGS 15 lautet, weil sie die 15. Integrierte Gesamtschule in Frankfurt sein wird: Sie eröffnet in Unterliederbach in der auslaufenden Karl-Oppermann-Schule. Nach einem Jahr zieht sie in die Containeranlage an der Palleskestraße in Höchst, die derzeit das Gymnasium Nied nutzt. Das siedelt wiederum 2019 auf den Campus Westend in eine noch zu bauende Containeranlage um, bis es irgendwann in einem Neubau an der Hansaalle eine endgültige Bleibe findet. Für die IGS können aber keine weiteren Pfeile aufs Papier gemalt werden. Wie lange sie in der Palleskestraße bleiben wird und wo sie am Ende hin soll, das weiß noch keiner. „Aber dann haben wir Zeit – in der Palleskestraße kann sie eine Weile bleiben“, sagt Jetta Lüdecke, Referentin von Bildungsdezernentin Sylvia Weber. (SPD). „So können wir in Ruhe nach einer Liegenschaft im Westen suchen.“

Neue Schulen ohne Profil

Der Übersichtsplan dürfte auch ohne endgültigen Standort schon viele bunte Pfeile haben. Völlig weiß bleiben dagegen die Kästchen mit den Profilen der beiden neuen Schulen. Oder anders ausgedrückt: Noch ist die Ausrichtung der Schulen, was Schwerpunkte, Sprachen- und Nachmittagsangebot angeht, eine Blackbox für Eltern. Planungsgruppen erarbeiten die Profile gerade erst. In zwei bis drei Wochen, sagt Wolfgang Kreher, der Leiter des Staatlichen Schulamts, sollen die Profile vorgestellt werden. Heißt wohl: im Februar. Am 5. März müssen sich die Eltern allerdings für eine Schule entschieden haben.

Stadtelternbeirätin Alix Puhl ärgert das Vorgehen der Behörde. „Schulleitern, Eltern und Schülern gegenüber ist das eine Unverschämtheit“, sagt sie. „Eltern wollen nicht nur wohnortnahe Schule, sie wollen auch ein Profil.“ Man müsse sich schließlich mit der Schule identifizieren können. „Doch man hat aus den vergangenen Jahren nicht gelernt, dass ein Profil wichtig ist.“

Schließlich sind die beiden neuen Schulen nicht die ersten Neugründungen in jüngster Zeit. Das Gymnasium Nied hatte 2015 bereits einen schweren Start mit nur einer Handvoll Anmeldungen. Die KGS Niederrad eröffnete 2016 gar nicht erst, weil sich zu wenige Schüler anmeldeten. „Beide hatten aber auch kaum Vorbereitungszeit“, sagt Puhl. Die Profile der Schulen waren damals – wie in diesem Jahr – erst mitten in der Entscheidungsphase der Familien bekanntgeben worden.

Zwei Beispiele, wie es laufen kann

Dagegen gab es aber auch zwei gut angelaufene Schulen: Die IGS Süd und die IGS Kalbach-Riedberg waren direkt im ersten Jahr voll. „Sie hatten ein Jahr lang Zeit, ein gutes Konzept zu erarbeiten und konnten sich damit schon im Stadtteil bekanntmachen“, sagt Puhl. „Eine Schule kann also einen guten Start haben – wenn sie gut vorbereitet ist.“ Beim Gymnasium Römerhof und der IGS 15 sei diese Chance vertan worden. Denn im Staatlichen Schulamt lasse man sich Zeit. „Dabei müsste man jetzt sogar schon Planungsgruppen für die neuen Schulen 2019 gründen“, sagt Puhl.

Von vielen Erstanmeldungen und einem guten Beginn der neuen Schulen in diesem Jahr geht man im Staatlichen Schulamt gar nicht erst aus. „Die IGS wird es schwer haben“, glaubt Kreher. Auch beim Gymnasium sei man „in einem Strudel, in dem man nicht weiß, wie viele Anmeldungen es bekommen wird“. Kreher rechnet damit, dass es in Frankfurt dieselben Probleme wie in den vergangenen Jahren geben wird. „Die Traditionsgymnasien werden überbucht sein“, dann müssen Schüler zugewiesen werden. Vergangenes Jahr traf das insgesamt rund 550 Kinder in allen Schulformen. Kreher erwartet nun eine ähnliche Zahl und empfiehlt: „Eltern sollten sich auf Wartelisten der Wunschschulen setzen lassen.“ Nach der Verteilung herrsche noch Fluktuation, Kinder zögen weg oder gingen an Privatschulen. „Das sind keine horrend hohen Zahlen, aber es gibt eine Chance nachzurücken.“

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