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Das marode Haus der Gethsemanegemeinde in der Marschnerstraße wird kaum noch genutzt.

Nordend

Gerüchte um Gemeindehaus

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Evangelischer Regionalverband bestätigt Interesse von Investoren am Domizil der Gethsemanekirche. Auf dem Areal könnte ein Neubau mit 19 Wohnungen und einer Kita entstehen.

Das große, beige-gelbe Haus hat seine besten Tage wahrlich schon hinter sich. An vielen Stellen blättert der Putz ab, darunter kommen rötliche Backsteine zum Vorschein. Und so wundert es nicht, dass die Gerüchteküche im Nordend immer deutlicher vernehmbar brodelt: Wird das ehemalige Gemeindehaus der Evangelisch-lutherischen Gethsemanegemeinde in der Marschnerstraße verkauft – und vielleicht sogar abgerissen?

Beim evangelischen Regionalverband, der Träger des Gebäudes ist, gibt man sich etwas vage. Sprecherin Bettina Behler bestätigt jedoch auf FR-Anfrage: „Es gibt Angebote.“ Man müsse nun prüfen, welches „unseren Vorstellungen am nächsten kommt“. Es sei „kein Geheimnis“, dass der Regionalverband darüber nachdenke, wie es mit dem Gebäude weitergehe. Das Haus sei „ziemlich marode“, so Behler.

Die Marschnerstraße 3-5 beherbergt sowohl einen großen Saal als auch Büroräume und zwei Wohnungen. Das Gebäude wird aber von der Kirche kaum noch genutzt. Schon vor sechs Jahren hat die Gemeinde ihre Aktivitäten komplett ins benachbarte Kirchengebäude in der Eckenheimer Landstraße 90 verlagert. Die Büroräume stehen leer, die beiden darüber befindlichen Wohnungen sind noch bewohnt. Den Saal nutzt die Kirche nur noch für ihre Theatergruppe. Von außerhalb treffen sich regelmäßig ein Migrantinnenverein und eine Musikgruppe im Saal.

Bei der Gethsemanegemeinde wissen sie nichts von eventuellen Verkaufsplänen. „Uns hat noch keiner informiert“, sagt Sekretärin Sabine Afolabi. Die Gerüchte über den Verkauf seien aber „schon Jahre alt“. Immer wieder gebe es solche Spekulationen, „und dann passiert doch nichts“.

Dazu passt, dass die Bauaufsicht bereits 2013 eine Abbruchgenehmigung für das Gebäude erteilt hat, wie Leiterin Simone Zapke der FR bestätigt. „Das Gebäude ist in solch einem schlechten Zustand, dass es nicht mehr zu halten ist“, sagt sie. Interessant: Der Regionalverband hat laut Zapke auch eine Bauvoranfrage gestellt, ebenfalls schon vor einigen Jahren. Darin wurde die Möglichkeit geprüft, auf dem Gelände des Gemeindehauses 19 Wohnungen und einen Kindergarten zu errichten. „Wir halten das für genehmigungsfähig“, sagt Zapke. Einen konkreten Bauantrag gebe es aber noch nicht.

Dem Kindergarten der Gethsemanegemeinde in der Weberstraße könnte also der Umzug in ein neues Gebäude winken. „Es ist ein Neubau der Kindertagesstätte vorgesehen“, bestätigt auch Behler. Elena Mertes, die Leiterin der Kita, hat ebenfalls von den Neubau-Plänen gehört, angeblich solle er im Jahr 2020 kommen. Auch das Kita-Gebäude sei ziemlich alt, bestätigt Mertes. Sie gehe davon aus, dass der Betrieb der Einrichtung nach dem Neubau normal fortgesetzt wird. „Wir machen weiter, ja klar.“

Rüdiger Koch, Fraktionsvorsitzender der SPD im fürs Nordend zuständigen Ortsbeirat 3, sind die Gerüchte ebenfalls zu Ohren gekommen. Er appelliert an den Regionalverband, das Gebäude „nicht nur nach Höchstgebot“ zu veräußern, sondern sich auch zu erkundigen, was der Käufer mit dem Grundstück vorhat. Der Sozialdemokrat befürchtet, ein neuer Besitzer könne das Haus abreißen und stattdessen Luxusimmobilien errichten. „Wir brauchen natürlich nicht auch noch an dieser Stelle hochpreisige Wohnungen“, betont Koch. „Da hat auch die Kirche eine soziale Verantwortung, da kann sie sich nicht raushalten.“

Koch bietet an, dem Migrantinnenverein und der Musikgruppe dabei zu helfen, einen neuen Treffpunkt zu suchen. Für die Theatergruppe der Kirche, die im Saal in der Marschnerstraße auch ihren großen Fundus an Requisiten lagert, könnte das schon etwas schwieriger werden. „Unser Theaterkreis wird wahrscheinlich etwas Neues anmieten müssen“, sagt Sabine Afolabi.

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