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Nicht nur am Museumsufer hat Frankfurt kulturell eine Menge zu bieten.

Kultur

Gemeinsam zur Kulturhauptstadt

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OB-Kandidatin Bernadette Weyland (CDU) nennt erste Ideen für die Bewerbung Frankfurts zur europäischen Kulturhauptstadt 2025.

Wenn Bernadette Weyland, CDU-Kandidatin zur Oberbürgermeisterwahl, die  „LSD-Bettler“ von der Zeil verdrängt hat, widmet sie sich einem anderem Thema: der Kultur. Frankfurt soll 2025 europäische Kulturhauptstadt werden. „Wenn ich zur Oberbürgermeisterin gewählt werde, mache ich das zur Chefsache“, sagte sie am Montagabend auf einer Veranstaltung im English Theatre, moderiert von FAZ-Redakteurin Mechthild Harting.

Weyland kritisierte auch Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Die hatte angekündigt, die Bewerbung Kassels unterstützen zu wollen. „Dass die Kulturdezernentin sagt, Frankfurt bewirbt sich nicht, empört mich“, sagte Weyland. Frankfurt werde zu sehr als Bankenstadt wahrgenommen, führte sie aus. Eine Kulturhauptstadt-Bewerbung, gemeinsam mit der Region, könne das ändern. Die Kampagne soll direkt nach der OB-Wahl im Februar beginnen. Dafür versammelt sie Mitstreiter.

Auf dem Podium fanden alle die Idee gut. „Wenn die Region zusammenwachsen will, wäre eine Bewerbung wichtig“, sagte Helmut Müller, der Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main. Wenn Frankfurt bei Kultur mit der Region zusammenarbeite, helfe das auch bei anderen Themen wie Wohnungsbau und Verkehr, sagte Thomas Dürbeck, der kulturpolitische Sprecher der CDU-Fraktion.

Wenn die Bewerbung „ernsthaft betrieben“ werde, schaffe das einen „Imagegewinn“, sagte Michael Denkel, Gesellschafter im Architekturbüro Albert Speer und Partner. Als Gegenbeispiel nannte er die Bewerbung Frankfurts als Austragungsort für die Fußball-EM 2024 - da hatte die Stadt Platz zehn von zehn belegt.

Sich in Runde eins gegen die Konkurrenten durchzusetzen, sei „kein Hexenwerk“, meinte Denkel, der vielleicht auf einen Auftrag für sein eigenes Büro spekulierte. Das habe Bewerbungen für Olympischen Spiele und Internationale Bau-Ausstellungen vorbereitet.

Frankfurt verkaufe sich unter Wert, sagte Dürbeck. Das Museumsufer sei in Deutschland nicht bekannt genug. Gemeinsam mit den Staatstheatern Mainz, Darmstadt, Wiesbaden lasse sich eine gemeinsame kulturelle Identität schaffen. Das Preisgeld betrage 1,5 Millionen Euro, sagte Helmut Müller. In der Folge könnten weitere Bundes- und Landesmittel fließen. „Die Investition wird nicht durch die EU-Förderung abgedeckt“, sagte auch Dürbeck.

Dann öffnete sich die Diskussion zum Publikum. Begriffe wie „Ballungsraum“ oder „Metropolregion“ strahlten keine Identität aus, sagte ein Zuhörer. Er warb dafür, Mainz als Römer- und Gutenberg-Stadt, die Wein-Anbau-Gebiete und Aschaffenburg als Stadt von Lukas Cranach und Ernst Ludwig Kirchner einzubeziehen. Weitere Schwerpunkte könnten sein: die Goldene Bulle, die Nationalversammlung, die Freie Theaterszene, die Literaturfestivals, die Internationalität Frankfurts, die Zukunft der Städtischen Bühnen, die Wissenschaft, sagten weitere Besucher. Laut Weyland sollte auch das Weltkulturerbe Limes und die Grimm-Welt in Kassel eine Rolle spielen. „Aber bitte nicht als Beweihräucherung der Vergangenheit“, warf einer in die Runde.

Ein anderer, der die Bewerbung Weimars als Kulturhauptstadt mitkonzipiert hatte, nannte als Rezept für den Erfolg, kontroverse Themen zu spielen, nicht in Streit zu verfallen, und der Kunst die nötige Autonomie einzuräumen. Anfang 2019 muss die Bewerbung abgegeben sein.  

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