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Blick auf die Fassade der Städtischen Bühnen: Wie lange wird sie noch so stehen am Willy-Brandt-Platz?

Oper und Schauspiel in Frankfurt

Wie geht es weiter mit den maroden Bühnen?

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    Florian Leclerc
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Hinter den Kulissen wird heftig um die Zukunft von Oper und Schauspiel in Frankfurt gerungen.

Wer sich zuerst bewegt, der hat verloren: Nach dieser alten Mikado-Regel wird derzeit beim Tauziehen um die Zukunft der Städtischen Bühnen gespielt. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) betont im Gespräch mit der FR: In absehbarer Zeit werde es keine politische Grundsatzentscheidung über die Zukunft der maroden Theater-Doppelanlage geben. Es werde „noch einige Monate“ einen Prüfungsprozess geben, sagte die Stadträtin.

Thomas Dürbeck, der kulturpolitische Sprecher der CDU, hält ein anderes Szenario für möglich: „Wenn er sich davon einen Vorteil verspricht, wird der Oberbürgermeister noch vor der OB-Wahl am 25. Februar mit einer Überraschung an die Öffentlichkeit gehen.“ Nach dem Motto: Sanierung der Bühnen jetzt für 400 Millionen Euro zu haben.

Tatsächlich ist die Spannung in der Kulturpolitik mit Händen zu greifen. Im Mai    hatte ein von der Stadt beauftragtes Architekturbüro eine Machbarkeitsstudie vorgelegt, derzufolge die Sanierung oder der Neubau von Oper und Schauspiel knapp 900 Millionen Euro kosten sollen. Der Schock war groß. Danach begannen Fachleute der Bühnen, des Baudezernats, des Kulturdezernats und des Revisionsamtes in einer Arbeitsgruppe zu untersuchen, wie viel Geld sich durch welche Schritte einsparen ließe.

Diese AG liefert jetzt gerade ein Zwischenergebnis bei der Politik ab. Olaf Winter, technischer Direktor der Bühnen und selbst Mitglied des Gremiums, hat sich im FR-Interview für einen Neubau ausgesprochen – offiziell als private Meinung. Ein Neubau biete die Möglichkeit, konstruktive Mängel der heutigen Gebäude am Willy-Brandt-Platz zu beseitigen. Der Magistrat müsse jetzt entscheiden. Auch Sebastian Popp, kulturpolitischer Sprecher der Grünen, mahnt eine rasche Entscheidung der Stadtregierung an (siehe Interview).

Doch die Kulturdezernentin will sich nicht unter Druck setzen lassen. „Es müssen noch viele Fragen gestellt werden“, sagt sie und urteilt: „Der Prüfungsprozess bringt Ruhe in die ganze Sache.“ Aber tatsächlich scheint genau das Gegenteil der Fall.

Neubau oder Sanierung? CDU-Sprecher Dürbeck nennt es „die Suche nach dem vierten Weg“: nämlich die Frage, ob eine Zukunft jenseits der drei untersuchten Varianten nicht wesentlich preiswerter als für 880 Millionen Euro zu haben sei. Er verstehe, „dass die Leute eine rasche politische Entscheidung erwarten“. Aber die sorgfältige Suche nach Einsparungsmöglichkeiten lohne sich. Derweil kämpfen die Techniker in der riesigen Theater-Doppelanlage mit den gewohnten Problemen. Letzte Woche gab es einen Stromausfall, das Foyer konnte nicht mehr geheizt werden. Wenn es regnet, wie gerade häufig, dringt Wasser durchs Dach ein. Für viele uralte Anlagen der Klima- und Heizungstechnik gibt es keine Ersatzteile mehr – Improvisationstalent der Techniker ist gefragt.

Die Kulturdezernentin will offiziell keinen Zusammenhang zwischen einem Beschluss über das Millionenprojekt Bühnen und der OB-Wahl herstellen. Dürbeck sagt dagegen: „Uns wird gerade der Eindruck vermittelt, dass vor der OB-Wahl keine Entscheidung fällt.“

Tatsächlich positioniert sich Bernadette Weyland, die Kandidatin der CDU zur OB-Wahl, jetzt erstmals zu den Städtischen Bühnen. „Gutes Theater braucht keine Paläste“, sagte sie der Frankfurter Rundschau. Falls sie am 25. Februar gewählt werde, werde es „keinen überteuerten Prunkbau“ für Oper und Schauspiel geben.

Eine Milliarde Euro für den Neubau oder die Sanierung der Theaterdoppelanlage am Willy-Brandt-Platz auszugeben, sei zu viel. Weyland forderte darüber hinaus, die Frage des Standorts zu diskutieren. Ein Fachgremium aus „Kulturschaffenden, Bausachverständigen und Finanzexperten“ solle sich damit „sachkundig“ auseinandersetzen. „Das hätte schon längst geschehen müssen“, sagte sie. „Durch Nichtstun und Wegschauen löst man keine Fragen.“

Für Weyland ist Kultur aber „mehr als ein Wahlkampfthema“, denn „Kultur überwindet Vorurteile und prägt das Miteinander, Kultur regt die Fantasie und das Gestalten an, sie macht uns zu Menschen“, sagt sie.

Weyland: Städtischen Bühne kein Wahlkampfthema

Weyland warb nun dafür, dass die Stadtverordneten „zügig eine Lösung“ für die Zukunft der Städtischen Bühnen finden und sich nicht in Streit verheddern sollten. „Dauernde Diskussionen und politische Auseinandersetzungen schaden der Oper und dem Schauspiel“, sagte sie.

Die „oberste Priorität“ müsse sein, „das sehr hohe Niveau“ der beiden Häuser „mit ihrem wunderbaren Spielplan“ zu halten. Besonders die Oper sei „international anerkannt“; sie bekomme „regelmäßig Auszeichnungen – sie war 1995, 2002 und 2014 Opernhaus des Jahres“.

Zum Auftakt ihres Wahlkampfs im September hatte Weyland Kultur als eines ihrer zentralen Themen definiert. Sie warb dafür, dass Frankfurt sich als Kulturhauptstadt 2025 bewerben solle, gemeinsam mit der Region. Das Thema forcierte sie bei einem Diskussionsabend im English Theatre und kündigte an, direkt nach einer erfolgreichen Wahl im Frühjahr die Bewerbung vorbereiten zu wollen. „Ich mache das zur Chefsache“, sagte sie damals. Die Hochtaunuskreis unterstützt die Bewerbung mittlerweile.

Damals äußerte Weyland, dass sie die Frage nach der Zukunft der Städtischen Bühne nicht für ein geeignetes Wahlkampf-Thema halte. Sie sagte nur, dass sie sich ein neues Gebäude an einem anderen Standort vorstellen könne. Diese Ansicht vertritt auch die CDU im Römer.

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